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Neue Kolumne von Junior-Bloggerin Livia

Gedanken einer 18-Jährigen: Pflichtjahr – Die CDU und ihre Jugendfeindlichkeit

Gedanken einer 18-Jährigen: Pflichtjahr - Die CDU und ihre Jugendfeindlichkeit Livia-Portrait-kolumne-2020

Eigentlich wollte ich für meine Kolumne hier bei Maik mal wieder über etwas Positives schreiben… Aber leider hat mich auch in diesem Monat ein Thema wieder besonders genervt. Nämlich diese unnötige politische Diskussion über ein Dienstpflichtjahr für Jugendliche. Ich weiß nicht, warum die CDU, besonders in Form der Bundesvorsitzenden Frau Kramp-Karrenbauer oder dem brandenburgischen CDU-Landesvorsitzenden Michael Stübgen, so geil darauf sind. Egal, ob man „Wehrpflicht“, „soziales Pflichtjahr“ oder wie man das Kind auch gerne tauft, ich sehe es als junger Mensch auf alle Fälle sehr kritisch und unnötig, besonders in der jetzigen Zeit. Es muss ein schönes Gefühl sein, wenn es sonst keine wichtigeren Themen bei uns gibt. Könnte man meinen, aber man merkt, dass jetzt schon der Wahlkampf für die nächste Bundestagswahl 2021 geführt wird.

CDU und Jugendfeindlichkeit

Man darf nicht vergessen, der Altersdurchschnitt der CDU-Mitglieder ist 59 Jahre und somit ist die Hauptwählergruppe der CDU natürlich auch diese Generation. Mit diesem Hintergrund kommt das Thema Dienstpflicht für diese Wählerschicht natürlich sehr gut an. Aber ich kann dazu nur warnen, denn das ist höchst jugendfeindlich. Wenn aber die CDU das Ziel hat, die letzten verbleibenden jungen Wähler auch noch zu vergraulen, dann sind sie so natürlich auf dem richtigen Weg.

Apropos Weg. Es führt auch keiner daran vorbei, dass sich die CDU zu einer jugendfeindlichen Partei entwickelt. Wenn ich das jetzt so schreibe, kommt mir das Thema immer schizophrener vor. Wie kann man jetzt nach dieser (noch anhaltenden) Corona-Krise mit dem wirtschaftlichen Desaster als Folge, mit diesem populistischen Thema um die Ecke kommen?

Alle Schüler(innen, die irgendwann mal aus der Schule kommen, wollen doch endlich ihr Leben so gestalten, wie sie es für richtig halten. Egal, ob studieren, eine Ausbildung beginnen oder einfach erst einmal Geld verdienen. Was übrigens auch gleichzeitig das Wichtigste für die Wirtschaft wäre. Es gibt tausende freie Ausbildungsplätze bei uns in Deutschland. Es wird händeringend Nachwuchs in allen Bereichen der Wirtschaft gesucht. Aber die CDU denkt sich wahrscheinlich, „was soll’s?“. Lasst die Jugend noch ein Jahr länger warten, einen Beruf zu erlernen. Oder vielleicht wäre es ja noch besser, wenn man das Dienstpflichtjahr direkt nach der Ausbildung macht. Damit der auszubildende Betrieb vom zukünftigen Mitarbeiter gar nichts hat.

Das sind genau diese Überlegungen, die mich an der Politik so nerven. Die CDU will einerseits die große Wirtschaftspartei sein und hat ja auch gerade dadurch ein riesiges Lobby-Problem in ihrer Partei und andererseits würden sie mit der Einführung eines Pflichtjahres Jugendliche ein Jahr für die Wirtschaft blockieren. Das passt einfach nicht zusammen. Aber anstatt, dass man sich wirklich Gedanken dazu macht, wie man Jugendliche tatsächlich gesellschaftlich fördern kann, ohne dass es einen Nachteil hat, hält man besonders in der CDU lieber an uralten Mustern fest.

Das Pflichtjahr

Bei dem Pflichtjahr geht es ja um zwei Dinge. Erstens um die Wiedereinführung der Wehrpflicht und zweitens um eine soziale und gesellschaftliche Förderung für junge Menschen. Es gäbe allerdings auch die Möglichkeit, es freiwillig zu machen.

Pflicht vs. Freiwilligkeit

Grundsätzlich finde ich ein freiwilliges Jahr in sozialen Bereichen oder in der Bundeswehr sehr positiv. Wenn man selbst entscheiden kann, ob man das machen will, ist das perfekt und sollte auch für alle eine Möglichkeit sein. Denn „Pflicht“ und „Freiwilligkeit“ stehen im absoluten Gegensatz zueinander, besonders im Punkt Motivation. Somit bringt für mich ein freiwilliges Jahr, egal in welchem Bereich, viel mehr. Dazu gehört aber auch, dass man das Angebot ausbaut und die jungen Menschen dazu besser finanziell fördert und es somit attraktiver macht.

Wehrpflicht

Der Grund für die Diskussion zur neuen Wehrpflicht ist ja nur, weil anscheinend Rechtsextremismus in der Bundeswehr sehr weit verbreitet sein soll. Sorry, das hat aber die Politik in Form der Regierung verbockt. Denn das ist der Job des Verteidigungsministeriums, dass so etwas in der Form nicht vorkommt und man sofort reagiert und nicht erst, wenn es zu spät ist. Wer ist aktuell gleich wieder die Verteidigungsministerin? Ach ja, Annegret Kramp-Karrenbauer. So ein Zufall aber auch!

Interessant ist aber auch, dass die neue Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, ausgerechnet von der SPD, die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht fordert. Die junge Generation soll es mal wieder richten. Junge Menschen verpflichtend ein Jahr in die Armee und schon haben wir kein Problem mehr mit dem Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Das nenne ich mal einen geschickten Plan!

Soziales Pflichtjahr

Die Diskussion über ein soziales Pflichtjahr für Jugendliche ist da schon etwas älter. Das wird ja schon seit längerer Zeit von der CDU und Frau Annegret Kramp-Karrenbauer (wie bekannt!) gefordert. Anscheinend hat man in der CDU große Bedenken, was die soziale Kompetenz in meiner Generation angeht. Wir jungen Menschen sind halt alle egoistische und gesellschaftlich unverträgliche Subjekte, die man erst einmal in einem Pflichtjahr für mehr gesellschaftlichem Engagement formen muss.

Frau Kramp-Karrenbauer hat ja schon irgendwo Recht. Wenn Massen an Schüler/innen und Student/innen jeden Freitag auf die Straße gehen und sogar die Schulpflicht verletzen, um gegen die Klimapolitik der Bundesregierung zu demonstrieren, dann muss man da mit aller Härte eingreifen. Ja, das war jetzt Sarkasmus, aber da fällt mir sonst nichts Besseres ein. Man fühlt sich einfach von der Politik nicht nur verarscht, sondern es ist auch beleidigend.

Man sollte zu dem Thema eher mal fragen, warum immer weniger Menschen in sozialen Berufen arbeiten wollen. Wenn die Corona-Krise etwas Positives gezeigt hat, dann war es die Bestätigung, wie wichtig diese Berufe sind und welchen Stellenwert sie in unserer Gesellschaft haben. Nämlich einen hohen. Die Bundesregierung hat es einfach auch hier wieder versäumt, diese Berufe attraktiver zu machen. Das fängt mit dem Gehalt an und hört mit einer hören Kapazität in den verschiedenen Anstalten wie Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindergärten auf. Also wieder haben die Regierungen der letzten Jahre versäumt, diese Missstände zu beheben. Aber dafür hat die CDU als Regierungspartei wieder einen genialen Plan für die Zukunft. Das soziale Pflichtjahr! Die junge Generation soll es wieder richten.

Soziale Schulpraktika

Tatsächlich muss ich aber eines zugeben. Eine Förderung von sozialer Intelligenz wäre absolut eine gute Sache. Wenn man es sich einfach machen will, dann fordert man einfach ein Pflichtjahr. Aber wie gesagt, hier sehe ich nur Nachteile für alle Beteiligten.

Aber für mich gäbe es noch eine andere Lösung. Warum werden an den Schulen keine sozialen Praktika angeboten? Egal ob in Mittel-, Realschule oder Gymnasium. Wenn man in den jeweils letzten zwei Jahren pädagogisch begleitende soziale Praktika anbieten würde, dann könnte man viel mehr erreichen. Und ich spreche hier aus Erfahrung. Denn auf meiner Fachoberschule gibt es jeweils zwei soziale Pflichtpraktika. Hier war ich zum Beispiel insgesamt ein halbes Jahr in einem Blindeninstitut für mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. In dieser Zeit habe ich für mein Leben mehr gelernt als sonst irgendwann. Denn es hatte zusätzlich den großen Vorteil, dass es pädagogisch begleitet wurde. Also, wir haben es nach dem Praktikum eine Woche in der Schule aufgearbeitet. Das bringt extrem viel. Mir hat es sehr viel gebracht.

Praktische soziale Bildung in unser Schulsystem zu integrieren ist natürlich eine Herausforderung. Aufgrund des Bildungsföderalismus ist es Ländersache und hier alle Bundesländer unter einen Hut zu bringen, ist sehr schwierig. Da wäre die Einführung eines sozialen Pflichtjahres natürlich einfacher. Wenn man es aber nicht als Stimmenfang für die nächsten Wahlen sehen will, sondern wirklich etwas für die junge Generation und somit für die gesamte Gesellschaft erreichen will, dann wäre es schön, wenn sich die Regierungen des Bundes und der Länder mal ernsthafte Gedanken machen würden.

Aber ehrlich gesagt traue ich es ihnen nicht zu. Die CDU ist einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt und kämpft einfach nur um das eigene Überleben und den Machterhalt. Somit ist für mich symbolisch die CDU Bundesvorsitzende, Frau Kramp-Karrenbauer an der Spitze, die „Zerstörerin“ der CDU als „Jugendpartei“. Denn für mich ist es bewiesen, dass die CDU niemals für die junge Generation ist, sondern dagegen. Was natürlich ihr gutes Recht ist. Aber dann darf man sich nicht wundern, wenn andere Parteien bei jungen Menschen bevorzugt werden.

Junior-Bloggerin Livia (Website) aus München ist trotz ihrer jungen Jahre bereits eine alte Häsin hier. Als Erste Kolumnisten ist sie bereits seit September 2015 hier aktiv und schreibt monatlich über gesellschaftliche Dinge aus der Sicht einer modernen Jugendlichen.

5 Kommentare

  1. Markus says:

    Die CDU/CSU, SPD und AfD liegen etwa gleich beim Durchschnittsalter ihrer Mitglieder. Linke bei 55, FDP 52 und Grüne bei 49. Somit sind nach deiner Logik diese Parteien Jugendfeindlich, oder die Grünen nur etwas weniger?
    Apropos Pflicht vs. Freiwilligkeit, möchtest du eigentlich die aktuellen Corona-Maßnahmen auch eher freiwillig umgesetzt sehen statt verpflichtend, besonders im Punkt Motivation?

    • NiCo says:

      Ich verstehe deinen Vergleich von Corona-Maßnahmen vs. Pflichtjahr nicht. Der Corona-Krams ist im Endeffekt da, um Menschenleben zu retten. Das ist mehr als sinnvoll. Ein Pflicht- / freiwilliges Jahr ist da eher diskutabel

    • Ok, also das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder bezeichne ich ja nicht als einzigen Grund, sondern einfach nur als realen Fakt. Parteien wie die Grünen, Linken oder auch die FDP halten von einer Dienstpflicht für Jugendliche genauso wenig wie ich. Das alles zusammen, ergibt das Ergebnis.
      Deinen Vergleich mit den Corona-Maßnahmen kann ich nicht ganz nachvollziehen, da das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Was ich persönlich zum Thema Corona halte, habe ich in meiner letzten Kolumne schon gezeigt. Aber ich weiß, dass nicht jeder was mit einer jungen selbstbewussten Generation anfangen kann.

    • Rumold says:

      Und da ist er wieder, unser heißgeliebter „Whataboutism-Markus“…
      Aber quatsch dich hier ruhig aus.
      Wir ahnen ja alle, welches Kalkül am Ende dahinter steckt…

  2. NiCo says:

    Vorbemerkung: Viele deiner Ansatzpunkte kann ich nachvollziehen, incl. nicht-wählen der CDU :) Aber trotzdem mal mein Senf dazu: Bzgl. Ausbildungsplätze hast du m.M. nach einen kleinen Denkfehler drin: Ein Pflichtjahr „blockiert“ nicht direkt die Jugendlichen, es verzögert „nur“.. Der „Gesamtfluss“ an Schulabgängern in die Wirtschaft bleibt aber ungefähr gleich ( Wenn die Jahrgänge ähnlich stark sind ). Nur im Einführungsjahr würdest du Probleme kriegen. Und aus eigener Erfahrung stimme ich dir zu, es bringt viel auf der persönlichen Ebene und macht einen reifer. Zur Wehrpflicht: Was die mit Rechtsextremismus zu tun hat, kapiere ich nicht. Wenn die BW Nazis toleriert, haben die ein grundlegendes Problem mit ihren Ausbildern und Führungskräften. Da hat ein einzelner Wehrdienstleistender, der nach 9 Monaten wieder weg ist, recht wenig mit zu tun ( Es sei denn, er ist son Brauner ). Das haben also schon die Vorgänger(-innen) von AKK vergeigt.
    Wo ich dir aber definitiv zustimme, ist deine Kritik an den Umständen in den Berufen. Unterbezahlt ect. Da „helfen“ billige FSJ´ler natürlich. Hab ich selber miterlebt. Minimaler Stundenlohn bei gleicher Verantwortung. Das gleiche System mit vernüftig bezahlten Hauptamtlichen wäre deutlich teurer.

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