Archiv der Kategorie 'Geschichten'

Thu 03.01.2008 - 09:56

Kurzgeschichte: Drei Haare und ein Kater

„Ich hab’ drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär! Du hast drei Haare auf den Zähnen, bist `ne Frau!“ Das T-Shirt mit dieser Aufschrift hätte ich wohl besser nicht angezogen. An unserem Jahrestag als Liebespaar. Aber so etwas wird einem ja auch erst immer gesagt, wenn man sich schon für seine Kleidung entschieden hat. „Heute ist Valentinstag!“, „Schatz, heute ist mein Geburtstag!“, oder „Sie können die Braut jetzt küssen“. Immer bin ich falsch angezogen.

Der Grund, warum Jasmin allerdings weggelaufen ist, war nicht das Shirt, sondern viel eher mein mit Unterstützung eines Glasbataillons Krombacher heraus Gebrülltes, was der T-Shirt-Aufschrift erschreckend nahe kam. War halt nur die zweite Hälfte davon. Acht Mal. Hintereinander. Mit wahrscheinlich eher feuchter und übel riechender Aussprache mitten in ihr Gesicht. Oh, ihr schönes Gesicht – wie ich es vermisse. Also sonst war es schön. Zu dem Zeitpunkt nicht wirklich.

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Tue 20.11.2007 - 12:19

Kurzgeschichte: Den Faden verloren

Michael spürt es. Er spürt die warme Sonne auf seinem Gesicht. Er hört die Vögel leise im Hintergrund vor sich hin zwitschern. Nicht lästig, sondern einfach nur als Zeichen des Frühlings. Nicht nur, dass es Michaels Lieblingsjahreszeit ist, nein, es ist zudem noch einer der besten Frühlinge seines Lebens. Dank pre-generationaler CO2-Ausstoßungen kann er sich heute auf sonnige 26 Grad freuen. Und das im März. Dazu kommt ein geordnetes Leben mit jeder Menge Spaß in der Freizeit und guten Karriereaussichten. Erst gestern wurde Michael zum Vize-Abteilungsleiter einer Supermarktfiliale ernannt. Für viele sicherlich kein angestrebtes Berufsziel, aber für ihn das höchster aller Jobgefühle. Solange Spaß mit Lohn einhergeht, ist es der perfekte Job.

Und das allerbeste: Es ist Sonntag. Nicht ein „Ich muss um fünf Uhr raus, um meinem Bruder beim Umzug zu helfen“-Sonntag, sondern ein richtiger. Sorgenfreies Ausschlafen und ein laaanges Frühstück stehen unter anderem auf dem Plan. Michael öffnet langsam die Augen, nimmt den Stift vom IKEA-Nachttisch und macht auf einer kleinen List einen Haken hinter dem Wort „Ausschlafen“. Ja, das muss er schon zugeben. Michael ist verkopft. Verkopft, was ein Wort, aber es passt bei ihm wohl wie die Faust zu Goethe.

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Sun 01.07.2007 - 10:00

Kurzgeschichte: Die Reise (I)

Es ist sicherlich schon zwei Minuten über die reguläre Spielzeit und es steht immer noch 1:1 im Derby des Jahres. Plötzlich liegt der Ball genau vor meinen Füßen. Ich lasse elegant den letzten Verteidiger mit einer Körpertäuschung stehen und renne aufs Tor zu. Der Torhüter steht ein paar Meter zu weit vorne. Das könnte doch was werden. Angesetzt zum Lupfer… Und ja, der könnte passen! Langsam senkt er sich in den Winkel, und – OHRENBETÄUBENDER LÄRM!

Schockiert springe ich regelrecht auf und stoße mit dem Kopf an mein Bücherregal. Ich wusste, ich hätte es nicht genau über das Bett schrauben sollen. Noch etwas unorientiert fingere ich nach meinem Handy, welches auf dem Nachttisch fröhlich vor sich hin blinkt. Und noch viel schlimmer, es vibriert. Und dass „Highway to hell“ als Klingelton scheiße ist, habe spätestens jetzt auch ich gemerkt.

„ähm… ja?“
„Mensch Steffe, wo bleibse denn?“
„Wie, wo bleib’ ich?“
„Ja, stehn hier am Bahnsteig und der Zuch kommt gleisch… Urlaub is Urlaub. Hau ma rein!“
„Jaja, Urlaub ist Urlaub. Besuchen doch nur Ingo in Dortmund. Wieviel…. Oh, schon 9 durch, fuck!“
„Jahaa. Fuck im Quadrat sach isch Dir!“
„Ja.. äh.. versuch so schnell es geht zu kommen, ansonsten fahrt ihr schon mal, nehm dann ’ne Bahn später.“
„Aber was ist mit dem Bier?“
„Ach jaaa… das sollte ich auch noch mitbringen… Ähm, holt was am Bahnhof, geht auf meine Rechnung. Bringe dann Nachschub mit.“
„OK, dann is ja jut. Bis denne!“

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Mon 28.05.2007 - 09:22

Kurzgeschichte: Sieben Uhr

Sieben Uhr

Wach? Wach. Ja… Wach. Nicht nur so ein bisschen wach, sondern mal so richtig wach. „Warum nur?“ fragte sich Thorsten, seine Augen waren dabei aufgeschlossener, als Kader Loth für eine TV-Kamera. Warum war eigentlich mehr als klar: Das Piepen. Nun ja, eigentlich würde er das Piepen wie üblich überhören. Aber heute gab es den unpassenden Zufall, dass unpassender Weise eine vor allem Thorsten nicht passende Baustelle direkt vor seinem Fenster auf der Straße vor sich hin lärmte. Normalerweise bekommt er auch das in den Griff, aber heute ging es nicht. Ein Auto ist anscheinend voll in eins der vielen gelben Baustellen-Vehikel gerast. In so eine Planierraupe, oder was auch immer. War ja auch eigentlich egal, der plötzliche Knall war eher das Problem. Thorsten empfand seinen Gemütszustand als kurz, aber prägnant hellwach. Erst letzte Woche hatte er herausgefunden, dass ‚prägnant’ nicht für schwanger steht, und versucht es seitdem regelmäßig einzusetzen. Und in diesem kurzen Zeitfenster der Hellwachigkeit trat es ein: Das Piepen. Mitten in den Raum. Mitten in sein Ohr. In den Kopf, und da wollte es anscheinend auch bleiben.

Selbst, wenn jemand die Quelle des Geräusches ausstellen sollte, glaubte Thorsten fest zu wissen, dass es bleiben würde. Es lief auch immerhin schon etwa 90 Sekunden lang. Immer wieder eine schrille Aneinanderreihung hoher Pieptöne. Wie das ein Wecker nun mal so macht. Leider war es nicht Thorstens Wecker. Es war, wie so oft, der Wecker seines Mitbewohners. Lukas hatte ein Faible für lange Reaktionszeiten. Und dafür, sein Zimmer immer abzuschließen. Und Thorsten so dem Piepen gnadenlos auszuliefern. Im Sport war Lukas eh schon immer eine Null, aber auch in den alltäglichen Dingen ging er die Sachen eher smooth an. An sich keine schlechte Eigenschaft, aber bei klingelnden Sachen hört der Spaß dann auf.
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Mon 21.05.2007 - 09:00

Kurzgeschichte: “Einkaufen”

Kurzgeschichte: EinkaufenFrank war etwas genervt. Einkaufen stand an. Nicht, dass er schon genug mit Fernseh-Gucken und Playstation-Spielen hat, nein, nun soll er für seine Liebste auch noch die 82 Stufen hinuntersteigen und durch den verregneten Novembertag rennen, um unwichtige Sachen zu besorgen. An der passenderweise roten Fußgängerampel kramt er den extra für ihn angefertigten Zettel aus der Hosentasche. Milch, Brot, Käse, Wasser, Mehl, Äpfel,Tampons, .. Nichts wichtiges dabei, wie er es geahnt hatte. Die letzten beiden Punkte waren verschwommen und nicht lesbar. Könnte am Regen liegen. Gut so, dann ist es weniger zu schleppen nachher.

Nach unendlich erscheinenden 42 Sekunden schaltete die Ampel auf Grün. Hätte Frank doch nicht so eingängig den Zettel studiert und die erste Passierphase dem Wortlaut nach passend verpasst… Schnell vorbei an weiteren frierenden und schlecht gelaunten Menschen, die sicher auch alle Tampons und Milch kaufen müssen. Sie alle tun Frank leid. Genau, wie er sich selber. Nur ein kleiner Junge tat ihm noch mehr leid… Der hatte keine von ihm selbst ausgewählte Freundin, die ihn losschickte, sondern eine von seinem Vater ausgewählte Mutter, die ihn sinnlos mitschleift. Warum holt sie ihre Tampons nicht alleine? Wird sich wohl auch der kleine Bengel denken, als er wütend in eine der zahlreichen Pfützen springt und somit Flecken auf den Mantel der vermeidlichen Mutter, und ein Lächeln auf Franks Gesicht zaubert.

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