Homepage

Neue Kolumne von Emma Longard

Von klingenden (Weihnachts-)Wundern

Von klingenden (Weihnachts-)Wundern singendesweihnachtswunder-1

Es ist Weihnachtszeit und wenn man schon das ganze Jahr nur an sich gedacht hat, so ist doch nun die Zeit gekommen, wo man wenigstens im Moment des Geschenke-AuswÀhlens eine Sekunde an den anderen denkt. Wie wÀre es da mal mit Musikunterricht?

Traditionell wird in vielen HÀusern zum Fest gesungen und musiziert, Opa holt das Akkordeon und Mama die Blockflöte raus. Und wenn es auch erst nach dem dritten Glas Wein geht, so singt wenigstens dann auch Papa mit. Warum? Weil es gut tut! Angesichts dieser besinnlichen Beschallung vielerorts sollte man meinen, die Deutschen haben ein liebevolles VerhÀltnis zum Musikmachen, es stimmt sie fröhlich, ja, es bedeutet Ihnen etwas. Warum wird dann in der Bildung so wenig Wert darauf gelegt?

An allgemeinbildenden Schulen wird Musik allenfalls noch als Wahlfach angeboten, ist vielerorts ganz vom Lehrplan gestrichen. Und weshalb? Weil es Nichts fĂŒrs spĂ€tere Leben bringt? Mitnichten, aber es ist wohl zu unwirtschaftlich fĂŒr die Damen und Herren Entscheidungsgeber. Kein Musiker hat je das Bruttosozialprodukt maßgeblich gesteigert, doch es geht ja gar nicht darum, Musik als Beruf zu ergreifen. Wer als Kind und Jugendlicher Musikunterricht nimmt, entwickelt die Persönlichkeit, Selbstvertrauen und FeingefĂŒhl, abgesehen von den FĂ€higkeiten am Instrument, findet gleichgesinnte Freunde und ist kreativ.

Zum Thema „Geben in der Weihnachtszeit“ ist mir kĂŒrzlich ein Fall in der Musikschule begegnet, den ich kurz erzĂ€hlen möchte: Ein Junge, 16 Jahre alt, nimmt bei mir seit ein paar Monaten Unterricht. Er hatte es bisher nicht leicht im Leben, der Vater ist gestorben, mit der Mutter gab es große Schwierigkeiten und das Jugendamt steckte ihn in eine betreute WG. Nach dem Tod seines Vaters entdeckte er fĂŒr sich das Singen und entwickelte den Wunsch, Gesangsunterricht zu bekommen. Leider nicht so einfach, wenn das Jugendamt dafĂŒr aufkommen muss. Nachdem es endlich genehmigt war, erfĂŒllte sich laut seiner eigenen Aussage seine grĂ¶ĂŸte Sehnsucht. Ich lernte ihn im Unterricht als sehr nervös und stimmungsabhĂ€ngig kennen, ließ ihn manchmal einfach nur Songs mit dem von ihm geliebten Mikrophon singen, weil er fĂŒr Übungen nicht aufnahmefĂ€hig war, doch er liebt jede Minute des Unterrichts.

Nun ist er in eine neue WG gezogen, wo er sich selbst verpflegt und nur noch drei Stunden tĂ€glich betreut wird. Dies kostet das Amt mehr und sie wollen ihm den Unterricht nicht mehr finanzieren. Er erzĂ€hlte es mir traurig und gab zu verstehen, dass das Singen fĂŒr ihn auch eine Art Therapie war. Dann kam sein Weihnachtswunder: Die Musikschule hat ein Partnerschaftsprogramm, in dessen Rahmen SchĂŒlern von Hartz 4-Beziehern oder Ă€hnlich finanziell benachteiligten Eltern die Kosten des Unterrichts ĂŒbernommen werden. Der Fond wird von privaten Spendern gefĂŒllt. Der Junge kann seinen Unterricht also weiter bekommen und davon nicht nur stimmlich, sondern vor allem psychisch profitieren.

Abgesehen von dieser schönen Geschichte, habe ich kĂŒrzlich erfahren, dass mein Band-Gitarrist einen begabten SchĂŒler lange Zeit umsonst unterrichtete, weil dessen Eltern nicht mehr fĂŒr die
GebĂŒhr aufkommen konnten. Er und auch die Spender des Partnerschaftsprogramms sind Menschen, die um den Wert des Musikmachens wissen. Mehr davon wĂŒnsche ich mir fĂŒr 2017. Eine Welt mit mehr von uns, die ihre Seele mit etwas Kreativem, KĂŒnstlerischem fĂŒttern und auch anderen dazu verhelfen, ihrem Innersten so Ausdruck zu verleihen. Amen!

Bild: Jason Rosewell

Die Hamburger Singer Songwriterin Emma Longard (Website) schenkt uns regelmĂ€ĂŸig Einblicke in den Alltag einer aufstrebenden Musikerin und ihre Meinung zu Geschehnissen im Business.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Abo ohne Kommentar

Hinweis: Bei Kommentieren werden angegebene Daten sowie IP-Adresse gespeichert und Cookies gesetzt (öffentlich sichtbar sind nur Name, Website und Kommentar). Alle Datenschutz-Infos gibt es hier. Dank Cache/Spam-Filter sind Kommentare manchmal nicht direkt nach Veröffentlichung sichtbar (aber da, keine Angst).
Support the blog!

INSTAGRAM

Hallo!

Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegrĂŒndet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

Blogroll Archiv UnterstĂŒtzen Kontakt Mediadaten sponsored Beratung Datenschutz RSS

Um Werbung im Blog auszublenden, als "Langweiler" bei Steady einloggen.

DANKE an die "Langweiler" der höheren Stufen: Christian Radke, Andreas Wedel, Goto Dengo, Annika Engel, Horst Rudolph, Jan Denia, Daniel Schulze-Wethmar, Frank Berger, Torben Seemann, Hinrich Althoff, Viola Königsmann, Michael Neugebauer, Dirk Zimmermann, Ruth Schwaier und Franz Anton..

Langeweile seit 5164 Tagen.