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In Kooperation mit Sascha Liehr

Online-Gaming im sozialen Kontext: So kommunikativ ist dein digitales Hobby

Games
Maik - 07.03.21 - 6:29
Online-Gaming im sozialen Kontext: So kommunikativ ist dein digitales Hobby esports-games_pixabay

[Dieser Beitrag wurde von Sascha Liehr verfasst.]

Online-Gamer werden kritisch beäugt. Sie verbringen Stunden vor dem Computer und flüchten sich in virtuelle Welten mit möglicherweise gewaltverherrlichenden Inhalten. Soziale Kontakte? Fehlanzeige. Soweit das lange gepflegte Klischee. Bei genauerem Hinsehen wird auch Kritikern klar, dass hier eine differenziertere Betrachtung notwendig ist. Online-Gaming ist ebenso facettenreich wie viele andere Hobbys und je nach Ausprägung sogar weitaus sozialverträglicher. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen des digitalen Hobbys und bringen eine überraschend soziale Komponente ins Spiel.

So kommunikativ kann Online-Gaming sein

Dass die digitale Welt keine Einbahnstraße ist, wissen wir spätestens seit dem Boom der sozialen Medien. Über Facebook, Twitter und Co. teilen wir unser Leben mit der ganzen Welt und können Kontakte über den gesamten Globus hinweg pflegen. Wer moderne Singles danach fragt, wie sie aktuell auf Partnersuche gehen, trifft unweigerlich auf digitale Partnerbörsen wie Tinder. Das Leben wird immer digitaler. Das hat dazu geführt, dass das Potenzial virtueller Welten wächst. Heute können wir vielfältige Lebensbereiche in den digitalen Raum verlagern, ohne an Lebensqualität einzubüßen.

Seit die ersten Klischees um die soziale Inkompetenz von Gamern entstanden sind, hat sich auch der Bereich des Online-Gamings weiterentwickelt. Nicht nur Grafik und Spielinhalte sind zu neuen Ufern aufgebrochen, auch die soziale Komponente in Online-Spielen hat zugenommen. Die so genannten MMORPG (Massive Multiplayer Online Roleplaying Games) gehören zu den Favoriten auf dem Computerspielmarkt. Hier ist es möglich, in andere Welten einzutauchen und dabei gemeinsam mit anderen Spielern Aufgaben zu lösen oder Schlachten zu schlagen. Für jeden Genregeschmack ist etwas dabei.

Kommuniziert wird über Ingame-Chat, Messenger oder über eines der verbreiteten Chatprogramme wie Skype, Teamspeak oder Discord. Die meisten MMORPG bieten Gruppenspielmodi an, deren Herausforderungen einzeln nicht zu meistern sind. Je nach Spielvariante finden sich die Gruppen in jeder Spielsitzung nach dem Zufallsprinzip oder durch gezielte Ingame-Suche zusammen. Es ist auch möglich, feste Gruppenverbände zu bilden und gemeinsam mit Freunden und festen Spielpartnern auf die Reise zu gehen. Auch Briefe, Ausrüstung und andere Ressourcen können in vielen Spielen zwischen den Charakteren ausgetauscht werden. So entsteht eine echte Gruppendynamik, die den Spielspaß erhöht und soziale Kontakte entstehen lässt.

Wie kostbar ein digitales Hobby sein kann, haben die Coronapandemie und der damit einhergehende Lockdown deutlich gemacht. Während die meisten sozialen Kontakte plötzlich abgeschnitten waren, genossen passionierte Gamer auch weiterhin die gemeinsame Zeit mit Freunden und Spielpartnern, ohne ihre Gewohnheiten einschränken zu müssen oder gesundheitliche Risiken zu befürchten. Ein kostbares Gut in Zeiten des Social Distancing.

Soziale Kontakte als Trend im digitalen Bereich

Online-Gaming im sozialen Kontext: So kommunikativ ist dein digitales Hobby esports-games_unsplash

Was in den MMORPG funktioniert, findet zunehmend auch in anderen Online-Bereichen Verwendung. Wie beliebt soziale Kontakte im Web geworden sind, zeigt die Branche der Online Casinos. Das digitale Angebot an Glücksspielen boomt seit Jahren. Das Interesse an virtuellen Spieltischen und Slotgames ist ungebrochen, wie die Vielfalt an Anbietern zeigt. Gerade Casinos und Wettanbieter mit attraktiven Bonusbedingungen wie beispielsweise dem Interwetten Casino Bonus sind beliebt.

Eine Entwicklung der jüngeren Zeit zeigt allerdings, dass auch begeisterten Online-Glücksspielern eine soziale Komponente zusätzlichen Spielspaß bereitet. Die so genannten Live Casino Events locken durch ein ganz besonders Konzept. Über Kameras und Videochat können Spieler an Live-Events teilnehmen, bei denen echte Croupiers und Dealer am Spieltisch mit ihnen interagieren. Die Events finden in niedergelassenen Spielbanken statt. Online-Spieler werden digital zugeschaltet. Meist gibt es die Möglichkeit, aus verschiedenen Kameraperspektiven zu wählen und sich so mitten ins Geschehen zu bringen. Eine Chatfunktion macht es möglich, mit den Croupiers und gelegentlich auch mit anderen Spielern in Kontakt zu treten. Der Trend des Live Casinos kommt bei Online-Spielern gut an und scheint den Kreis zu schließen, der durch die Konkurrenz zwischen niedergelassenen Spielbanken und Online-Anbietern noch unvollständig geblieben war.

Das soziale Miteinander bereichert die virtuelle Spielwelt

Computerspiele, die ihren Nutzern die Möglichkeit einer sozialen Komponente bieten, sind langfristig erfolgreicher als Singleplayer. Das belegt das Nutzerverhalten über einschlägige Plattformen. Der Videospiel-Anbieter Steam meldete beispielsweise im März mit dem Beginn des Lockdowns einen Nutzerrekord von 22 Millionen Spielern, die sich an einem Samstagabend über die Plattform einloggten. Am häufigsten entschieden sich die Nutzer dabei für eines der vielfältigen MMORPG, die der Anbieter im Portfolio hat.

Tatsächlich zeigt das Nutzerverhalten, dass eine soziale Komponente in Computerspielen vor allem für regelmäßige Gamer wichtig ist. Wenn sie sich am Computer eine Auszeit vom Alltag gönnen, möchten sie dabei nicht sozial isoliert sein, sondern auch bei ihrer virtuellen Freizeitgestaltung den Kontakt mit Gleichgesinnten genießen. Die Universität Leipzig hat sich dem Thema soziale Kontakte in virtuellen Welten im Rahmen einer Studie genährt. Auf der berühmten Games Convention in Leipzig befragte ein Forscherteam um Bernd Schorb, Professor für Medienpädagogik an der Universität Leipzig, 367 Jugendliche im Alter von zehn bis 22 Jahren mittels eines Fragebogens zu ihren Spielgewohnheiten. Das Ergebnis macht deutlich, wie bereichernd die soziale Komponente in Computerspielen wahrgenommen wird. 78 Prozent der Studienteilnehmer gab an, Online-Spiele gemeinsam mit Freunden aus Schule, Uni oder Nachbarschaft zu spielen. Zwei Drittel der Befragten betonten sogar, virtuelle Spielwelten besonders aufgrund ihres Potenzials zu mögen, neue Leute kennenzulernen. Mehr als die Hälfte der Spieler konnte angeben, allein über die Nutzung von entsprechenden Computerspielen neue Freundschaften geschlossen zu haben.

Für viele sind der Kontakt und der Austausch mit Gleichgesinnten sogar wichtiger als die Spielinhalte an sich. „Für die Jugendlichen macht es einen Unterschied, ob sie gegen den Computer spielen oder ein Gegenüber haben, das sich selbst Neues ausdenken kann“, sagt Medienpädagoge Matthias Kießling im Gespräch mit der taz. „Besonders gefragt sind deswegen Spiele, bei denen Aufgaben im Team gelöst werden müssen und sich die Spieler mit anderen messen können.“
Thematiken, die das reale Leben betreffen, finden vor allem in festen Gilden, Clans und Spielgruppen Berücksichtigung. In solchen Gemeinschaften ist das soziale Miteinander besonders wichtig. Die Spieler tauschen sich über private Ereignisse, Erfolge und Probleme aus. So können soziale Beziehungen entstehen, die sich im realen Leben fortsetzen. Ein Aspekt, der das Klischee vom sozial isolierten Gamer in einem differenzierten Licht erscheinen lässt.

Online-Gaming kann die Sozialkompetenz fördern

Das Vorurteil, dass Online-Spiele einem gesunden Sozialverhalten im Wege stehen, ist längst widerlegt. Medienpädagogen vertreten vielfach sogar die Theorie, dass das digitale Hobby einen durchaus wertvollen Beitrag zur Entwicklung sozialer Kompetenzen leisten kann. So sollen insbesondere Jugendliche durch die virtuelle Interaktion mit Gleichgesinnten lernen können, sich in Gruppenstrukturen zu integrieren, Regeln zu befolgen und einen eigenen Beitrag zu einem gemeinsamen, größeren Ziel zu leisten.

Medienpädagoge Roland Rosenstock bezeichnet Online-Spiele als einen wesentlichen Bestandteil der Jugendkultur, der wichtige Entfaltungsräume bietet. „Sie sind soziale Räume, in denen Jugendliche ihre Freizeit verbringen, Kontakte pflegen und sich ausprobieren können“, sagte Rosenstock vor einer Fachtagung zur Mediennutzung bei Jugendlichen, über die die Welt berichtete. „Das Jugendalter ist durch die Suche nach der eigenen Identität geprägt. Internet-Spiele könnten dabei helfen, wenn der soziale Kontext stimmt. Jugendkultur hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass es erwachsenenfreie Räume gibt, die für die Persönlichkeitsentwicklung von zentraler Bedeutung sind. „Die Spiele können einen wesentlichen Beitrag leisten zur Entwicklung der Persönlichkeit und zur Einbettung in die Gesellschaft“.

Ein wesentlicher Aspekt bleibt auch vor diesem Hintergrund das Maß. Ein digitales Hobby kann persönliche soziale Kontakte im direkten Umfeld nicht ersetzen. In einem gesunden Gleichgewicht zu anderen alltäglichen Aktivitäten kann Online-Gaming aber vor allem in der aktuellen Zeit eine Lücke im sozialen Bereich schließen und einen wertvollen Beitrag zur persönlichen Entwicklung leisten.

Mit freundlicher Unterstützung von Sascha Liehr. | Bilder: Pixabay.com (superanton, CCO-Lizenz), unsplash.com (ELLA DON) | Glücksspiel kann süchtig machen. Infos und Hilfe unter www.bzga.de

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