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Ungeduld des modernen Versandhandels

In der modernen Zeit ist es einfach an Dinge zu kommen. Selbst, wenn man sie entweder gerade bei sich vor Ort nicht kaufen kann oder einfach zu faul ist, aus dem Haus zu gehen. Internet ist das Stichwort. Dabei ist aber nicht alles rosa Warenkorb, denn mit den Veränderungen auf technischer Seite haben sich auch die Anforderungen beim Käufer selbst entwickelt. Und ebenso die Erwartungen. War man zunächst froh, wenn eine Lieferung in der gleichen Woche ankommt, muss sie heutzutage möglichst am nächsten Tag da sein. Und es beginnen die komplizierten Rechenspiele: „Wenn ich jetzt bestelle, lasse ich es dann nach Hause schicken, weil es Samstag ankommt, oder doch lieber an die Packstation, falls es werktags ankommt?“

Dazu kommen tolle Probleme, wie Playstation-Spiele ab 18 Jahren – genau das habe ich gerade. Das geht dann nicht zur Packstation, weil sicher gestellt sein muss, dass der Empfänger volljährig ist. Schmu! Ganz großer Schmu ist das!


Theoretisch können die doch einfach DHL fragen, ob der Inhaber der Packstation volljährig ist. Und klar, ich könnte meine Karte und die PIN meinem nicht existierenden 12-jährigen Bruder geben, aber genau so gut kann ich das Paket auch lächelnd an der Tür in Empfang nehmen und direkt nach dem Türeschließen eben ihm das Päckchen zuwerfen. Als ob das irgendwas absichert. Das einzige, was sicher ist, liebes Amazon, ist, dass ich es nun im Laden kaufen werde. Habt ihr davon.

Und dann denke ich mir, ob ich nicht einfach nur verschrobene Anforderungen habe? Denkt man noch an damals: bei Oma gab es immer Versandkataloge, bspw. vom Otto Versand, kiloschwer und vermutlich aus halben Regenwäldern gedruckt. Darin habe ich als Junge immer den Entertainment-Bereich durchblättert und auf den drei Seiten, auf denen es Interessantes gab, die Dinge eingekringelt, die ich toll fand. Gerne auch als Wunschzettel für Weihnachten. Geholfen hat es selten was. Aber das System war damals für alle simpel: Bestellkarte, Nummer raus suchen, per Postkarte(!) oder Fax(!!) an Onkel Otto schicken, 3-30 Tage warten und der (damals bestimmt noch freundliche) Postbote hat das Paket gebracht. Fertig.

Und jetzt? Was es nicht im Internet gibt, wird vergessen. Kataloge in den Müll geworfen oder höchstens nach einem QR-Code abgesucht. Ich kenn das ja bei mir selbst – Print hat kaum eine Chance, außer es steht fett „RABATT“ und „GESCHENK“ auf der Vorderseite. Wobei das schlimme ja wie gesagt die Ungeduld ist, wenn man etwas bestellt hat. Unternehmen wie Amazon haben die Latte (evtl. unter Einsatz von sehr fragwürdigen Arbeitsbedingungen) der hoch angesetzt, dass man selbst enttäuscht ist, wenn es „nur noch schnell“ geht. Und nicht unerwartet schnell. Selbst individualisierte Produkte werden immer schneller produziert und geliefert. Auch Unternehmen wie Otto & Co. sind mittlerweile auf den digitalen Zug aufgesprungen, bleibt ja keine andere Wahl.

Hier vielleicht ein kleiner Appell an mich, aber gerne auch an andere Ungeduldige da draußen: relax! Ob es nun heute oder einen Tag später kommt, ist doch letztlich auch wurscht. Als ob du an einem Donnerstagabend zocken möchtest. Im Zweifel reißt du doch eh nur das Paket an, holst das Spiel heraus und lässt es dann drei Tage auf dem Couchtisch liegen, ehe du wirklich dazu kommst. Wenn wir alle etwas ruhiger werden, werden wir auch häufiger überrascht, wenn es dann wirklich mal fix geht. Und vielleicht sind Unternehmen nicht weiter darauf aus, für den schnellstmöglichen Lieferweg die Arbeitsbedingungen schleifen zu lassen. Und vielleicht ist dann sogar der Postbote besser drauf.

12 Kommentare

  1. Herbie says:

    Wenn Wartezeit eine Option: play.com

    Ladenpreise für Spiele sind einfach 2004.

    Ansonsten: ich kenne nette Postboten. Und muss nicht alles am nächsten Tag haben. Problem gelöst / nicht vorhanden

  2. fokka says:

    kenne das „problem“ nur zu gut, bin aber selbst schon zufrieden, wenn das päckchen innerhalb einer woche da ist. 3-4 wochen wartezeit wie früher bei den katalogen, das hat wirklich keinen spaß gemacht.

    „schlimm“ ist es noch bei sachen aus übersee, oder fernost, vor allem wenn sich der tracking-status wochenlang nicht ändert. aber auch wenn ich bei solchen sachen zur ungeduld neige, habe ich es doch teilweise gelernt, das paket einfach paket sein zu lassen, am ende ist es zu mindest bei mir noch immer angekommen.

    und ausserdem ist doch wie wir wissen die vorfreude die schönste freude! *sprücheklopf*

  3. Ragnar says:

    Bei DHLs http://www.paket.de anmelden, dann kann man wenigstens den Lieferzeitpunkt festlegen. Aber auch vieles mehr, von daher vielleicht interessant.

  4. Maik says:

    @Herbie: klar, gibt auch nette, habe ich eigentlich auch mehrheitlich.
    @fokka: Übersee ist ein Graus! Am Ende ist es dann beim Zoll und man hat den größten Spaß…
    @Ragnar: bin ich angemeldet, aber so richtig will es nicht funktionieren… :/

  5. Heiko says:

    Schöne Gedanken und lobenswerter Appell. Doch die neusten Entwicklungen zeigen eher das Gegenteil. Schaut man sich vor allem Amazon an, ist Geduld immer weniger verlangt. Mit „Same Day Delivery“ hat man in den USA jetzt schon teilweise die Möglichkeit das bestellte Produkte in wenigen Stunden in der Hand zu halten. Und auch in Deutschland wird wohl daran gearbeitet.

    PS: Das es selbst bei personalisierten Produkte immer schneller geht, ist auch eher ein Ausnahme. Viele lassen sich noch immer ausreichend Zeit für die Fertigung. Bei NIKEiD beispielsweise dauert die Lieferung noch immer 3-4 Wochen. Und wie ich vor kurzem in einem Gespräch erfahren habe wird sich daran auch zeitnah nichts ändern. Da muss man also wirklich noch eiserne Geduld beweisen.

  6. Meocrisis says:

    Ich finde es hat schon seinen guten Grund warum das Spiel nur direkt an volljährige ausgehändigt wird. Stell dir mal vor dein 13 jahriger kleiner Bruder könnte sich das Spiel bestellen und bekommt es einfach so nach Hause geliefert. Wäre das cool und verantwortungsvoll? Das Problem liegt doch eher darin, dass durch das Internet vieles zu anonym (ohne alter) ablaufen kann und der Shop (bei dem nach dem Ausweis gefragt wird) umgangen werden kann. Die Kids sind zwar jung, aber nicht doof!
    Dein Problem kann auch DHL nicht lösen. Wenn das Spiel in die Packstation geliefert wird, kann es, wie du schon sagst, auch dein kleiner Bruder abholen. Aber wer wäre da in der Verantwortung? Du oder DHL? DHL und Amazon verhalten sich da absolut richtig! Sei lieber froh, dass das System so funktioniert….

  7. Maik says:

    @Heiko: Richtig so! Bei solch einer Qualität bin ich auch gerne bereit, zu warten.
    @Meocrisis: Klar, die Gedanken dahinter sind an sich gut und auch das persönliche an der Tür in Empfang nehmen ist i.O. Aber das mit der Packstation will mir nicht in den Kopf. Wenn ein Junge meine Karte klaut, muss er auch noch die PIN von meinem Handy klauen, das wäre schon enorm. Und wenn ich es ihm gebe, bin ich in der Verantwortung.

  8. vectrex71 says:

    Dieses Verhalten des Kunden, hat einen Namen, Der Drang immer alles sofort haben zu wollen, nennt man „Sofortness“ Kein Joke !

  9. Maik says:

    Oh, danke für den Hinweis, interessante Neuwortschöpfung!

  10. Heiko says:

    Tja, Maik. Dann musst du deinen Artikel wohl ganz Stillecht in Geduldness umbenennen :D

  11. Maik says:

    @Heiko: Ungeduldness! ;)

  12. vectrex71 says:

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