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In Kooperation mit Gregor Seidel

Wie Langeweile das menschliche Belohnungssystem irritiert

Lifestyle
Maik - 02.12.21 - 6:06
Wie Langeweile das menschliche Belohnungssystem irritiert Langeweile-unsplash

[Dieser Beitrag wurde von Gregor Seidel verfasst.]

Heutzutage scheinen die Menschen stets beschäftigt zu sein, doch viele haben zunehmend Langeweile und wissen nichts mit sich anzufangen. Ein sinnvolles Hobby kann Abhilfe schaffen, wieder einer freudvollen Beschäftigung in der Freizeit nachzugehen. Was kann das Gefühl von Langeweile in einem auslösen? Diese spannenden Vorgänge im Körper werden durch vielerlei Faktoren beeinflusst.

Woher kommt die Langeweile?

Der Begriff Langeweile beschreibt eine Gefühlsregung, die durch ein nicht gewolltes Nichtstun hervorgerufen wird. Anders als bei einer bewussten Auszeit oder einer initiierten Entspannungsübung entsteht die Langeweile unfreiwillig. Das unangenehme Gefühl ist negativ behaftet und impliziert Unwohlsein. Auch bei monotonen Tätigkeiten oder einer geistigen Unterforderung der Person kann Langeweile auftreten. Zudem können andere Menschen oder Gegenstände als langweilig eingeschätzt werden. Es ist ein Zustand, dem entgegengewirkt werden soll, damit es dem Betroffenen wieder besser geht und er das Gefühl hat, etwas Sinnvolles zu tun. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die sich auch gegenseitig bedingen können. Dies können unter anderem philosophische, psychologische, pädagogische und kulturwissenschaftliche Hintergründe sein, warum Langeweile als Einschätzung erfolgt. Eine Muße, die inspiriert und belebt, wird hingegen als willkommen und lustvoll empfunden. Sie steht im genauen Kontrast zu dieser. Filme oder Games können eine solche Muße darstellen, denn der Spieler geht einer fantasievollen Tätigkeit nach und erfährt keine negativen Rahmenbedingungen. Spielen kann Botenstoffe im Belohnungszentrum auslösen, die dem Betroffenen Glücksgefühle schenken.

Wie funktioniert das Belohnungszentrum im Gehirn?

Das Gefühl der Belohnung wird in einem Menschen ausgelöst, wenn er ein sich gestecktes Ziel erreicht hat. Dieses Erreichen einer Marke löst im Körper Endorphine aus, die einen Rausch-ähnlichen Zustand in Gang setzen. Diese positiven Empfindungen lösen meist einen Motivationsschub aus, der zu weiteren Leistungen anregt und große Energien freisetzt. Ein Geldeingang, ein schmackhaftes Essen oder ein exklusives Kleidungsstück können als Belohnung angesehen werden. Auch emotionale Zuwendung wie ein anerkennendes Lob oder ein Liebesgeständnis vermag viele Menschen in Hochstimmung zu versetzen. Um eine Person zu einer Handlung zu bewegen oder dieser einen Einsatz abzuringen, kann mit Strafe oder Belohnung vorgegangen werden. Eine Strafandrohung wirkt jedoch kontraproduktiv und beinhaltet oftmals Ablehnung und negativ-behaftete Reaktionen. Eine produktive Schaffensphase zieht eine Bestrafung kaum nach sich. Wenn hingegen das Belohnungszentrum hinzugezogen wird, werden positive Neuronen im Gehirnareal in Gang gesetzt. Ein Spielen in einem Online-Casino ohne Limitierung kann (im positiven Falle eines Gewinnes…) unschöne Wahrnehmungen verhindern und Glückshormone wie das Dopamin freischalten (siehe betrugstest.com).

Die Bedeutung des Glückshormons Dopamin

Das menschliche Gehirn reagiert mit einem Belohnungssystem. Das kann bewusste und unbewusste Prozesse beinhalten. Der Fachbegriff hierfür lautet „mesocortikolimbisches Belohnungssystem“. Dieses meint ein besonderes Hirnareal, welches ein verzweigtes Neuronen-Netz aufzeigt. Ähnlich wie Serotonin ist Dopamin eines dieser Neuronen, die heftige Glücksempfindungen in einem Menschen anregen können. Der Botenstoff Dopamin ist bekannt dafür, dass er im Körper lange nachwirkt und verweilt und somit eine enorme Steigerung der eigenen Motivation und des persönlichen Antriebs bewirkt. Dopamin wird jedoch nicht automatisch produziert. Die Erzeugung bedarf eines Triggers, der sich bei jedem Menschen anders verhält. Dieser Trigger kann zum Beispiel ein unterhaltsames Buch sein. Auch gegenseitige körperliche Berührungen regen nachweislich die Dopaminbildung an. Zweisamkeit kann zum Auslöser eines guten Grundgefühls werden und eine erbauende Stimmung generieren, die zu Höchstleistungen anspornt. Dabei werden nahe Ziele meist als attraktiver empfunden als Vorhaben, deren Platz erst in der ferneren Zukunft angesiedelt ist. Das Belohnungssystem im Gehirn kann mitunter manipuliert werden, um das einsetzende Glücksgefühl in die Länge zu ziehen. Die damit verbundene Motivation, ein Ziel in der Ferne zu erreichen, kann somit besser aufrechterhalten werden. Dies bewirken kleine Zwischen-Belohnungen auf dem Weg zum großen Ereignis. Ein Mensch, der vielleicht abnehmen will, kann sich nach einem errungenen Gewichtsverlust ein neues Videospiel als Belohnung gönnen.

So kann Langeweile das Belohnungssystem irritieren

Langeweile ist meist eine Momentaufnahme, da jemand etwas Zufriedenstellendes ausführen möchte, dies aus verschiedenen Gründen jedoch gerade nicht kann. Die Befriedigung bleibt für diese Person aus, da keine Belohnung erfolgt. Infolgedessen wird das Belohnungssystem nicht angeregt und Glücksgefühle nicht durch den Körper gesandt. Langeweile kann sowohl als kurzzeitiger Moment als auch als Dauerzustand in Erscheinung treten. Bei einem andauernden Gefühl von Antriebslosigkeit spricht die Wissenschaft von „Trait Boredom“. Hierbei kann sich ein Persönlichkeitsmerkmal herausbilden und Langeweile zu einer langfristigen Passivität führen. Manchmal kann sich dieses Stadium auch als Vorbote einer Depression herauskristallisieren und sollte medizinisch begutachtet werden. Langeweile kann das Belohnungssystem irritieren, indem die Inaktivität keine Belohnung herbeiführt und dadurch kein Trigger tangiert wird. Der Mensch bleibt stumpf und freudlos und wirkt lust- und antriebslos. Die Aufmerksamkeit wird nicht mehr fokussiert und die Emotionen kaum registriert. Vieles aus der unmittelbaren Umgebung prallt an den Betroffenen ab, kaum etwas lässt sie eine anhaltende Motivation für eine Sache entwickeln. Die Begeisterungsfähigkeit erhält einen Dämpfer, und neue Ziele werden nicht definiert. Oftmals sind die Auslöser für diesen unbeweglichen Zustand ein Mangel an Konzentrationsfähigkeit und Selbstkontrolle. Den Alltag zu strukturieren und auch unbequeme Dinge anzugehen bilden die Grundvoraussetzungen für das Erreichen einer gesteckten Etappe.

Wirksame Maßnahmen gegen die Langeweile

Langeweile vollzieht sich fast immer in inneren Prozessen und findet dort seinen Ursprung. Sie hat einen Sinn darin, dass sich das Bewusstsein sortiert und ordnet, da niemand ständig aufnahmebereit und leistungsfähig sein kann. Ein permanentes Konsumieren von Sinneseindrücken kann kontraproduktiv werden. Meist bildet das Gehirn Tagträume oder abschweifende Gedanken, um den Menschen nach Phasen der Langeweile wieder in eine erneute Aktivität zu führen. So können nach ruhigen Momenten effektive und kreative Vorgänge erfolgen. Es braucht somit die kurzzeitige Langeweile, um eine adäquate Leistung abzurufen und um psychisch gesund zu bleiben. Wie bei vielen Angelegenheiten macht auch in diesem Zusammenhang die Dosis das Gift. Ein allgemein gültiges Patentrezept gegen Langeweile gibt es nicht, da jeder Mensch unterschiedlich im Denken und Handeln ist. Die wegfallenden Einschränkungen können eine abwechslungsreiche Freizeit autonom gestalten lassen.

Mit freundlicher Unterstützung von Gregor Seidel. | Bild: Engin Akyurt (Unsplash) | Glücksspiel kann süchtig machen. Infos und Hilfe unter www.bzga.de

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