Review: Disco Ensemble – Warriors


Review: Disco Ensemble - Warriors
Titel: Warriors
Artist: Disco Ensemble
Release: 31.10.2012 (Deutschland, 21.9. Finnland)
Genre: Alternative Rock
Label: Fullsteam Records & Sony Music Entertainment
Urteil: 4,0 von 5,0 Sternen
Kurzum: Nächster Schritt der Evolution ohne Qualitätsverlust.

Tracklist:

1 Intro 2:30
2 Second Soul 3:41
3 Too Much Feeling 3:54
4 Eartha Kitt 4:04
5 I’ve Seen The Future 3:35
6 With Every Step 4:23
7 Hologram 3:24
8 Spade Is The Anti-Heart 3:06
9 Chinese Sword 2:39
10 1000 Years 4:32
11 Your Shadow 4:19
Gesamtlaufzeit: 40:15

 

Dieses Mal blieb sie aus, die große digitale Schnitzeljagd auf Facebook & Co. Ihr fünftes Studioalbum haben die vier Finnen von Disco Ensemble eher schleichend auf den Markt geworfen. Lediglich eine Studiovideoversion zum Vorboten Your Shadow gab es (wobei sich niemand sicher sein konnte, ob das nun final eingesungen war, geschweige denn ein Albumtrack) und die Single Second Soul. Und plötzlich war es dann da, das Album.

“So WARRIORS is out! Good luck, our fifth son!”

Seit Viper Ethics (2003) hat sich vieles getan. Kurioserweise habe ich diese Wandlung bereits beim Vorgänger The Island of Disco Ensemble (Review) angemerkt. Und ja, es ist erneut eine Entwicklung zu sehen und doch scheinen die vier mehr dennje dem teils zugeschriebenen “Post-Hardcore-Punk” den Rücken zu kehren (falls er ja da war) und in eine härtere Ausgabe von Maxïmo Park zu verwandeln. Das soll kein Vorwurf sein, denn an sich wird der beim Vorgänger eingeschlagene Weg nur konsequent weiter gegangen. Zudem bietet Warriors weitaus mehr Fassetten als man zunächst denkt.

Im Einzelnen: Am Anfang steht das Intro. Die ersten Töne sind mehr als gefällig. Ein lockeres Riff ertönt um schnell von einem zerstückelt gespielten Schlagzeug ergänzt zu werden. Pause. Und los geht’s! Kein spektakulärer Auftakt, aber in sich letztlich eine Mischung dessen, was den Hörer die kommenden 40 Minuten erwartet. Ein kleines Gitarrensolo, tendenziell ruhigere Töne. Und auch wenn es unspektulär hergeht, bleibt der Song spätestens beim zweiten Durchlauf im Gehörgang kleben. Kriechend, aber er bleibt. Second Soul sollte mittlerweile bekannt sein. Solider Song, der zunächst etwas lasch erscheint, sich dann aber in eine Reihe mit bspw. Protector einreiht.

Review: Disco Ensemble - Warriors

Es folgt ein atmosphärischer Wandel. Too Much Feeling löst die vorherige Euphorie ab, wirkt bedenklich, düsterer. Die Noten plätschern dahin, wirklich Drive kommt erst kurz vor Schluss auf. Dennoch kommt vor allem im Refrain sehr viel Emotion rüber. Dann der wohl stärkste Song der Platte. Eartha Kitt bietet nicht nur ein klasse Intro, nein vor allem der Refrain überzeugt auf voller Länge. Ein Track mit ordentlich Energie im Blut. Und das, obwohl er etwa eine Minute lang doch recht verhalten startet. Doch spätestens beim ersten “Do you remember”-Ausruf ist man sofort bei der Sache. Auch das folgende I’ve Seen The Future kann vor allem mit einem gelungenen Strophenriff überzeugen. Erneut sticht eines der vielen instrumentalen Intros ins Ohr. Dazu wirkt Miikka Koivist’s Stimme endlich mal wieder etwas dreckiger hier und da.

Danach wird es wieder etwas ruhiger. Energie soll getankt werden. With Every Step wäre bei einer der ersten Platte noch als absolute Ballade durchgegangen. Jetzt ist es ein Poprock-Song mit Auf und Abs. Kein wirklicher Reißer, die ein oder andere Romantic Comedy wird es aber befeuern können. Ein heimlicher Favorit von mir folgt mit Hologram. Ein extrem unscheinbarer Song, der alleine mit der Stimmung und vor allem dem ersten Vergleich zwischen “Woman” und “Hologram” derart hängen bleibt. Sehr emotional und dann doch die Ballade auf der Platte.

Schluss mit Ruhe. Spade Is The Anti-Heart ist einer der wenigen Songs, die quasi direkt beginnen. Sofortige Vocals, eingängige aber doch simple Struktur. Ein Song, der so oder ähnlich auch auf einem First Aid Kit hätte sein können. Chinese Sword hätte es gar noch eine Platte früher schaffen können. ein ungewohntes Tempo wird dabei gleich von Beginn angestoßen. Das ist doch tatsächlich punkiger Rock, ein paar Minuten nach einer Ballade, die vor Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Sehr energetisch, dürfte Live ein Brett werden.

Das folgende 1000 Years wirkt von Beginn an epochal. Den Song prägen zunächst weite und klobige Passagen, bis der Song dann seine eigentlichen Stärken auspackt. Ein kleiner Break nach etwa zwei Minuten, bedächtiger Gesangt von Koivist, ein wiedereinsetzendes Schlagzeug und der Song ist gerettet. Genau dieses Wechselspiel hatte Disco Ensemble vor einigen Jahren noch nicht so drauf. Und dann folgt ein Highlight: Your Shadow. Der besagte Vorabgeschmack auf das Album, der gar nicht unbedingt als solcher von mir im ersten Moment wahrgenommen wurde. “Ist das eine rohe Studioaufnahme, die noch gemixt werden muss?” “Ist das eine B-Seite?” Nein, das ist der abschließende Track der Platte. Ein ungemein eigener Sound, eine notentechnische Leere, die doch mit so viel gefüllt wird. Eine schaurige Stimmung, eine ergreifende Stimme, ein sich wunderbar entfaltender Klangteppich. Und plötzlich auf dem Höhepunkt – ist alles vorbei. So schnell. Das elektronisch anmutende Riff vom Shadow saust noch in den Gehörgängen während man sich fragt, ob das nun richtig gut oder eher so “meh!” war.

Urteil: 4,0 von 5,0 Sternen

Dann kommt man zu dem Schluss, dass man doch durchgängig gute Musik gehört hat. Und sie wieder hören will. Disco Ensemble zeigt sich hier erneut um eine Ecke wandlungsfähig. Sie gehne zum einen den etwas melodischeren Weg von Island… weiter, zum anderen vermischen sie Elemente vorheriger Platten. Heraus kommt ein dynamisches Gesamtkunstwerk, das zwar leider erneut viel zu kurz geworden ist, aber sicherlich erneut einen guten Platz in den LangweileDich.net-Jahrescharts machen dürfte. Platz 2 aus 2010 zu bestätigen dürfte aber dennoch schwer werden.

Ich freue mich jedenfalls schon derbe darauf, die Jungs mal wieder live sehen zu können. Showdates gibt es für euch nach dem Abschlusssong Your Shadow.

OCT 31 GERMANY, FLENSBURG, VOLKSBAD
NOV 01 GERMANY, OSNABRÜCK, KLEINE FREIHEIT
NOV 02 GERMANY, COLOGNE, LUXOR
NOV 03 GERMANY, HANNOVER, FAUST
NOV 07 GERMANY, WIESBADEN, SCHLACHTHOF
NOV 08 GERMANY, STUTTGART, UNIVERSUM
NOV 09 GERMANY, MUNICH 59:1
NOV 10 GERMANY, LINDAU, CLUB VAUDEVILLE
NOV 22 GERMANY, LEIPZIG, CONNE ISLAND
NOV 23 GERMANY, BERLIN, LIDO
NOV 24 GERMANY, HAMBURG, LOGO

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6 Kommentare

  1. definitiv ein rückschritt. also ich habe viel mehr erwartet oder zumdindestens was aufbauendes auf die letzten alben. möchte mal sehen wie die dazu abgehen wollen wie sonst immer.
    u2 für für arme stellenweise. ich bin echt enttäuscht

  2. ich war anfangs auch etwas enttäuscht. Und eigentlich hätte ich auch 3,5 Sterne gegeben im Nachhinein, aber was soll’s. Die Platte hat dennoch einige echt gute Stellen, von einem Rückschritt würde ich da keineswegs sprechen, aber natürlich wie immer geschmackssache. :)


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