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Interview mit dem Singer-Songwriter

kurzweil-ICH: Clueso

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Am Freitag erscheint mit Neuanfang (Partnerlink) das neue Album von Clueso. Der Singer-Songwriter aus Erfurt hat das erste Mal ohne seine ihn bisher begleitende Band Musik gemacht und präsentiert zehn Lieder, die den Start einer neuen Phase seines musikalischen Lebens sein sollen.

Im Interview spricht Clueso mit mir über Affen im Weltraum, die neu entflammten Hip Hop-Parts auf der Platte und weshalb ihm bei diesem Album irgendwie „alles egal“ war – und genau das gut ist.

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Maik: An welchem Punkt in der „Achterbahn“ befindest du dich gerade?

Clueso: Genau an der Kante zum ersten Looping. Das Album kommt ja gerade erst raus. Ich habe eine engen Draht zu den Fans – viele sind seit Jahren dabei – aber ich kann beim Machen eines Albums auf niemanden Rücksicht nehmen, sondern nur auf die Neugier setzen… Aber im Nachhinein interessiert mich die Meinung der Leute dann natürlich schon.

2006 warst du noch „Out of Space“, zuletzt hast du dich wie der Affe „Gordo“ gefühlt, der einfach nur wieder runter möchte – in wie fern hat sich dein Grad an erwünschter Erdnähe verändert?

:-)
In der Schwerelosigkeit herrschen ja andere Gesetzte. Manchmal möchte man einfach nur ganz normal sein Frühstücksei essen und ich habe Freunde, die mir immer wieder sagen „Du musst Dich mal mehr entspannen“ – denen antworte ich dann „da draußen können vielleicht nur ein Prozent der Leute machen, was sie lieben. Ich finde das ist Entspannung genug“.

Wie kam es dazu, dass du einen Song über das Weltraum-Tier geschrieben hast?

Als Kinder fanden mein Bruder und ich schon immer Astronauten und sowas cool. Zu Hip Hop-Zeiten gab es eine große Crew in Thüringen, in der ich gerappt habe. Die hießen „Wostok Mob“. Wostok 1 war die Rakete, mit der Juri Gagarin geflogen ist, der vor seinem Start meinte „Es wird sich zeigen, ob ich der erste Mensch im Weltall bin, oder der letzte Hund“. Das war eine Anspielung auf „Laika“ und all die Hunde, die vorher gestorben sind. Mich wundert es ja eher, dass ich nicht mehr Songs darüber habe.

Trotz der vermeintlichen Kreativitäts-Einschränkung durch Verpflichtungen im Musikalltag liegen „nur“ ziemlich genau zwei Jahre zwischen „Neuanfang“ und dem letzten Album „Stadtrandlichter“. Musste die neu gefundene Kraft und Konstellation einfach raus?

Ja. Eigentlich hatte ich schon 15 Skizzen auf der Akustikgitarre, doch dann kam die Entscheidung, mich von vielen Dingen zu lösen, und das ging natürlich nicht spurlos an mir vorbei. Meine Art, solche Dinge zu verarbeiten, ist Musik zu machen – und Zack hatte ich ein neues Album, das raus musste. Jedes Album ist eine spirituelle Reise, weswegen ich auch nicht verstehen kann, warum so viele bekannte Künstler ihr Texte von anderen schreiben lassen. Man erfährt doch beim Schreiben so viel über sich selbst.

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Mit zehn Tracks ist das Album ungewohnt kurz – wie kommt’s?

Für mich ist nach Song 10 zu diesem Album einfach alles gesagt.

Du warst vorher eigentlich schon sehr selbstbestimmt unterwegs, jetzt hast du dein Arbeitsumfeld aber nochmals reduziert und neu geordnet. Steckt in „Neuanfang“ bisher vielleicht am meisten Clueso?

Bei jedem Album schwingen, neben den Hauptthemen, verschiedene Sachen mit. Wenn man unbekannt ist, will man gehört werden. Wenn man eine Band hat, will man sie leuchten lassen. Wenn man seine Sprache gefunden hat, zeigen, wie man damit jonglieren kann. Bei diesem Album war mir alles egal… Ich saß quasi in Berlin auf der Couch und hab meine Geschichte erzählt. Vielleicht ist es deswegen eines der Privatesten.

Welche waren die größten Unterschiede im Prozess zur neuen Platte, nachdem du die letzten 14 Jahre stets mit deiner Band unterwegs warst?

Wir waren sehr wenige Leute – oft waren wir sogar nur zu zweit – Tobias Kuhn (Produzent) und ich. Wenn man mal die Extras wie Bläser oder so raus nimmt, haben Tim Neuhaus, Tobias und ich das Album eingespielt. Ich hab mich in Tobias‘ Hände begeben und über nichts nachgedacht, was mit Akkorden oder Stilen zu tun hat.

Achtung, Goldwaage: Hast du damals (2006) noch um „Frische Luft“ gerungen, besingst du jetzt die notwendige „Neue Luft“. Ist es in der heutigen Musikwelt wichtiger denn je, dass stets etwas Neues und ständiger Nachschub vorhanden ist?

Ja und Nein. :-)

Mir fällt immer mehr auf, wie Musik-Acts ihre Platten nach sich benennen, „zurück zu den Wurzeln“ gehen, sich „neu erfinden“ – ist ein „Neuanfang“ mittlerweile ein Muss, um nicht stehen zu bleiben?

Kann sein, dass das jemand so empfindet. Für mich war es eine der heftigsten Erfahrungen ever. Das schwierige ist, eher die Vorteile zu erkennen als sich aufzuzählen, was man alles verlieren könnte. Ich kann jedem empfehlen mal darüber nachzudenken, was er wirklich braucht, und was nicht.

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Wie in „Anderssein“ gibt es mal wieder ein paar schnellere Sprechgesangs-Zeilen zu hören – wie viel Spaß macht es, wieder ein paar Schritte auf den alten Hip Hop-Pfaden zu gehen?

Sehr! Und der Vorteil dabei ist, ich kann das halt und, wenn es mal sprudelt und ich viel zu sagen habe, verzichte ich auf schön ausgearbeitete Gesangsmelodien und nutze meinen Sprachgesang und groove.

Sehr gefallen hat mir die Zeile „Ich erzähl‘ Geschichten, die erfunden, aber nicht gelogen sind“. Kannst du das noch etwas genauer ausführen?

Ja klar. Ich schreibe über mein Leben und über mich. Dennoch entwickelt jeder Song, jede Geschichte, ja sogar ein Interview eine Eigendynamik, die Sachen anzieht und abstößt. Wenn man sich dem wiedersetzt, wird es verkopft und man entfernt sich. Eine Winterlandschaft wie in “jeder lebt für sich allein“ passt am besten zu dem Gefühl, das ich transportieren will – auch wenn der Auslöser für diese Geschichte vielleicht im Sommer war.

Ist dieser Neuanfang der Startschuss für eine weitere Entwicklung des Sounds?

Ja.

Wird es auch Veränderungen bei deinen Shows für die Konzertbesucher geben?

Na, das will ich doch hoffen.

Aktuell ist vermutlich alles ganz gut durchgetaktet bei dir – wie sehr freust du dich wieder darauf, ohne Plan fahren zu können?

Im Moment möchte ich für die Geschichten kämpfen, die ich zu erzählen habe, und ich will, dass diese so viele Menschen erreichen wie möglich.

Immer meine letzte Frage: Was machst du, wenn dir langweilig ist?

Im Winter zock ich Playstation – im Sommer geh ich raus.

Danke für das Interview.

Ich danke! Das waren sehr interessante Fragen.

Clueso geht natürlich auch mit der neuen Platte auf Tour.

Neuanfang Clubtour 2016/17

11.12.2016 Bochum – Zeche
12.12.2016 Karlsruhe – Tollhaus
15.12.2016 Potsdam – Waschhaus
16.12.2016 Erlangen – E-Werk
20.12.2016 Darmstadt – Centralstation
02.02.2017 München – Muffathalle
03.02.2017 Stuttgart – Im Wizemann
05.02.2017 Berlin – Astra
06.02.2017 Hamburg – Große Freiheit 36
08.02.2017 Leipzig – Täubchenthal
09.02.2017 Köln – Gloria
13.02.2017 Erfurt – Stadtgarten
14.02.2017 Erfurt – Stadtgarten

Neuanfang Tour 2017

24.09.2017 Bielefeld – Ringlokschuppen
27.09.2017 Frankfurt – Jahrhunderthalle
28.09.2017 Stuttgart – Liederhalle
30.09.2017 Würzburg – Posthalle
01.10.2017 Hannover – Capitol
02.10.2017 München – Zenith
05.10.2017 Berlin – Tempodrom
06.10.2017 Leipzig – Haus Auensee
09.10.2017 Köln – Palladium
12.10.2017 Saarbrücken – Garage
13.10.2017 Bremen – Pier 2
14.10.2017 Hamburg – Sporthalle

Bilder 1 & 3: ©Christoph Köstlin Universal Music | Bild 2: via

2 Kommentare

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Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

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