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Rezension: Kings of Leon – Come Around Sundown

Rezension: Kings of Leon - Come Around Sundown kings_of_leon_come_around_sundown Titel: Come Around Sundown
(Partnerlink)

Artist: Kings of Leon
(Homepage)

Release: 15.10.2010

Genre: Folk-Pop-Rock

Label: Rca Int. (Sony Music)

Urteil: Rezension: Kings of Leon - Come Around Sundown rating_stars_25

Kurzum:

„Die Rauhaftigkeit ist Glatteisen und WeichspĂŒler endgĂŒltig zum Opfer gefallen“

Tracklist:

  1. The End (4:23)
  2. Radioactive (3:26)
  3. Pyro (4:10)
  4. Mary (3:25)
  5. The Face (3:28)
  6. The Immortals (3:28)
  7. Back Down South (4:01)
  8. Beach Side (2:51)
  9. No Money (3:05)
10. Pony Up (3:04)
11. Birthday (3:15)
12. Mi Amigo (4:06)
13. Pickup Truck (4:44)

Gesamtspielzeit: 47:30 Min

NatĂŒrlich ist das schwer. Ganz klar. Mit ihrem vierten Studioalbum Only By The Night kam 2008 schlagartig der absolut verdiente internationale Erfolg (nicht zuletzt 4 Grammy-Nomminierungen) fĂŒr die vier Jungs aus Tennessee. Die bereits weitaus ruhigere Töne als VorgĂ€nger Because of the Times anstimmende Platte hat vor allem mit Singles wie Use Somebody etliche zahlende Fans gewonnen. Zu Recht. Doch was die Könige der Löwen jetzt versuchen ist mir zu offensichtlich und zu platt: Kaum zahlt sich eine Prise Ruhe, Melodei und AtmosphĂ€re aus, wird der nĂ€chsten Kuchen damit vollgepackt. Wenn den Leuten Zucker in Limonade schmeckt, warum verkaufen wir ihnen den nicht einfach roh? Weil der die ZĂ€hne kaputt und Bauchweh macht, wenn man zuviel davon nimmt, ganz einfach!

Doch die Herren wollen nicht auf mich hören und veröffentlichen mit Come Around Sundown das vielerwartete Nachfolgewerk. Und ich bin mir nicht sicher, ob die Anzahl dadurch neugewonnener Fans wirklich die ĂŒbersteigt, die in den Kings of Leon nur noch eine mittelmĂ€ĂŸige Klampenkapelle sehen, die vielleicht die beste Zeit hinter sich hat. Denn es ist noch ruhiger geworden. Versteht mich nicht falsch, das ist nicht unbedingt schlecht. Immerhin konnte Only by the Night trotz fehlender Rauhigkeit gegenĂŒber dem noch grandioseren VorgĂ€nger bestehen. Jedoch aufgrund wichtiger Faktoren: Dynamik, Abwechslungsreichtum und Charismatik. SĂ€mtlichst Punkte, die der neuen Platte abzugehen scheinen. Doch im Einzelnen:

Mit dem Opener The End startet die Platte angenehm. Vom Schlagzeug angefĂŒhrt werden uns zunĂ€chst die einzelnen Bandmitgliedern vorgestellt, ehe Caleb Followill’s unverwechselbare Stimme einsetzt. Durch eingĂ€ngige (wenn auch nicht revolutionierende) Songstruktur und vor allem Bassline fĂŒhlt man sich schnell in die Leonsche Welt entfĂŒhrt. So weit so gut. Mit Radioactive folgt die erste Singleauskopplung der Platte. Die hat mich ehrlich gesagt noch immer nicht wirklich gekickt, obwohl bereits einige Male gehört. Netter Song, wĂ€re aber auf den VorgĂ€ngerscheiben im Schatten anderer Tracks mitgeschwommen. Hier fehlt die klare Struktur im Song, die auf zu viele Refrain-Wiederholungen gen Ende baut. Doch das ist alles noch Jammern auf durchweg hohem Niveau.

Track 3 hört auf den Namen Pyro und lĂ€utet den schwĂ€cheren Teil der Platte ein. Ja, richtig gelesen. Die Perlen werden rar. Die bislang ruhigste Nummer versucht uns mit einer gehauchten Bridge eines langgezogen „I“s eeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiinzufangen, was nicht wirklich glĂŒckt. Bereits jetzt vermisse ich als Hörer den ruhig mal brutal unrunden Einsatz von Caleb’s Reibeiserner Whiskey-Rauscher-Stimme. Durchweg dahinplĂ€tschernder Gesang, der sich der netten Hintergrundmusik anpasst. Auch beim folgenden Mary schallen uns zunĂ€chst seichte HintergrundgesĂ€nge entgegen. Ein Möchtegernrocksong im Körper einer Country-Folk-Nummer. Das passt nicht. Bevor auch nur annĂ€hernd Tempo aufkommen kann, zieht uns das melancholisch angehauchte The Face wieder auf den Boden der Platte zurĂŒck. Es bleibt jedoch unspektakulĂ€r, ebenso wie bei The Immortals( trotz schickem Instrumental-Break) und Back Down South. Nach dem farblosen Beach Side keimt dann mit No Money tatsĂ€chlich so etwas wie Abwechslung auf. Die Gitarre wird rauher gestimmt, ein Riff ist wahrzunehmen. Tempo und Stimme ziehen an. Trotz eher unglĂŒcklichem Refrain ist das Ohr erleichtert, dass es doch anders geht. Gewonnen hat der Track nicht zuletzt aufgrund wunderbar verzogener GitarrenklĂ€nge im Kurzsolo gegen Ende. Endlich.

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Auch Pony Up hat so seinen Charme, kommt aber nicht ĂŒber PrĂ€dikat Durchschnitt hinaus. Birthday kann durch den aufkommenden Refrain etwas gewinnen, traut sich aber nicht wirklich aufs Gaspedal zu drĂŒcken. Hier wĂ€re – wie so oft – eine klarere Trennung zwischen Strophe / Bridge /Refrain wĂŒnschenswert gewesen. Etwas mehr Mut, die Herren! Kurioserweise ist die vielleicht stĂ€rkste Nummer mit Mi Amigo eine der ruhigsten auf der Scheibe. Doch hier entsteht wirklich so etwas wie Groove, AtmosphĂ€re und eine stimmige Songstruktur macht den Unterschied. Und auch wenn sich das alles etwas zu oft wiederholt und unnötig in die LĂ€nge gezogen wird, hĂŒpft das Herz vor Freude sobald man Caleb’s Stimme im Überschlag befindlich wahrnimmt. Der abschließende Track Pickup Truck bringt dazu wenigstens einen versöhnlichen Abschluss. Doch wirklich „aufpicken“ tut er auch uns nicht. Und so bleibt der Repeat-Button vorerst verschont. Es sei denn fĂŒr die, die es noch nicht glauben können, dass der rauhe Wums irgendwie bisher fehlte.

Ich bin mir absolut bewusst, dass die Titel hier recht schlecht wegkommen. Dabei sei gesagt, dass sie nun einmal ein großes Problem haben: Sie mĂŒssen sich mit ihren VorgĂ€ngern messen lassen. Und das fĂ€llt schwer. Allgemein lĂ€sst sich sagen, dass die Kings „stets bemĂŒht“ waren, aber das wĂ€re wohl zu hart. Die Musik ist insgesamt auf weiterhin extrem hohem Niveau, keine Frage. Aber es fehlt die Abwechslung, die Kontraste setzen kann. So plĂ€tschert die Scheibe schön im Hintergrund der abendlichen Canasta-Runde von Oma Rita herum.

Urteil: Rezension: Kings of Leon - Come Around Sundown rating_stars_25

Eventuell hĂ€tte Come Around Sundown auch drei volle Sterne verdient gehabt, aber auf mich wirkt die Gedankenwelt der Kings of Leon doch irgendwie zu strategisch. Kaum haben ruhigere KlĂ€nge einen Erfolg wird versucht, das Sparschwein der 12-jĂ€hrigen MĂ€dchen und ihrer MĂŒtter komplett auszuplĂŒndern, indem man B-Ware unters Volk schmeißt. Dass hartgesottene Fans der ersten Alben auf der Strecke bleiben könnten, scheint unbewusst. Doch ich fĂŒr meinen Teil lege lieber Because of the Times in den Plattenspieler.

Alternative Anspieltipps zum lieber anhören: MuteMath – Armistice LIVE, Jimmy Eat World – Invented, Skunk Anansie – Wonderlustre, Manic Street Preachers – Postcards From A Young Man, Belle and Sebastian – Belle and Sebastian Write About Love, Stone Sour – Audio Secrecy, …

[P.S.: Jaja, ich weiß. Die Rezensionen werden zu lang… Aber ich bin immer zu faul, nach dem Schreiben nochmal drĂŒber zu lesen, also seht es mir nach.]

4 Kommentare

  1. El Spotto says

    …und gestern habe ich mir noch gedacht, dass das letzte Cover da ja nun schon ewig in der Sidebar prangte, und jetzt, alles neu! Was ist los mit Dir? WĂ€r das hier High Fidelity wĂŒrde ich sagen, dass Du deinen absoluten Top-Breakup durchlebst ;).

    Ach ja, zur Rezension: Nicht zu lang, eben eine ziemlich fundierte EinschÀtzung der Platte. Und so sollte es ja auch sein! Bist jetzt offiziell mein Lieblings-Fremdblog :)

  2. Maik says

    …das mit dem ewig-prangernden Cover hatte ich mir auch gedacht. ;) Wurde mal wieder Zeit fĂŒr eine Rezension. Und wow, danke fĂŒr das Riesenlob! Sowas liest man gerne und lĂ€sst die Arbeit, die in solche BeitrĂ€ge fließen, definitiv leichter erscheinen! :)

  3. El Spotto says

    *hĂŒstel* „Danke, gleichfalls!“ ? :P

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