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Neue Kolumne von Junior-Bloggerin Livia

Gedanken einer 18-Jährigen: Geisterspiele

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Horrorszenario: Geisterspiele! Aber für manche ist es schon ein Horrorszenario, wenn der nächste Gegner FC Bayern heißt und für andere wieder, wenn man Fan vom TSV 1860 München ist. Man sieht, es ist alles Ansichtssache. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. Ich sehe es aus der Sicht meiner Generation.

Was bedeutet eigentlich „Geisterspiele“? Es hat nichts damit zu tun, dass der Flaschengeist gegen den Kräutergeist spielt obwohl das für den einen oder anderen eine Horrorvorstellung wäre. Nein, es bedeutet eigentlich nur, dass ein Fußballspiel nicht vor tausenden Zuschauern stattfindet, sondern vor Null. Und somit auch mit null Stimmung im Stadion, also mit einer sogenannten Geisterstimmung. Ich denke, somit heißt es auch Geisterspiel.

Nach der Zeit von Ausgangssperre wird nun das gesellschaftliche Leben wieder langsam der „Normalität“ angepasst. So, wie bei uns Jugendlichen die Schule langsam wieder anfängt, steht es jetzt auch fest – es wird Geisterspiele geben, zumindest in der 1. und 2. Bundesliga.

Die Politik hat sich jetzt dazu entschieden. Nach der Diskussion der Sportminister der Bundesländer und der Ministerpräsidententagung mit Bundeskanzlerin Frau Merkel wurde nun beschlossen, dass die Fortsetzung des Spielbetriebes in der Fußball-Bundesliga vor leeren Zuschauerrängen ab 16. Mai möglich ist. Die Deutsche Fußball-Liga muss dabei aber strengste hygienische und medizinische Voraussetzungen schaffen, durchsetzen und mit geeigneten Maßnahmen überprüfen. Der erste Spieltag wird also am morgigen Wochenende starten.

Die Freude in meiner Generation ist groß, denn für viele hat der Fußball einen sehr hohen Stellenwert. Viele Vorbilder kommen aus dem Sport. In der heutigen Zeit mit vielen Entbehrungen würde eine gewisse „Normalität“, und wenn es nur Fußballspiele ohne Zuschauer sind, viel positive Ablenkung bringen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass es gesundheitlich möglich ist. Also, wenn Schulen, Geschäfte und kleine Cafés wieder geöffnet sind, dann sehe ich keinen Grund, dass nicht auch wieder Profi-Fußball gespielt werden kann. Fußballergebnisse, Schiedsrichterentscheidungen usw. haben ein sehr großes Diskussionspotential und können zumindest ein bisschen von den aktuellen Problemen etwas ablenken.

Man darf das Thema nicht unterschätzen. Aber wie sehen die das, die es direkt betrifft, nämlich die Fußballvereine? Außerdem gibt es ja nicht nur die erste Bundesliga. Auch Vereine aus der zweiten, dritten oder der Regionalliga haben viele Fans und ihre Ansichten.

Stellvertretend für die erste Bundesliga habe ich bei Michael Rudolph (Direktor Kommunikation) von Werder Bremen nachgefragt mit der Frage, wie der Verein über die Weiterführung der Liga denkt:

„Viele, die den Fußball insgesamt kritisieren, stellen fälschlicherweise in den Raum, dass man jetzt in einer Zeit, in der die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren sehr streng sind, Fußballspielen will. Das ist aber definitiv nicht so, der Profi-Fußball will keine ‚Extrawurst‘. Der Fußball und auch wir als Verein wollen uns vorbereiten für die Zeit in vier, fünf Wochen, wenn vieles wieder lockerer ist, wenn auch wieder die Schulen und Geschäfte geöffnet sind und das fängt ja von Bundesland zu Bundesland jetzt schon wieder an. Jeder Verein will dann erst wieder Fußball spielen wenn es die Politiker zulassen und die gesundheitliche Gefährdung geringer ist und nicht früher. Viele Kritiker behaupten, dass der Profi-Fußball sich zu wichtig nimmt und sehen im Fußball nichts Besonderes. Aber der Profi-Fußball ist etwas Besonderes in unserer Gesellschaft. Das sieht man bei jeder EM oder WM und durch die vielen Reaktionen nach jedem Spieltag. Keine Sportart hat in der Gesellschaft diesen Einfluss und bewegt so viele Menschen. Wichtig ist es, dass der Fußball diese Besonderheit zum Wohle der Menschen nutzt. Werder Bremen macht dafür jeden Tag sehr viel. Bundesligaspiele ohne Zuschauer sind natürlich nur ein Kompromiss und im Grunde ein schlechter Kompromiss, weil der Fußball von der Leidenschaft und Stimmung in den Stadien lebt. Aber für die Branche Profi-Fußball ist es sehr wichtig.“

Für die Dritte und die Regionalliga gab es noch keinen konkreten Plan, als Verwaltungsratsmitglied Dr. Markus Drees vom Drittligisten TSV 1860 mir zur unsicheren Situation folgendes Statement abgegeben hat:

„Bei 1860 ist der sportliche Geschäftsführer Günther Gorenzel besonders im Kontakt mit dem DFB und den anderen Vereinen. Die vorherrschende Meinung in der Führungsebene 1860 ist, dass man alles mögliche versucht, um die Saison mit einer sportlichen Entscheidung zu Ende zu führen. Während in der DFL (1. und 2. Liga) eher wegen der TV-Gelder Konsens herrscht, sobald wie möglich mit Geisterspielen das Ganze fortzusetzen, ist in der 3. Liga kein einheitliches Bild zu sehen. In einer Abstimmung unter den Vereinen haben sich zehn für eine Fortsetzung ohne Zuschauer ausgesprochen, während die anderen für einen Abbruch waren.“

Aus der 4. Liga habe ich vom Geschäftsführer Max Kothny des Vereins Türkgücü München folgendes Statement bekommen:

„In den Amateurligen ist ein Ligenabbruch so gut wie unausweichlich, da die Zuschauereinnahmen besonders die kleinen Vereine über Wasser halt. Persönlich denke ich schon, dass eine Fortführung der ersten drei Ligen sehr sinnvoll ist. Es hängen so viele Jobs an den Bundesligen und der 3. Liga, dass der Sport dieselben „Rechte“ bekommen sollte wie die normale Wirtschaft. Zudem finde ich, dass der Fußball eine hohe gesellschaftliche Rolle einnimmt.“

Ich persönlich finde die Fortführung der 1. und 2. Bundesliga eher positiv. Ich verstehe auch das Argument der Bevorzugung, aber wenn man wieder „gefühlte Realität“ will, dann gilt das für alle und nicht nur für ausgesuchte Branchen. Eine Begründung der Lockerungen ist ja, dass man, falls es zu einer Ansteckung kommt, die Ansteckungskette nachvollziehen kann. Und bei Profi-Fußballspielen kann man das eben sehr gut. Außerdem hat der Fußball, besonders bei den Jungs, ein extrem hohes Ablenkungspotential und diese Ablenkung lässt uns Mädels auch wieder ein bisschen mehr Raum für unsere „Mädelssachen“.

Für die 3.Liga und der Regionalliga wird es, denke ich schwieriger werden. Die 3. Liga soll wohl am 26. Mai re-starten und die Entscheidung wie oder ob es in der Regionalliga weitergeht, wird voraussichtlich innerhalb einer außerordentlichen Sitzung des DFB-Bundestages am 25.05.20 getroffen.

Zumindest können wir aber bald wieder darüber diskutieren, ob der FC Bayern wieder Meister wird oder ob sie doch noch von Borussia Dortmund abgefangen werden. Ich weiß, was Maik sich wünscht…

Junior-Bloggerin Livia (Website) aus München ist trotz ihrer jungen Jahre bereits eine alte Häsin hier. Als Erste Kolumnisten ist sie bereits seit September 2015 hier aktiv und schreibt monatlich über gesellschaftliche Dinge aus der Sicht einer modernen Jugendlichen.

4 Kommentare

  1. Pingback: Kolumne: Geisterspiele – Livia Josephine Magazin

  2. Pingback: Meine Kolumne für das Online-Magazin LangweileDich.net – Livia Josephine Magazin

  3. LArs says:

    Glückwunsch für das Erreichen der Rosa- Hellblaufalle schon mit 18…

  4. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 21 in 2020 |

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