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Konzept zu Regeländerungen vom IFAB eingereicht

Dauert ein Fußballspiel bald 2×30 Minuten?

Sport
Maik - 19.06.17 - 14:00
Dauert ein Fußballspiel bald 2x30 Minuten? bundesliga-neue-regeln

Gerade erst wird beim Confed Cup zum ersten Mal der Videobeweis bei einem Weltturnier des Fußballs eingesetzt und prompt sind alle verwirrt – wie soll das erst bei den angedachten Regeländerungen vom IFAB sein? Der Videobeweis wurde ja jahrelang diskutiert, dann für gut befunden und ausgiebig getestet, ab der kommenden Spielzeit 2017/2018 ist er dann auch in der Bundesliga im Einsatz. Doch jetzt wurde vom International Football Association Board (IFAB) ein Konzept mit Änderungen vorgestellt, das weitaus tiefer in die grundlegende DNA des Sports eingreifen könnte? Ich fasse für euch zusammen, was sich ändern könnte und vor allem, wie ich das finde.

1. 2×30 Minuten

„Statt 90 Minuten soll die Spielzeit nur noch 60 Minuten betragen, dafür auf Netto-Spielzeit umgestellt werden.“

Klingt zunächst nach Gotteslästerung (Stichwort Herberger und „Ein Spiel dauert 90 Minuten“). Auch wenn der Gedanke zunächst äußerst abwegig und „US-sportig“ erscheint, ist er grundsätzlich gar nicht soo abwegig. Nach kicker-Angaben betrug die Nettospielzeit einer Bundesligapartie diese Saison 56:05 Minuten. Bedeutet: Ist der Ball im Aus, treten Verletzungsunterbrechungen, etc. auf, würde die Uhr im neuen Regelfall gestoppt. Ähnlich wie bei einigen Hallenturnieren. Und auch wenn es fairer wäre, glaube ich nicht, dass es eintreten wird. Zum einen, weil die Tradition schlichtweg zu groß ist, zum anderen, weil wir dann ein Spielunterbrechungsfestival, wie beim Basketball in den letzten Minuten erleben werden. Das ist zwar irgendwie spannend, aber auch enorm nervig. Außerdem fällt durch Überreglementierung Diskussionsraum weg. Mein Votum: Nein, danke.

2. Eigenvorlagen bei Standards

„Bei Freistößen und Eckbällen können sich die Spieler den Ball selbst vorlegen, sprich theoretisch auch einfach Richtung Tor dribbeln. Bisher ist lediglich eine Berührung des ausführenden Spielers erlaubt. Dadurch sollen mehr Optionen bei Standardsituationen entstehen.“

Fand es beim Anstoß bereits gut, dass man diesen unnötigen zweiten Mann im Kreis aufgehoben hat. Bei Standards könnte das natürlich zu weiteren Varianten und mehr Dynamik führen. Mittlerweile ist es ja eh schon Usus, dass Ballbesitzorientierte Mannschaften 80 Prozent der Freistöße lediglich dazu nutzen, den Ball schnellstmöglich zum Nebenmann zu passen, damit das Spiel weiter gehen kann. Allerdings macht gerade die Notwendigkeit eines Wandspielers die Finesse dieser Möglichkeiten aus, so dass ich skeptisch bin, ob dieser Wegfall einer „ruhenden Situation“ so Sinn macht.

3. Unruhiger Ball

„Bei Standardsituation soll der Ball bei dessen Ausführung nicht mehr ruhen müssen.“

Wo wir bei „ruhenden Bällen“ sind. Diese Idee finde ich total beknackt. So ist in keinster Weise mehr geordnet, wann was entschieden wurde. Bei Pfiffen spielen eh immer mal Spieler (wissentlich oder unwissentlich) weiter, so wäre die Hälfte der Spieler verwirrt, wenn ein Pfiff erfolgt, aber weiter gespielt wird. Ich wäre schlicht für eine Variante mit mehr gesundem Menschenverstand. Wenn der Ball von einem Spieler kurz mit der Hand angetatscht wurde und grundsätzlich seine Geschwindigkeit drastisch verlangsamt hat, gilt es als ausgeführt, auch wenn sich der Ball noch ein paar Milimeter weiter dreht. Oder so.

4. Elfer bei Rückpass

„Die Aufnahme eines Rückpasses durch den Torwart mit der Hand hatte bislang einen indirekten Freistoß zur Folge. Dies würde in Zukunft mit Elfmeter bestraft werden.“

Das fände ich schade, ist es doch irgendwie ein originelles Stück Skurrilität, das der Fußball aufweist. So würde man sich einer Spielsituation berauben und einen Gegentreffer noch wahrscheinlicher machen. Wirkt eher wie ein Rückschritt.

5. Handrettung führt zum Tor

„Verhindert ein Spieler ein Tor mit der Hand auf der Torlinie, wird dies als Tor gewertet. Dabei dachte man sicherlich auch an die folgenschwere Aktion von Uruguays Luis Suarez im WM-Viertelfinale 2010 gegen Ghana.“

Finde ich an sich gut, weil zumindest sehr offensichtliche Handspiele ja die klare Intention hatten, aus einem 100%igen Gegentreffer eine geringere Wahrscheinlichkeit durch den notwendigen Elfmeter zu machen. Schwierig wird es natürlich wie immer bei der eigentlichen Handspiel-Entscheidung. Bei „Aus Versehen-Handspielen“ wirkt es wiederum überhart, vor allem, weil vermutlich noch der Platzverweis folgt. Schwer.

6. Kein Elfer-Nachschuss

„Bei Elfmetern ist kein Nachschuss mehr erlaubt. Stattdessen gibt es Abstoß. Das leidige Thema mit den Spielern, die zu früh in den Strafraum rennen, wäre damit erledigt.“

Das würde natürlich die grundsätzliche Ausrichtung von Elfmeterschießen und Strafstößen im Spiel vereinheitlichen. Auch wenn ich die Begründung etwas albern finde, dass man sich die „nervige Angelegenheit“ eines Hereinlaufens ersparen möchte. Allerdings wird so auch dem Sport ein Stück Dynamik gestohlen und die kuriosen Szenen auf Basis von vorhandener Handlungsfähigkeit vs. Schlafmützigkeit sind ja doch irgendwie unterhaltsam. Halte ich für nicht unwahrscheinlich, wäre aber eher dagegen.

7. Abstoßannahme im 16er

„Bei Abstößen sollen Spieler den Ball künftig auch innerhalb des Strafraums annehmen dürfen, bisher ist das nur außerhalb erlaubt. Ansonsten wird der Abstoß wiederholt.“

Wäre ich absolut für, ist eine der dämlichsten Regelungen aller Zeiten, wie ich finde. Das Spiel wird eröffnet, ob nach 16 oder 8 Metern. So könnte es gar etwas dynamischer werden.

8. Abzug bei Schiri-Kritik

„Kritik am Schiedsrichter soll mit Tor- oder Punktabzug bestraft werden können.“

Total bescheuert und schlicht nicht trennscharf zu betrachten. Wie stark muss eine Kritik sein, damit welcher Abzug eintritt? Haben Mannschaften, die den 0:1-Gegentreffer in der 94. bekommen haben, dann mit -1:1 verloren, wenn sie meckern? Nein, natürlich würden sie es einfach in der Abschlusstabelle abgezogen bekommen (denke ich). Wirkt total überdreht. Das sind drastische Maßnahmen, die noch immer Sonderfällen vorbehalten sein sollten. Wenn man Schiedsrichter nicht mehr kritisieren darf, wer ist denn dann bitte Schuld am Versagen?!

9. Spielende bei Unterbrechung

„Das Spiel wird erst abgepfiffen, wenn der Ball im Aus ist.“

„Das Spiel ist aus, wenn der Schiri pfeift“ hätte zwar immer noch seine Berechtigung, aber ist eben an diese Sonderregel gebunden. Finde den Ansatz zwar interessant, aber letztlich führt das nur zum Ball-ins-Aus-Dreschen der führenden Mannschaft. Und wie wäre das zu handhaben? Tritt es ab dem Ablauf der Nachspielzeit ein? Die ist noch immer recht willkürlich getroffen und kann (bzw. sollte) durch Vorkomnisse in der Nachspielzeit selbst angepasst werden dürfen. Daher wohl eher nicht sinnvoll.

Fazit

Das klingt größtenteils, als hätte sich die Schüler-AG „Wie sieht der Fußball 2030 aus?“ ein kleines Paper überlegt. Grundsätzlich finde ich es ja gut, wenn man überlegt, wie man den Sport modernisieren und verbessern kann und dabei wirklich sämtliche Grundgesetze hinterfragt. Allerdings sehe ich hier wirklich nur die Abstoßannahme im 16er als wirklich sinnvoll an – die Regel, die wohl am wenigsten Einfluss auf das wirkliche Spiel haben dürfte. Beim Rest fehlen mir eher Konkretisierungen für die Ansetzung der Nachspielzeit, eine (analog zum DFB-Pokal) Anpassung der Auswechslungs-Regeln oder sonstige Dinge, die den modernen Entwicklungen der immer höher werdenden Spielanzahl pro Saison entsprechend überarbeitet werden.

„“Das Strategiepapier ist ein Meilenstein für den Fußball.“ (IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud)“

„“Die Rückmeldungen aller Beteiligten in der Fußball-Gemeinschaft sind bislang wie die Unterstützung sehr positiv.“ (Technische Direktor David Elleray) „

Im März soll das aus der Initiative „Fair Play!“ heraus erdachte Konzept zur Abstimmung kommen. „Verbesserung des Verhaltens und Erhöhen des Respekts“, die „Steigerung von Fairness und Attraktivität“ sowie die „Erhöhung der effektiven Spielzeit“ gilt als Zielsetzung. Das ist nobel, so ganz hinterdacht wirkt mir das aber noch nicht. Ich bin gespannt, auf welche Veränderungen im Weltfußball wir uns schon bald einstellen müssen. Vermutlich endet die x-stundenlange Sitzung mit begleitender wochenlanger Diskussion darin, dass fortan die gelbe Karte einen Farbton dunkler sein wird.

via: kicker | Bild: Peter Glaser

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