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Neue Kolumne von Owley Samter

Die Bisou-Initiative

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In der Schweiz pflegen wir die direkte Demokratie. Das heisst konkret, wenn uns etwas nicht passt, so haben wir als Bürger die Möglichkeit, daraus eine Initiative zu basteln, über die das Stimmvolk dann an einem von vier Terminen im Jahr abstimmen muss, bzw. darf. Bei rund einem Dutzend solcher Abstimmungen jährlich wäre man doch eigentlich versucht, zu meinen, dass in den rund 170 Jahren, in denen es die Eidgenossenschaft bereits gibt, wenigstens einer auf die Idee gekommen wäre, eine „Bisou-Initiative“ zu lancieren.

Aber nein. Nie vorgekommen.

Alles muss man selber machen.

Nun denn. Hiermit schlage ich also vor, dass wir – so schnell wie möglich – über die zentrale Frage nach der Anzahl Küsschen, die sich zwei Personen geben, wenn sie sich begrüssen, abstimmen. In der Schweiz begrüsst man sich generell mit Küsschen, doch niemand hat je festgelegt, wieviele davon man sich gibt.
Das muss sich ändern! Für viele Schweizer, Schweizerinnen und sich in der Schweiz aufhaltende Nicht-Schweizer (in der Folge Schweizernde genannt) ist die momentane Unwissenheit, auf wieviele Küsschen sich das Gegenüber eingestellt hat, unerträglich. Sie machen sich Sorgen und werden von Angstzuständen geplagt.

Sind es drei? Oder doch nur eines? Und was, wenn mein Gegenüber plötzlich in einem Anflug von Badassery exakt zwei Küsschen und nicht mehr und nicht weniger gibt? Ehemals klar definierte Regeln – Westschweizer geben drei „Bisous“, Deutschschweizer nur eines – werden von Schweizernden immer öfters missachtet und stiften Unruhe im Volk. Nicht selten wurde ein wichtiges Treffen noch in allerletzter Sekunde abgesagt, da die Angst vor einer Diskrepanz in der Küsschenzahl der beiden Teilnehmer dieses Aktes zu hoch war.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es wenig Schlimmeres gibt, als der Moment, wenn du dem Gegenüber drei Küsschen geben willst, es aber nur ein Küsschen gibt, und du für deinen zweiten Kuss ansetzt und ins Leere schmatzt. Oder noch schrecklicher, wenn du dein Küsschen statt auf die Wange auf die schrumplige und nach einer Überdosis Schnapspralinen riechende Lippe deines Urgrossmamis drückst. Die daraus resultierende komische Situation stürzt unzählige Schweizernde regelmässig in eine Sinneskrise. Sie hätten sich nach einem solchen Erlebnis auch schon Gedanken darüber gemacht, ob das Leben überhaupt noch lebenswert sei, erzählen Betroffene.

„Müssen wir das noch länger ertragen!?“ (Zitat aus so ziemlich jedem Initiativ-Text ever)

Ich sage: Nein! So nöd! Ich werde nicht tatenlos zu sehen, wie unsere Regierung tatenlos zusieht, während arme Schweizernde bedingt durch diese unmenschlichen Zustände an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Und die Gesellschaft am Schluss nur noch aus Menschen besteht, die am Rand der Gesellschaft stehen und die Gesellschaft damit einem Donut gleicht.

Aus diesem Grund lanciere ich hiermit die „Bisou-Initiative“. Sie soll die Küsschenfrage ein für allemal klären und die Schweiz wieder zu einem schönen Ort machen, in dem alle Schweizernden glücklich ihre Küsschen verteilen können und nicht mehr in Angst leben müssen. Die Anzahl Küsschen wird in der Verfassung verankert und alle Schweizernden müssen sich dann an die Küsschenordnung halten. Zuwiderhandlungen werden mit drei schlabbrigen Küsschen vom Urgrossmami bestraft. Oder in Extremfällen, mit einer Bisou-Salve von Jean-Claude Juncker.

Und dann endlich, dann wäre alles wieder gut.

Der Zürcher Künstler Owley Samter (Website) schreibt und illustriert in seiner Kolumne über die Unterschiede und Vorurteile zwischen der Schweiz und Deutschland.

2 Kommentare

  1. Chris says:

    Hihi, Dürfte ich hier abstimmen, meine Stimme hättest Du. Bei mir zeigen sich die Probleme aber anders. Als Schweizernder bin ich natürlich (wohnhaft in der Nordwest-Schweiz) 3 Küsschen gewöhnt, und küsse daher in der Heimat Süd-Deutschland zu Besuch regelmässig beim 3. Küsschen ins Leere. Dieser Zustand kann so nicht hingenommen werden. Ich versuche dann meist zu erklären, dass es hierzulande der Küsschen eben drei sind. So manch eine Küsschen-Partnerin erinnert sich dann das nächste Mal daran, und möchte das dritte Küsschen kassieren, allerdings habe ich in solchen Situationen bereits wieder auf den 2-Küsschen-Modus umgestellt, und wieder entsteht eine gähnende Küsschen-Leere…
    Ich bin daher eher der Meinung, dass es seitens EU (Hallo Hr. Juncker?) eine Richtlinie geben sollte, die EU-weit regelt wo wie zu küssen ist. Ebenso wäre diese Richtlinie dann in die Bilateralen Verträge zu übernehmen, worüber ja ohnehin in der Schweiz rege diskutiert wird… :)

    • Owley says:

      Das ist ein sehr guter Vorschlag. Ich habe nämlich auch eine gute deutsche Freundin, die sogar gänzlich auf Küsschen verzichtet und unserem Tun dann irritiert zuschaut. Das sorgt natürlich für komische Momente. Das geht so nicht. Herr Juncker, handeln Sie!

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