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Neue Kolumne von Junior-Bloggerin Livia

Gedanken einer 19-Jährigen: Ampelgefühle

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Der neue Bundestag ist gewählt und die Sondierungsgespräche zwischen den Parteien laufen seitdem auf Hochtouren. Für mich war es die erste Bundestagswahl und was mir am Ergebnis auffällt und natürlich freut, dass besonders viele Erstwähler ihre Möglichkeit zum Kreuzchen machen genutzt haben. Schön ist auch zu sehen, welchen Einfluss wir jungen Wähler doch tatsächlich haben können. Das hat im hohen Maße der FDP und den Grünen aber auch der SPD genutzt.

Außerdem zeigt dieses Ergebnis sehr schön, dass genau diese drei Parteien bei einem Wahlrecht ab 16 Jahren einen Vorteil hätten. Ganz im Gegensatz zur Union. Denn ein Wahlrecht ab 16 würde der Union schaden und daher wundert es mich nicht, dass sie strikt gegen die Einführung eines Wahlrechtes ab 16 Jahren bei Bundestagswahlen sind. Diese Einstellung kann man haben, hat aber der CDU jetzt auch nichts mehr genützt.

Das Wahlergebnis zeigt auch, dass eine große Mehrheit der Erstwähler mit fast 60% eine Ampelkoalition als neue Regierung bevorzugen. Ok, wenn es nur nach den Erstwählern ginge, würde der neue Bundeskanzler Christian Lindner heißen. Das Ergebnis war für mich tatsächlich auch eher überraschend. Aber, wo die Liebe hinfällt.

Ich wurde jetzt des Öfteren schon gefragt, warum die beliebtesten Parteien in meiner Generation ausgerechnet die FDP und Grüne sind. Zwei Parteien die inhaltlich nicht unterschiedlicher sein können? Das hört sich in der Tat komisch an. Aber wenn man versteht, wie meine Generation tickt, dann ist das eigentlich auch wieder logisch. Man darf nicht vergessen, dass für einen großen Teil der Jugend der Klima- und Umweltschutz an erster Stelle steht. Somit sind die Grünen für viele logischerweise ihr Favorit. Aber die FDP kommuniziert dafür sehr offensiv und lösungsorientiert Themen, die meiner Generation neben dem Klimaschutz eben auch wichtig sind. Wie Digitalisierung, Reform des Bildungsföderalismus, Bildungsgerechtigkeit oder Klimaschutz durch neue Technologien. Und gerade junge Menschen sind für neue Wege, neue Ideen sehr aufgeschlossen. Es zeigt aber auch, dass man nicht alle Jugendliche über einen Kamm scheren darf. So wie es in jeder Generation ist. Aber vor allem darf man die Generation nicht gegeneinander ausspielen.

Letztendlich haben aber die meisten Stimmen die SPD bekommen und somit Olaf Scholz den Auftrag, eine neue Regierung zu bilden. Das ist für mich eben Demokratie. Die Mehrheit aller Wähler wollen einen Regierungswechsel. Und diesen Wunsch der Mehrheit sollte man auch anerkennen. Auch das ist für mich Demokratie. Es ist doch schnurz, ob man mit 20 Prozentpunkten Vorsprung gewinnt oder mit einem. Das ist für mich das Grundprinzip einer Demokratie. Der mit den meisten Stimmen gewinnt und bekommt von uns Wählern den Auftrag eine Regierung zu bilden.

Die Union wurde nur Zweiter. Sie wurde abgewählt. Klar, zu verlieren ist nie schön. Aber sich hinzustellen, das schlechte Wahlergebnis auch noch schön zu reden und trotzig zu versuchen mit eigenen Sondierungsgesprächen eine Mehrheit zu bekommen, um an der Macht zu bleiben, geht für mich gar nicht. Da frage ich mich, warum habe ich überhaupt gewählt, wenn die Parteien dann sowieso machen, was sie wollen. Dann brauchen wir alle nicht mehr wählen, es können ja die Parteien immer unter sich ausmachen, wer gerade regieren darf. Nein, so geht es natürlich nicht. Eine Wahl ist kein Wunschkonzert für die Parteien, sondern für die Wähler. Für mich ist das einfach kein gutes Zeichen, was die Union hier zeigt. Demokratie darf man nicht nur predigen, sondern auch leben.

Demokratie heißt glaube ich auch nicht, dass automatisch jede Wahl von der Union gewonnen wird. Ich würde mich als CDU mal lieber kritisch hinterfragen, warum man so viele Stimmen verloren hat. Oder warum man bei den jungen Wählern so gar nicht ankommt?

Andererseits birgt das Ergebnis dieser Wahl aber auch viel Druck auf die Parteien SPD, FDP und Grüne. Denn nach den Willen der Wähler müssen sie es eigentlich schaffen, eine Regierungskoalition zu bilden. Und besonders wir jungen Wähler sehen diese drei Parteien in der Pflicht. Was man so in den letzten Tagen von der SPD, FDP und Grünen gehört, gesehen oder gelesen hat, sind bei den Sondierungsgesprächen ja schon anscheinend die ersten zärtlichen Ampelgefühle entstanden. So war mein Eindruck zumindest.

Wenn wir jetzt das Ganze nur auf die Farben der Parteien reduzieren, entsteht daraus übrigens ein interessantes Farbenspiel: Mischt man nämlich die Farben Rot und Gelb ergibt es die Farbe Orange. Fügt man zu Orange dann die Farbe Grün hinzu, bekommt man schließlich die Farbe Braun. Ok, das hört sich jetzt irgendwie Kacke an. Aber man sollte nicht immer alles gleich Schwarz sehen. Außer die CDU vielleicht. Aber die dürfen es ja. Da hat man das Zerstörer-Video von Rezo überlebt und dann das! „Karma is a bitch“!

So gesehen löst das Ergebnis der Wahl bei jedem andere Ampelgefühle aus. Je nachdem, aus welcher Perspektive man es auch sieht oder in wie weit es einen persönlich betrifft. Manche bekommen Schmetterlinge im Bauch und andere eher Bauchschmerzen.

Ich als junger Mensch finde die Idee einer Ampelkoalition unter einem Bundeskanzler Olaf Scholz als Chance. Wenn die Politiker dieser drei Parteien ernsthaft bereit sind, die Egos beiseite zu schieben und eine Politik für die Zukunft zu machen, dann habe ich große Hoffnung, dass dies auch gelingt. Aber ich glaube auch, dass es bis dahin noch ein langer weiter Weg ist. Ich bin jetzt schon neugierig, wie die Verhandlungen ausgehen werden. So hoffe ich auf alle Fälle, dass sich die Ampelgefühle mit zärtlichen Schmetterlingen im Bauch zeigen werden. Zarte Knospen der Annäherung scheint es ja schon zu geben.

Junior-Bloggerin Livia (Website) aus München ist trotz ihrer jungen Jahre bereits eine alte Häsin hier. Als Erste Kolumnisten ist sie bereits seit September 2015 hier aktiv und schreibt monatlich über gesellschaftliche Dinge aus der Sicht einer modernen Jugendlichen.

2 Kommentare

  1. Pingback: Kolumne: Ampelgefühle – Livia Josephine Magazin

  2. Rumold says

    Rund 1 Million Wähler sind „lieber“ gestorben, als die CDU zu wählen…

    Sorry für den despektierlichen Sarkasmus (… der aber „leider“ durch die Statistiken gestützt wird…)!

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