Blog-Geburtstag: 20 Jahre LangweileDich.net 20-Unsplash
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Langeweile seit 7305 Tagen. Das steht im Footer dieser Seite. Klingt zwar durchaus beachtlich hoch, aber erstmal etwas unrund. Wer fix im Kopfrechnen oder aber aufmerksam ob Artikelüberschriften und -Bilder ist, dürfte aber wissen: Das sind einfach mal 20 Jahre. ZWAN-ZIG JAH-RE! So lange gibt es diesen Blog jetzt einfach mal. Und das ist quasi mein halbes Leben (bin ich doch Ende Mai 40 geworden). Wahnsinn.

Eigentlich wollte ich irgendwas Großes machen. Mir Zeit nehmen, um etwas Tolles auf die Beine zu stellen. Nun ja, die Zeiten der großen Gewinnspiele oder großen Website-Umbrüche sind vorbei, aber trotzdem dieses wie ich finde beachtliche Jubiläum gebührend befeiern. Mein Versuch mit einem vor Wochen in den Posteingang geflogenen Kalender-Reminder hat aber aufgrund des realen Lebens keine wirkliche Wirkung gehabt. Wir scheiben Gesternabend, kurz vor 20 Uhr, und ich beginne damit, diese Zeilen zu schreiben. Nun gut, dann eben doch spontan von der Seele schreiben – besser, als nichts.

Ehrlich gesagt bin ich auch einfach nur froh und stolz, diesen Meilenstein überhaupt erreicht zu haben. Die Entwicklung der Blogosphäre dürften zumindest allen bekannt sein, die diesen Begriff überhaupt noch kennen. So viele Blogs es zwischenzeitlich gab, so wenige feiern heutzutage überhaupt noch Geburtstag. Entsprechend freue ich mich immer wieder, wenn von mir gemochte Blogger:innen ihre Jubiläen feiern, die größtenteils auch um die goldene 20 herum anzusiedeln sind.

Beinahe krasser als die 20 Jahre finde ich ja, dass die Feierei des 10. Geburtstags einfach mal zehn Jahre her sein soll. Damals habe ich noch groß umstrukturiert – mit neuem Blog-Design, einer hervorragenden Kolumnen-Truppe und einem deutlich besser vorgeplanten Artikel als diesen hier (dort könnt ihr unter anderem sehen, wie diese Seite in ihren Anfängen mal ausgesehen hat). Ich kann mich nur wiederholen: Wahnsinn. Die Zeit, ey…

Wenn ich überlege, wie alles anfing. Im Sommer 2006 war nicht nur Sommermärchen in Deutschland, sondern auch Pflichtpraktikum für mich und mein Studium. Drei Monate war ich in München und kam durch meine redaktionelle Arbeit mit Blogs in Berührung. „Das kann ich auch!“, dachte ich mir. Gesagt, getan – kurze Zeit später stand der Studentenblog mit meinem damaligen WG-Mitbewohner (und 14 Jahre später besten Trauzeugen der Welt) Piotr. Private Geschichten aus dem Studi-Alltag mit einigen kurzweiligen Netzfunden gab es da. Irgendwann habe ich deutlich mehr gemacht, Piotr deutlich weniger, bis sich LangweileDich.net zu einer Art Online-Magazin entwickelt hat. Und das genau zur richtigen Zeit.

Blogs waren plötzlich hipp. Wie lange das her ist, zeigt die Verwendung des Wortes „hipp“… Jedenfalls hatte ich das Glück, Teil dieser Bubble zu werden. Zum einen, weil ich das ein oder andere Originelle im Netz entdeckt oder auch selbst erstellt habe, vor allem aber, weil ihr das angeklickt, kommentiert, geliket und geteilt habt. Danke an dieser Stelle nochmals dafür! Ich weiß, dass einige von euch seit fast 20 Jahren hier immer mal vorbei schauen und das ist – ich wiederhole mich – absoluter Wahnsinn!

Und dann kamen da einfach so undenkbare Highlights, die ich als Blogger erleben durfte. Ich habe einen Elfmeter gegen Manuel Neuer versenkt, war im Trainingscamp der Miss-Germany-Wahl, habe beim Fifa-Pressepokal mitgespielt oder bin mit einem Mercedes die Algarve entlang gefahren. Alles Erinnerungen, die ich nie vergessen werde. Viel toller als teilweise wirklich tolle Markenkooperationen waren aber die Momente und Treffen mit anderen Bloggern. 2016 bis 2018 haben wir gemeinsam mit der Bloggerbutze versucht, das Blogsterben zu verhindern (und haben es mindestens mal ein paar Jahre verzögert, da bin ich mir sicher!). Mit Nils habe ich den Redseligcast aufgenommen, mit Martin mache ich noch immer (seit 2012!) die WIN Compilation – und mit beiden habe ich Freunde fürs Leben gefunden. Das sind nur einige Beispiele und tolle Charaktere, die ich über die Jahre erleben und kennenlernen durfte (ich fang gar nicht erst an, noch mehr aufzuführen, da ich sonst definitiv welche vergessen werde – ihr wisst, wenn ihr gemeint seid!).

Und ja, neben LangweileDich.net gab es auch andere Webprojekte meinerseits (zum Beispiel das tolle seriesly AWESOME) – aber darum soll es heute nicht gehen. Es geht um diesen Blog. Ein Blog mit 36.325 veröffentlichten Beiträgen. Nicht alle sind lang und exklusive, die meisten sogar eher kurz und nur Geteiltes. Dennoch steckt da ganz viel Herzblut, Zeit und Passion drin. Einer der Beiträge, die mir stets als besonders im Kopf geblieben sind, trägt gar den Titel „Besonders“. Aber spontan muss ich auch an z.B. den Videoreisebericht unserer Skandinavienreise, mein erstes Mal im Hurricane-Fotograben, meine Nachstellung von „Taskmaster“ in Rocket League oder private Einblicke wie meine Erfahrungen mit Mobbing denken (an dieser Stelle hätte ich mir mehr Vorlaufzeit gewünscht, um besser nachforschen zu können…). Die kleine Auswahl dürfte aufzeigen, welche persönliche Mischung LangweileDich.net ausgemacht hat. Klar, vor allem lustige Inhalte wie die Bilderparade haben die Leute angezogen. Aber einige sind dann auch für die große Mischung gekommen, was mich gefreut hat.

Im Laufe der Jahre sind es erst mehr Beiträge geworden, dann weniger. In der Spitze waren es im Jahr 2016 satte 7,7 Posts pro Tag. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Dann hat sich vor allem das Internet gewandelt. Mehr Leute haben abseits von Blogs ihre Inhalte gefunden, Besondere Inhalte wurden immer schwerer aufzufinden oder selbst zu gestalten. Am Ende wollte ich lieber große eigene Inhalte umsetzen, statt x-fach Zeugs zu reposten. Dabei habe ich etliche Formate entwickelt, verändert und wieder eingestampft. Einige blieben und laufen gar noch immer (unregelmäßig) – die Bilderparade hat es mittlerweile immerhin auf 905 Ausgaben geschafft. Andere Experimente sind kaum über ihre Anfänge hinausgekommen, haben teils nicht mal das Licht der Blogwelt erblickt. Aber gerade dieser stetige Wandel hat es für mich ausgemacht. Und dann war es soweit: Seit knapp einem Jahr bin ich kein hauptberuflicher Blogger mehr.

Elfeinhalb Jahre habe ich das Privileg leben dürfen, diesen Blog (und vor allem hinten raus einige Nebenprojekte im Netz…) meinen Job zu nennen. Selbstbestimmt, mit kreativer Freiheit und ganz viel Spielraum. Das weiß ich noch immer sehr zu schätzen (in einigen Momenten des neu erlernten Angestelltendaseins sogar nochmal ein Stück mehr). Aber ich bin alles andere als unglücklich mit meiner Entscheidung letzten Herbst. Im Gegenteil. Das war der richtige Zeitpunkt und Wandel für mich.

Und so kam mir sogar zwischenzeitlich die Idee, das 20-jährige Jubiläum zum Anlass zu nehmen, um ganz mit dem Bloggen aufzuhören. Das große Ziel erreicht, das war’s. Das hätte was. Aber so ganz will ich es nicht aufgeben. Zumindest die Möglichkeit, hier etwas mit euch zu teilen, das mich bewegt. Das mir gefällt. Das teilenswert ist. Oder einfach nur plump und billig. Ist ja meine Seite. Und auf der kann ich machen, was ich möchte. Und das ist großartig. Entsprechend werden diese Zeilen mit Sicherheit nicht das Letzte sein, das ihr von mir lesen und sehen werdet. Aber es wird auch nicht mehr mehr werden. Weitere 20 Jahre wird es – zumindest mit fortlaufender Aktivität – auch nicht geben. Aber vielleicht gibt es dennoch in 20 Jahren mal wieder einen Post von mir. Dann mit den Worten „zwei Drittel meines Lebens“ drin. Wer weiß. Und gerade diese Unsicherheit birgt ja auch ein bisschen Aufregung und Reiz. Die riesigen Klickzahlen werden es nicht mehr werden und Geld bringt das Ding hier auch bald kaum noch was ein. Aber dann fliegen halt irgendwann auch die Werbebanner hier raus und es wird alles schöner und schneller. Mal schauen. Vermutlich wird es die nächste Zeit aber höchstens so weiter gehen, wie zuletzt. Bestenfalls ein Beitrag am Tag, hier und da auch noch einige Highlights aus laufenden Formaten (oder Posts wie diesen hier). Aber vermutlich wird es eher noch ruhiger werden, da ich schon merke, wie hart es ist, sowas noch neben einem richtigen Beruf (und einem Privatleben) fortzuführen. Irgendwie fiel mir das vor 15 Jahren leichter…

Letztlich hat der Blog mir neben den Erlebnissen und Kontakten aber auch persönlich einiges gebracht. LangweileDich.net war seit jeher ein Ventil für mich. Für Emotionen, Meinungen, aber auch kreativen Drang. Ich konnte mich ausleben, ausprobieren und vor allem dabei und daraus lernen. Mutmaßlich dürfte meine Schreibe heute besser sein als in den Anfängen. Immerhin habe ich 2011 sogar ein Buch veröffentlicht (das ich heute mit großer Sicherheit auch anders und vor allem besser schreiben würde – sollte mal über eine Neuauflage nachdenken…). Vor allem aber habe ich mir über die Jahre wirklich praktische Dinge aneignen können. Von Grafik-Design über Videoschnitt bis hin zum Programmieren. So eine One-Man-Blog-Show lässt einen in erfolgreichen Zeiten dann eben alles sein – vom Redakteur über den Designer und Techniker bis hin zum Verhandlungsführer. Selbst mit Steuern kennt man sich als Selbständiger plötzlich deutlich besser aus als man je wollte. Derart autodidaktisch unterwegs sein zu können und vor allem eigenen Interessen folgen zu können, war einfach großartig und hat mich sehr bereichert.

Aber wie Kapelle Petra einst sang: Heute ist Geburtstag. Und an dem freue ich mich und blicke vor allem auf eine ganz tolle Zeit zurück. 7.305 Tage ohne Langeweile. Die habe ich nämlich seitdem tatsächlich nicht mehr gehabt. Markenversprechen gehalten. Ich hoffe, auch für euch. Aber wer bis hierhin gelesen hat, dürfte zumindest die ein oder andere Minute Langeweile durch diesen Blog erfolgreich bekämpft bekommen haben.

Und jetzt schwelge ich einfach selbst noch ein bisschen in Erinnerungen. Macht es mir gerne gleich. Schaut durch das Archiv, die im unteren Bereich der Seite zu sehenden Kategorien oder klickt diesen Zufallsbeitrag-Link (wo bestimmt einer der schlechteren Artikel oder einer mit fehlerhaften Videolink rauskommen wird, ich sage es jetzt schon mal!). Lasst euch inspirieren und unterhalten.

Sorry, aber ein Mal muss ich noch: Zwanzig Jahre – Wahnsinn!

Artikelbild: Matthew Ball (Unsplash)

Beitrag von: Maik Freitag, 11. September 2026, 09:11 Uhr

3 Kommentare

  1. Sven says

    Herzlichen Glückwunsch dir und vielen Dank für die schöne Zeit!

  2. el flojo says

    Glückwunsch, Kleiner! ;) Und jetzt: einfach irgendwie weitermachen. Mal mehr, mal weniger – egal.

  3. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 37 |

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Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

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