Homepage

Mein Rücken macht jetzt Sport beim Sitzen

Aktiv-Stuhl 3Dee von aeris im Test

3Dee-Test_01

Ich habe Rücken. Seit fast 30 Jahren. Von Geburt an habe ich eine Wirbelsäulenskoliose, die aus einem Beckenschiefstand herrührt, der darauf fußt, dass eines meiner Beine minimal länger (oder kürzer) ist als das andere. Crazy Biologie-Shit, der jedenfalls zu Einlagen, Krankengymnastik und dem Ratschlag führte, unbedingt ganz oft schwimmen zu gehen. Leider scheint sich jedoch der Eintrittspreis für Hallenbäder anti-proportional zur mir schwindenden Zeit zu entwickeln, so dass ich einfach nicht dazu komme. Dazu hocke ich nicht nur gefühlt den halben Tag am Computer. Sitzend. Auf einem 50 Euro-Stuhl. Und wenn ich dann mal Pause oder Feierabend mache, wird aufs Sofa umgezogen. Das ist nicht gerade rückenfördernd…

Da kam mir die Anfrage von aeris ungemein gelegen. Oder sollte ich lieber sagen, „die Anfrage hat gesessen“?! „3D-Ergonomie“ zum Sitzen, Aktiv-Stühle mit zentraler Feder, die bei jeder Bewegung etwas mitgeht und den Rücken dazu veranlasst, im Sinne der Balance auszugleichen.

Das klang alles zunächst so komisch wie es sinnvoll schien. Sollte das meine Lösung sein? Dauersitzen als Ersatzsport? Ich habe einen Bürostuhl der Modellreihe 3Dee zum Testen erhalten. Seit vier Wochen sitze ich nun auf dem guten Stück und berichte euch gerne von meinen Erfahrungen. Design, Bestellvorgang, Lieferung, Aufbau, Sitzkomfort – sitzt der Kauf? Soviel vorweg – mein Rücken hat sich zunächst lautstark darüber beschwert…


3Dee-Test_02

Ausgangslage 08/15-Stuhl

So sah es seit Jahren bei mir aus. „Chefsessel“ nannte sich das Teil mal, hatte vor allem eine hohe Lehne, echtes Leder und ein paar Einstellungsmöglichkeiten. Einigermaßen bequem, aber immer wieder habe ich gemerkt, dass ich ungerade auf dem Stuhl saß, herunter rutschte und mich eher in einem flüssigem Stadiumsverlauf gen „Liegen“ befand. Die vermeintliche Lösung sollte in diesem gigantomanischen Karton liegen. Doch ich springe herum – wie kam es zu der Füllung eben dessen?

Bestellung und Aufbau

Auf aeris.de gibt es den Produktkonfigurator. Je nach Modell können unterschiedliche Optionen eingestellt werden. Beim 3Dee war das vor allem der Bezug und die Farbe der Teile, aber eben auch die Federstärke. Diese variiert je nach gewünschter Sitzhöhe:

Federstärke BASIC: Sitzhöhe belastet 42 – 56 cm
Federstärke PLUS: Sitzhöhe belastet 45 – 59 cm

aeris-3Dee-Konfigurator

Je nach gewünschter Komponenten richtet sich auch der Preis. In der „Grundausstattung“ liegt der 3Dee bei 939 Euro, meine Variante müsste bei 1.069 Euro liegen (eine Auflistung der UVP-Preise aller Modelle und Modifikationen gibt es hier). Unfassbar viel Geld für einen Stuhl, das ich nie selbst ausgegeben hätte, das sage ich direkt mal. Aber es ist eben Design und Technik und Funktionalität auf hohem Standard – da ist das tatsächlich eine sehr normale Hausnummer.

Kaufen kann man den Stuhl dann jedoch nicht direkt online, aber es gibt einen Artikelcode, mit dem man z.B. über die angebotene Händlersuche zum Verkäufer seines Vertrauens geht. Und der lässt dann einen gigantomanischen Karton füllen und verschicken.

3Dee-Test_03

Aufgebaut ist der Stuhl ungemein schnell. Zunächst hatte ich etwas Respekt vor den „wenn beim Aufbau was kaputt geht, selber Schuld, lassen Sie es doch lieber einen Fachmann machen!“-Aufkleber (Zitat sinngemäß), aber das sollte sich als übertrieben herausstellen. Alle Teile kamen mehr als sorgfältig verpackt (was Katzen von Katzenbesitzern freuen dürfte, die sich ein Karton-Paradies bauen können) und wurden schlichtweg zusammen gesteckt. Lediglich zwei Schrauben mussten samt mitgelieferten Inbusschlüssel fixiert werden. Kinderspiel! Danach noch ein paar konfigurative Einstellungen – fertsch!

Erster Eindruck und Design

Da steht er – bereit, besetzt zu werden! Macht sich gut, das Zusammenspiel aus „Ferrari-Rot“, Chrom und Schwarz, quasi die LangweileDich.net-Farben im Rot-Schwarz-Weißen Büro. Das Design des 3Dee gefällt mir sehr gut. Auf das Wesentliche reduziert, eine elegante Formenführung und insgesamt ein sehr hochwertiges „Feeling“. Der Mikrofaser-Stoff fühlt sich wunderbar an, das Gewicht wirkt schwer und wertig und die Kipp- und Einstellungs-Schalter sind angenehm unauffällig verbaut (Höhenverstellung an der Seite, Rückenlehnenjustierung ist quasi der hintere Metallbügel).

3Dee-Test_04

Bei der Justierung war ich mir dann etwas unsicher. Einige Hinweise wurden auf der mitgelieferten „Schnellinstallation“ mitgegeben, aber gerade bei der Rückenlehne war es zunächst etwas Trial und Error. Fakt ist – das erste Sitzen war überraschend angenehm und angenehm überraschend. Die Feder gibt ein ganzes Stück nach und man sinkt gen Boden, bleibt aber elastisch in der „Luft“ hängen. Dazu hat man direkt das Gefühl, anders (nämlich gerader) darauf zu sitzen. Ersteindruck: fuck yeah!

Der Rücken schreit nach Hilfe

„Fuck autsch“ schreit ab dem zweiten Tag der Rücken. Aber ich hatte bereits in anderen Erfahrungsberichten gelesen, dass die Anfangszeit durchaus „fordernd“ werden kann. Aber das zeigt ja eigentlich nur, dass es funktioniert. Das ständige Federn und Mitgehen aktiviert Rückenmuskeln, die sich bei mir bereits seit Jahren im Tiefschlaf befanden.

Von Besuchern werde ich beneidet, allen gefällt der Stuhl und Probesitzen fällt positiv aus. Ich halte mir derweil den Rücken und freue mich ein wenig, dass ich stehen kann. Hm… Sonstige Auffälligkeiten der ersten Woche: Die Rollen rollen etwas schwermütig. Klar, viel Gewicht und viel Widerstand, damit Körper und Rücken gefordert werden – und wie erfahren habe auch schlicht ein Sicherheits-Ding. So sind die Rollen nämlich nach DIN EN 12529 zertifiziert und sicher, wenn aufgrund extremer Neigung andere Stühle vielleicht zur Seite rollen würden. Ansonsten bin ich positiv überrascht, dass mir die fehlenden Armlehnen gar nicht fehlen.

3Dee-Test_05

Sitze ich richtig?

Nach fast zwei Wochen kommen erste Zweifel auf. Wirkliche Rückenschmerzen habe ich nicht mehr und Muskelkater war das eh irgendwie nie, aber es fühlt sich eben noch immer unbequem an. Das könne „schon mal 2 Wochen dauern“ schreibt mir meine Ansprechpartnerin auf Nachfrage. Ich stelle ein wenig an den Einstellungen herum und bin mir unsicher, welche nun richtig für mich ist. Aber okay, da muss ich wohl durch.

Ganz geil: Ich kann den Stuhl deutlich höher stellen als den alten, weil die Armlehnen eben fehlen (die vorher bei höchster Einstellung nicht unter den Schreibtisch passten). Das Problem ist nun jedoch, dass ein neuer Schreibtisch her muss, da meine Arme zu hoch liegen. Ich wollte mir eh beim nächsten Umzug einen höhenverstellbaren holen, um auch mal zu stehen zwischendurch. Und einen tieferen. Das Problem löst sich dann von alleine.

Die gewohnte Umgewöhnung

Jetzt habe ich den Stuhl rund vier Wochen gesessen. Und gerne würde ich euch schreiben, dass ich wie auf Wolken schwebe und einen Rücken aus Stahl habe. Ist aber nicht so. Von zumindest Letzterem war ich auch gar nicht ausgegangen. Aber Ersteres hätte gern sein dürfen. Keine Bange, ich habe keine Schmerzen und sitze auch nicht ungern auf dem Stuhl – sonst würde ich das beim Verfassen dieser Zeilen nicht mehr tun. Aber noch immer verspüre ich fast durchgängig leichte Verspannungen, Anspannungen und Belastungen. Meine „sitze ich überhaupt richtig?“-Gedanken führen so weit, dass ich mir die Produktvideos, die es online gibt noch einmal en detail anschaue – wie sitzt der Typ denn da?

Hm, so sitze ich aber auch. Am ehesten hatte ich das Gefühl, richtig zu sitzen, wenn ich recht weit nach hinten ging und mich anlehnte. Aber durch die leichte Wölbung der Sitzoberfläche wurden die Beine zum einen recht breit auseinander gesetzt und die Oberschenkel wurden ein bisschen „abgedrückt“, was je nach Hose zu minimal unangenehmen Druck führte. Setze ich mich weiter nach vorne fühlt es sich angenehmer an, aber der Stuhl ist doch recht weit nach Vorn geneigt und der Rücken wird deutlich mehr beansprucht. Das ist glaube ich die „richtige“ Position, die ich nun auch meistens sitze – aber eben auch nicht immer und lange kann.

Das ist alles jetzt nicht wirklich schlimm, ich halte ja auch 8-12 Stunden am Tag durch. Aber es ist einfach mein ehrliches Empfinden aktuell. Vielleicht braucht mein untrainierter Skoliose-Rücken ja auch einfach vier Wochen zur Eingewöhnung, wer weiß. Vielleicht finde ich auch erst noch meine richtige Position (ich durchforste mal das aeris-Forum dazu). Aber eines steht fest: Tauschen möchte ich auch nicht. Setze ich mich jetzt auf meinen alten „Chefsessel“, fühlt sich dieser an wie ein mit einem leicht befüllten Lederkissen bedeckten Holzbrett. Starr und langweilig. Da ist der 3Dee schon ein Quantensprung für mich, absolut.

3Dee-Test_06

Fazit

Insgesamt fällt mein Fazit daher dennoch sehr positiv aus. Vom Design und Gesamtauftritt des 3Dee bin ich noch immer sehr positiv überrascht (in Natura noch besser als auf den Bildern, ehrlich) und das Sitzen ist an sich auch super. Minimale Abzüge gibt es eben noch für mich bzgl. der leichten körperlichen Beschwerden, die sehr lange brauchen, bis sie denn dann (hoffentlich) komplett abklingen. Vielleicht wäre hier tatsächlich noch ein „so sitzt du richtig“-Ratgeber in Bild- oder Videoform nützlich. Aber vermutlich muss ich eben einfach doch noch das ein oder andere Mal ins Schwimmbad gehen. Dann wird das schon!

Auf aeris.de findet ihr weitere Informationen zum 3Dee, aber auch zu den anderen Stühlen (sind auch deutlich günstigere Varianten dabei!). Auch auf Facebook und YouTube freuen sich die smarten Sitzer auf euren Besuch. Oder ihr schaut physisch vorbei bei einem der stationären Händler.

Ich wippe jetzt noch ein wenig auf und ab – das macht nämlich besonders viel Spaß. Vor allem, wenn die Freundin gerade während eines wichtigen Telefonats zu einem rüber schaut…

3Dee-Test_07

Mit freundlicher Unterstützung von aeris.

2 Kommentare

  1. Rafael says:

    Da bleib ich lieber bei meinem 10€ Petziball ;). Hab dasselbe Problem mit d. Rücken. Allerdings ist laut der Ärzte und Orthopäden mit denen ich bisher zu tun hatte, Schwimmen nicht optimal und teils kontraproduktiv. Brustschwimmen sagte man mir sei hier nicht hilfreich. Kraulen wäre zwar wirklich super, aber auch nur wenn es wirklich perfekt ausgeführt wird.. Laufen soll das beste Mittel sein oder alternativ auf’n Crosstrainer. Bin zuvor lange Zeit auch Schwimmen gegangen, hat nicht geholfen. Seit einem Jahr quäl ich mich jetzt regelmäßig zum Laufen und seitdem bin ich auch beschwerdefrei. Wenn du dich überwinden kannst, probier’s mal aus. 2-3x die Woche á mind. 30 Minuten.

    • Maik says:

      Ja, von Laufen als Möglichkeit habe ich auch schon gehört. Am Ende ist es natürlich immer eine Frage, worum es genau im Rücken geht, daher ist der Nutzen jedes Sports sicherlich bei jedem anders. Aber cool, dass du für dich eine Lösung gefunden hast. :)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



INSTAGRAM

Partner

amazon Partnerlink

seriesly AWESOME

QUIZmag

unruly

Newsletter

Hallo!

Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

Kontakt Blogroll Mediadaten sponsored Archiv RSS
Langeweile seit 3744 Tagen.