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Über die Angst vor Großem und die Prokrastionations-Zuflucht

Meine Woche (47)

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Ich hatte mich nach der durchaus vollen letzten Woche auf viel Zeit und wenig Termine gefreut. Das ist auch eingetreten, so dass ich gestern tatsächlich kurz dachte „du hast kein einziges Foto diese Woche gemacht – was soll nur im Wochenrückblick zu sehen sein?!“. Doch das war nicht mein größtes Problem. Denn irgendwie hatte ich so lange so viele Dinge aufgeschoben, dass ich zwar viel Angriffslaune und „endlich Zeit dafür!“-Gefühl hatte, aber dann regelrecht angefroren bin. Eine kuriose Mischung aus Angst vor großen Projekten und Prokrastination.

Das erste Problem habe ich dann recht einfach gelöst, indem ich wenige Sekunden nach meinem Gedankengang beim Gang über eine Brücke (nach dem Pokemonspaziergang zum etwas weiter entfernten Supermarktbesuch den obigen Schnappschuss gemacht habe. Der symbolisiert in gewisser Weise diese Woche: Die Liebe nach Freiheit und doch gefangen in starren Strukturen. Menno!

Die letzte Woche

Neben der eigenen Terminlosigkeit hatte sich noch ergeben, dass ich seit Dienstag Strohwitwer bin. Eine komplette Woche mit so viel Zeit für so viele Dinge. Ich komme mir schon bescheuert vor, weil ich hier wöchentlich rein schreibe, welche tollen Dinge ich plane, vorbereite bzw. endlich vorbereiten möchte, damit ich sie euch sagen kann – und nun ist sie also da, die „Woche des Schaffens“! Aber nach einem Tag Alltagsabarbeiten, einem „ein bisschen Ruhe und Serien-Aufholen hast du dir auch verdient!“-Tag ist plötzlich schon Ende der Werktagswoche und ich habe noch immer keines der liegengebliebenen Projekte angefangen. Auch, weil sie mir einfach zu groß erscheinen.

Vielleicht kennt ihr das, wenn ihr ein Projekt oder eine Aufgabe nicht direkt angeht (oder auch angehen könnt). Es wird aufgeschoben und in Gedanken immer größer und furchteinflößender. „Nein, dazu muss ich mich richtig konzentrieren können!“, „Nein, das geht nicht so nebenbei, da brauche ich mindestes X Stunden am Stück!“, „Nein, erst muss ich Wäsche waschen und unbedingt zu diesem ganz weit entfernten Supermarkt gehen!“. Zu den allgemeinen Bewältigungsängsten gesellt sich der gute Kumpel Prokrastination. Eine ganze Weile hatte ich den nicht, weil einfach keine Zeit dafür blieb. Während unserer Skandinavienreise stand immer der Plan, möglichst schnell das Notwendigste machen, damit man in möglichst kurzer Zeit vor Ort möglichst viel sehen kann. Stress, damit man Stress haben kann. Wirklichen Urlaub hatten wir vielleicht zwei Tage in den fünf Wochen. Und jetzt geht das so weiter – jeden Tag (inklusive Wochenende) Arbeiten, Dinge klarmachen, vorbereiten, nachbereiten – zu. fucking. viel.

Hatte ich zu Beginn meiner Selbständigkeit noch sehr langsam gearbeitet und genossen, dass ich zwischendrin halt Dies schauen, Das spielen und dort surfen konnte, hat es sich gedreht. Vorher hatte ich mir immer gesagt, dass ich „das schon noch dazu machen kann“, weil ich ja so viel Zeit verplemper. Und wenn es mal stressig wurde, habe ich es „ja eh immer hin bekommen“. Jetzt merke ich, dass mir einfach die Zeit fehlt. Ich bin ans Ende gestoßen und kann die Aufschrift auf Ingos Pullover in „Dittsche“ mehr verstehen denn je. „25 hours isn’t enough“. Dazu passt es irgendwie, dass Blogger-Buddy Ben gerade beginnt, Ideen zu verschenken, weil er selbst einfach nicht dazu kommt, sie umzusetzen. Traurig, aber ich kann es gerade sehr gut nachempfinden.

Ein Großprojekt schiebe ich seit einem Jahr vor mir her (eigentlich länger). Es ist soweit startklar, aber ich traue mich nicht, zu starten, da es so in den Alltag über geht. Schaffe ich das „kleine Extra“ noch zusätzlich? Ich glaube, es ist gut, dass ich mir diese Frage stelle und zögere, da es sonst nur noch mehr wird. Also habe ich mich auch entschlossen, nicht mehr jetzt im Juli damit zu starten, sondern gegen Herbst. Weil eine andere Sache terminlich fixiert ist – und die Uhr tickt!

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Jetzt habe ich sehr weit ausgeholt, um auf das zu kommen, was ich die letzten Tage vermehrt gemacht habe. HTML, CSS, Javascript, jQuery – ich habe das große, bedrohliche Monster angegangen. Schritt für Schritt, eine kleine Sache von der immer länger werdenden ToDo-Wishlist abgearbeitet. Aber wie immer verliert man sich in Kleinigkeiten und ist überrascht, welche scheinbar nervigen Probleme sich mittels kleinster Eingaben und Änderungen lösen lassen (CSS, du geile Sau!) und welche anderen scheinbar leichten Sachen zu schier unlösbaren und Veränderungen herbei rufenden Problemen führen.

Jedenfalls habe ich einen kompletten Tag mit der Auswahl von Schriftarten verbracht. Einen Tag habe ich ehemalige Entscheidung von vor Monaten angezweifelt, nur um sie dann wieder zu bestätigen (eine gute und wichtige Sache, aber am Ende hat man einen Tag „verloren“). Und einen weiteren habe ich damit verbracht, mich über die Errungenschaft einer Mini-Sache zu freuen um kurz darauf den Fehler zu begehen, das noch zu Machende (im Best Case) anzuschauen.

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Aber ich will euch nicht langweilen. Nur so viel: Ich sehe wieder etwas Licht am Ende dieses Projekttunnels. Und das macht mir Mut und Hoffnung und Motivation, die dazu führt, dass ich heute bestimmt noch ein, zwei Dinge von meiner Liste streichen kann. Und euch dann wirklich irgendwann präsentieren kann, worum es mir eigentlich die ganze Zeit geht.

Um nicht zu abstrakt und programmiertechnisch zu bleiben: Freitag habe ich noch die tolle Beards 3-Ausgabe von #spitzestifte der Rocket Beans gesehen. Das erste Mal das komplette Pen & Paper-Dings live von Anfang bis Ende. Ist schon beachtlich, wie aus einer kleinen YouTube-Idee so ein Event wurde, bei dem rund 500 Leute im Saal vor Ort zuhören und zwischenzeitlich über 37 Tausend(!) über Twitch. Auch wenn das ungebührliche Highlight dieses Mal darin bestand, dass sich Erzähler Hauke wohl etwas zu viel Met zur Stillung seiner Aufregung gegönnt hat und das letzte Drittel dank deutlicher Angetrunkenheit ungewollt in die (sehr lange) Länge gezogen hat. Aber wenn es auf YouTube online geht – schaut es euch unbedingt an!

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Ach ja, und das Bild hier habe ich noch gemacht (zwei, yeah!). Aber aus Transparenzgründen gebe ich zu, dass da noch zwei weitere Triangelfenster links und rechts waren, die ich weg-retouchiert habe, damit dieses Gesicht entsteht. Glaube nicht alles, was ihr seht (aber erfreut euch dran!).

Darauf freue ich mich!

Nächste Woche gibt es aber endlich die erste Offenlegung eines unserer Langzeitprojekte, das ich hier häufiger angesprochen hatte. Versprochen! Denn Freitag hatten wir den vorerst letzten Dreh und am Mittwoch bekommt ihr bei seriesly AWESOME endlich die Enthüllung und ersten Inhalte dazu zu sehen. Hier werde ich sicherlich auch noch einmal drauf eingehen. Und allgemein lohnt es sich, dort vorbei zu schauen, da wir eine kleine Sommer-Aktion planen. Ansonsten freue ich mich auf Programmierfenster, Bugs und dem stundenlangen Arbeiten an kleinen Dingen, die am Ende keinen beeindrucken oder überhaupt auffallen – aber ich erfreue mich dran!

4 Kommentare

  1. Martin says:

    Kenn ich nur zu gut mit den „großen Projekten“ (ging uns bei der Big Balls Seite ähnlich). Bei uns war die Lösung, einfach mal anzufangen – dann immer ein bisschen mehr und innerhalb von ein paar Tagen war es dann auch fertig. Gerade die ekeligen Sachen („Sach ma, hast du schon mal AGB geschrieben“ – „Nee“ – „Geil“ …) scheinen meistens gruseliger, als sie sind.

    Bzgl. Probleme: gib gern noch mal Bescheid, dann können wir serverseitig auch noch mal schauen, ob da irgendwelche Fehler geschmissen werden, von denen du vielleicht nichts mitbekommst (Stichword Serienkalender z.B.)

    Ansonsten kann ich nur sagen: einfach machen, dann passiert wenigstens was :)

    • Maik says:

      Hehe, danke fürs Angebot, aber die Probleme sind bisher recht nichtig und ja eher basale Programmiererei. Sobald irgendein Plugin-Scheiß oder so dazu kommt, komme ich gerne drauf zurück! ;)

      Und klar, machen ist eh immer das Beste – und es sind die kleinen Erfolge, die ja dann auch wieder richtig Bock auf mehr machen.

  2. Dominik says:

    Was du schreibst, kann ich komplett nachvollziehen aber wie Martin schon sagt, einfach machen, lieber scheitern, aufstehen und weiter machen, als nichts machen.

    Du kannst einfach zu gut anteasern… Das nervt! Ich will jetzt wissen was es ist :D

    • Maik says:

      Ja ne, schon klar. Wollte auch gar keine Motivations-Seminare aufbeschwören (dennoch danke), war eher eine Auseinandersetzung mit meinem inneren Schweinehund. ;) Wat muss dat muss und so, wird schon.

      Und eine Auflösung gibt es ja bereits in zwei Tagen! Eine weitere mit absoluter Garantie Mitte September. Die andere dann… irgendwann! :P

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Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

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