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Panzer und Sibbi stellen sich

kurzweil-ICH: Die Band ITCHY im Interview

kurzweil-ICH: Die Band ITCHY im Interview diana-muehlberger-itchy-bandportrait

ITCHY (ehemals Poopzkid) singen jetzt auf Deutsch?! „Ja als ob“ (Partnerlink) entgegen die drei Jungs selbstsicher in Form eines neuen Albums. Bei so viel Veränderung habe ich mir gedacht, ich stelle der Band mal wieder ein paar knallhart recherchierte, investigative Fragen, die glücklicherweise auch von ihnen beantwortet worden sind.

Erneut haben sich Panzer und Sibbi gestellt und gewohnt kurzweilig mit mir über den Sprachwechsel, den Stand unserer verkorksten Gesellschaft und die Donots gesprochen.

ITCHY im Interview

Viereinhalb Jahre sind seit unserem letzten Interview vergangen. Da schien die Welt vor Brexit, Trump und Klimawandel noch in Ordnung gewesen zu sein… Wie geht es euch?

Panzer: Uns persönlich geht’s ja eigentlich immer ziemlich gut, danke der Nachfrage! Immerhin gibt’s uns jetzt als Band seit 19 Jahren und es gibt immer noch Leute da draußen, die sich gerne unsere Musik anhören und auf unsere Shows kommen. Darüber freuen wir uns. Voll gut! Global gesehen lag zum Zeitpunkt des letzten Interviews ja auch schon viel im Argen. Ich hab aber schon das Gefühl, dass sich die Welt – u.a. durch die von dir genannten Themen – in der Zwischenzeit nicht grade zu einem besseren Ort entwickelt hat. Es gibt jedenfalls eine Menge Entwicklungen, die einem Angst machen zur Zeit.

Ihr habt die Missstände der Welt ja 2017 in „Fall Apart“ thematisiert – inklusive der Elementarsten Änderung überhaupt: wo ist das „Poopzkid“ hin?!

Sibbi: (lacht) Ja, das ist wirklich das Weltproblem Nr.1. Bzw. war es das. Wir haben es aber Gott sei Dank geschafft, nach über 15 Jahren endlich den Teil des Bandnamens loszuwerden, den wir seit genau so langer Zeit fürchterlich fanden. Vielleicht hätten wir am Tag 1 nach der Namensfindung 2001 einfach etwas mutiger sein und die Entscheidung direkt wieder über Bord werfen sollen. Aber hey, das war nicht so leicht, schließlich hing das Plakat für unsere erste Show da ja schon.

Mit „Beyoncé & Jay-Z“ habt ihr auch auf eurer neuen Platte einen Rundumschlag gesellschafts-politischer Relevanz am Start. Ist das mittlerweile so eine Art Quoten-Konzept-Song, der Album für Album ein Spiegelbild des aktuellen Wahnsinns auf der Welt darstellen soll?

Panzer: Ich finde es generell schön und wichtig zu aktuellen Geschehnissen Stellung zu beziehen oder sie zumindest in Songs vorkommen zu lassen. Ein neues ITCHY-Album ist auch, jedes mal aufs Neue, ein Stück weit eine Momentaufnahme unserer Sicht auf die Dinge, die so um uns herum passieren. Wir sind gern am Zahn der Zeit, weil das natürlich auch die Themen und Probleme sind, die uns im „Jetzt“ am meisten beschäftigen.

Da haben Fans noch immer mit der drastischen Bandnamen-Minimalisierung zu knabbern und ihr kommt auch noch mit einem Sprachwechsel daher und singt auf Deutsch. Einmaliges Experiment oder zukunftsweisender Wechsel?

Sibbi: Du merkst, wir mögen es, uns selbst immer wieder durch Neuerungen herauszufordern. Dass unsere Fans da mit durch müssen ist natürlich schon ein riskantes Unterfangen, weil man einfach nicht wissen kann, wie so eine große Änderung aufgenommen wird. Gott sei Dank sind die ersten Reaktionen aber wirklich wahnsinnig positiv. Für uns als Band hat es sich nach 18 Jahren wie eine große Frischzellenkur angefühlt. Ich mein, welche Band kann sich mit Album Nr. 8 nochmal komplett neu erfinden und sich und die Leute überraschen? Ich sehe das als großes Privileg an. Wir haben uns für die nächsten Jahr jedenfalls viele neue kreative Türen geöffnet, daher wird es jetzt wohl erstmal bei der Sprache bleiben.

Wie haben denn Management, Familie und Freunde auf die Neuigkeit mit dem Sprachwechsel reagiert?

Sibbi: Es war vermutlich ’ne komplett homogene Mischung aus „Seid ihr jetzt komplett verrückt geworden“ und „Hey, find ich sehr spannend, wird euch sicher gut tun“. Aber auch unser Umfeld war dann am Ende echt sehr positiv überrascht über das Ergebnis.

Panzer: Die wissen halt, wie man Freundschaften pflegt. (lacht)

Ihr wisst schon, dass ihr damit euer Wort gebrochen habt, oder?

Sibbi: Na klar! Dafür sind wir doch da!

Im Interview 2015 hatte ich euch darauf hingewiesen, dass Donots-Sänger Ingo auf meine Frage, welche Band ab jetzt auf Deutsch singen sollte, euch genannt hatte, woraufhin Panzer meinte: „Ingo hat es ja eigentlich schon auf den Punkt gebracht: Selbst wenn wir uns vornehmen würden, eine Platte auf Deutsch aufzunehmen, würde sie im Media Markt Regal dann bei ‚Schwäbische Mundart‘ stehen. Das kann man einfach total vergessen“…?

Panzer: Ich muss auch zugeben, dass es teilweise schon ein kleiner Kampf war im Studio. Unser Berliner Produzent Florian Nowak war während der Gesangsaufnahmen tatsächlich öfters der Meinung, dass einige Textpassagen relativ „Süddeutsch“ ausgesprochen wären. Die hat er uns dann immer wieder wiederholen und nochmal neu einsingen lassen. War für uns natürlich schwer nachvollziehbar. In unserer exklusiven Wahrnehmung sind wir zu 100% in der Lage einwandfreies Hochdeutsch von uns zu geben…

Sibbi: Wir hatten über Monate Hochdeutsch-Privatunterricht beim Sprecher der Seitenbacher Müsli-Radiowerbung. Danach haut dich nichts mehr aus der Bahn.

Ich muss ja gestehen, dass ich den Wechsel sehr gelungen finde, da die Musik sich unabhängig von der Sprache konsequent weiterentwickelt hat. Vor allem bei Songs wie „Godzilla“ wirkt es, als ginge die deutsche Sprache im Stakkato-Stil passender über die Lippen. Was ist für euch der größte Unterschied durch den Sprachwechsel?

Sibbi: Dass wir unsere eigene Musik plötzlich ganz anders wahrnehmen. Man hört einfach erstmal nur auf den Text, und erst in zweiter Linie auf den Sound und den Song. Die ganze Band wird dadurch transparenter in meinen Augen. Daher legt man sich selbst die Messlatte nochmal ein Stück höher, weil man auch weiß, dass man als Band, die beim 8. Album die Sprache wechselt, natürlich verstärkt unter die Lupe genommen wird. Da muss man direkt abliefern. Man hat keine zwei, drei Alben Zeit um sich langsam zu finden.

Hattet ihr euch die Resonanz auf die Sprachumstellung bei den Donots genauer angeschaut und euch mit der Band ausgetauscht, was eure Gedankenspiele hinsichtlich deutscher Lyrics anbelangt?

Sibbi: Wir haben uns tatsächlich mit den Donots ausgetauscht. Aber einfach deshalb, weil wir eh fast täglich in Kontakt sind mit denen, und sie einfach sehr gute private Freunde sind. Und logischerweise redet man dann auch über die eigenen Erfahrungen und Tricks und Kniffe und Probleme. Aber ich finde sowas super, sich mit anderen Bands austauschen. Sei es über Kreatives, sei es über Business-Sachen, etc. Da profitieren glaube ich immer alle Beteiligten.

Noch so ein 2015-Rückbezug: Meine Prophezeiung, dass nach 2005, 2007, 2009, 2011, 2013 und 2015 dann 2017 das nächste Album pünktlich angeliefert werden müsst, trat mit „All We Know“ noch ein, jetzt macht ihr den ersten Drei-Jahres-Sprung eurer Karriere. Wer oder was ist schuld an dieser Misere?

Panzer: Ich weiß gar nicht mehr genau. Ich glaube wir wollten uns etwas mehr Zeit fürs Songwriting und zeitglich den Leuten auch mal ein bisschen Pause von uns geben. Wir haben in den letzten Jahren so viele und regelmäßige Touren gespielt, dass es ganz cool war da mal einen – zumindest etwas – größeren Break einzubauen.

Auf was für eine Setlist dürfen sich die Besucher der kommenden Club-Tour und Festivals freuen. Wird es da einen erhöhten Anteil deutscher Songs geben?

Sibbi: Das wird bunt gemischt werden. Es wird sicher etliche der neuen geben, aber natürlich werden wir auch nen großen Querschnitt aus den sieben englischsprachigen Alben spielen.

Konntet ihr euch bandintern gut ob der Musik-Ikonen-Auswahl im Song „Wo seid ihr alle?“ einigen?

Panzer: Das war tatsächlich nicht ganz so einfach. Immerhin gibt es wirklich eine Menge toller Musikerinnen und Musiker, die leider schon verstorben sind und natürlich mussten die Namen auch immer in die Rhythmik und ins Reimschema passen. Da wurde im Prozess viel umgestellt und einige Namen sind auch wieder rausgeflogen. Wir wollten das aber auf jeden Fall Genre-übergreifend machen, weil wir selbst ja auch sehr vielschichtig Musik hören. So kommt es dann, dass neben Joe Strummer und Johnny Cash auch Amy Winehouse oder Tupac ihren Platz in dem Song finden.

Meine letzte Frage kennt ihr ja bereits: Was macht ihr, wenn euch langweilig ist (abseits von Interviews)?

Panzer: Ich guck Fussball. Du?

Sibbi: Ich schreib dir danach eine subtile SMS, weil dein Verein wieder verloren hat.

Danke für das Interview.

Mehr zur Band ITCHY und der Musik der drei Jungs gibt es auf deren Website ItchyOfficial.de zu sehen und hören, sowie natürlich auch auf deren Social-Media-Profilen bei Facebook, Twitter, Instagram, YouTube sowie logischerweise auch auf Spotify.

Mehr zum neuen ITCHY-Album „Ja als ob“ werde ich diesen Freitag in der Februar-Ausgabe meiner Kurzreviews schreiben.

Bandfoto: Diana Mühlberger.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Kurzreviews: Neue Musikalben im Februar 2020

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