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Neue Kolumne von Junior-Bloggerin Livia

Gedanken einer 17-Jährigen: Mein Praktikum im Blinden- und Behinderteninstitut

Gedanken einer 17-Jährigen: Mein Praktikum im Blinden- und Behinderteninstitut gedanken-einer-15-jaehrigen-livia-2017

Wie ich in meiner letzten Kolumne geschrieben habe, gehe ich auf eine soziale FOS, in der ich mehrwöchige Praktika in verschiedenen sozialen Einrichtungen mache. Und diese Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, waren sehr prägend und deshalb möchte ich darüber berichten.

Das Münchner Blindeninstitut begleitet blinde und sehbehinderte Menschen durch das Leben. Viele dieser Menschen sind zusätzlich auch mehrfachbehindert und haben einen komplexen Unterstützungsbedarf. Dort gibt es viele Gruppen für verschiedene Altersklassen und Behinderungen. Die Tagesstätte, bei der ich mein Praktikum gemacht habe, heißt „die Schlümpfe“ und ist für Kinder von 11-17 Jahren.

Als Praktikantin durfte ich mich drei Wochen lang mit der Arbeit im Blindeninstitut auseinandersetzen. Vom ersten Tag an hatte ich einerseits sehr unterschiedliche und auf der anderen Seite auch immer wiederkehrende Aufgaben zu bewältigen, da dies für eine regelmäßige Struktur der Kinder notwendig ist. So überwachte ich die Kinder während der Essenszeiten, da es durch motorische Behinderungen einiger Kinder beim Benutzen von Besteck oftmals zu Schwierigkeiten kommt. Was mich oft ein bisschen traurig gemacht hat, war, wie krass die armen Kinder auf Hilfe angewiesen sind. Außerdem spielte ich mit den Kindern besondere, pädagogisch wertvolle Farb- und Tastspiele und ich beschäftigte mich individuell mit den Kindern, um ein passendes Angebot für jedes Kind zu finden. Dies können Massagen oder bestimmte Feinmotorik-Übungsspiele sein. Außerdem war ich jeden Freitag mit einem vollblinden Kind im Chor. Musik ist auch ein Mittel, sich zu verständigen und hat auf fast jedes Kind eine positive Wirkung. Was auch in meinem Fall so war. Musik zauberte oft ein Lächeln in das Gesicht der Kleinen. Oftmals haben die Kinder auch an kleinen Dingen Freude: Sie lieben es, einfach durch das Gebäude zu spazieren oder mit dem Rollstuhl zu fahren. Auch ein kleines Lob kann oft schon Wunder wirken. Die Zeit dort hat nicht nur meinen Horizont erweitert, ich bin auch mit vielen Erfahrungen gegangen, da ich vorher mich noch nie mit behinderten Kindern beschäftigt hatte.

Diese drei Wochen im Institut haben mir sehr gut gefallen, da ich sofort in das Geschehen und den Tagesablauf miteinbezogen wurde. Der Empfang war herzlich und mir waren alle auf Anhieb sehr sympathisch. Mir wurde gleich am ersten Tag das ganze Gebäude gezeigt und auch die Vorgänge, die die Kinder betreffen, erklärt. Ab dem zweiten Tag hatte ich schon das Gefühl, zum Team zu gehören. Ich fand es persönlich auch sehr schön, dass ich bestimmte Aufgaben selbstständig übernehmen und regelmäßig durchführen durfte, wie z.B. das Morgenritual. Ich habe mich sicher und auch wohl damit gefühlt. Ich kannte mich mit der Zeit sehr gut im Gebäude aus und konnte mehr und mehr selbstständige Aufgaben übernehmen.

Die Arbeitsatmosphäre war positiv und alle sind respektvoll miteinander umgegangen. Wenn man mit etwas nicht einverstanden war, konnte man das sofort sagen und es wurde gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Dabei habe ich auch vieles über den Umgang mit Mitarbeitern gelernt. Ich fand auch sehr gut, dass es alle zwei Wochen ein Mitarbeitergespräch gab, bei dem Probleme aber auch Erfolge besprochen wurden.

Außerdem habe ich vieles über Menschen mit Behinderung erfahren und selbst einige ernste Situationen erlebt. An meinem ersten Tag erlitt ein geistig behindertes Kind einen Anfall, was mich emotional sehr berührt und natürlich auch traurig gemacht hat. Aber im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich selber für die Kinder stark sein muss, um ihnen helfen zu können. Ich habe auch gelernt, wie man richtig mit blinden Menschen umgeht. Zu diesem Zweck hatte ich die Gelegenheit, einen Selbsttest mitzumachen, der die Mitwirkenden in die Situation eines blinden Menschen versetzt.

Vor meinem Praktikum hatte ich schon etwas Angst, der Verantwortung vielleicht nicht gewachsen zu sein, da ich vorher noch keine Erfahrungen mit blinden oder behinderten Menschen gemacht hatte. Doch durch die gute Einarbeitung und die freundliche Atmosphäre war mein Bangen völlig überflüssig. Jeden Tag freute ich mich auf neue Aufgaben und auf die Kinder. Deswegen kann ich jedem auch ein soziales Praktikum empfehlen, vor allem in Bereichen, bei denen man sich noch nicht auskennt und viel Respekt davor hat. Ich finde, man kann was fürs Leben lernen und man macht auch mehr im Alltag die Augen auf und schaut auf seine Mitmenschen. Dieses Gefühl von Zusammenhalt habe ich dort extrem gespürt und hat mir auch sehr gefallen.

Ich für mich denke, dass soziale Praktika einen absoluten Mehrwert für mein Leben haben. Natürlich war das für mich als jungen Menschen gerade auch für die Psyche nicht einfach aber trotzdem freue ich mich schon auf die nächsten drei Wochen Praktikum, weil ich als Mensch sehr viel an positiver Erfahrung gewonnen habe und selten so viel an positiver Energie gespürt habe.

Junior-Bloggerin Livia (Website) aus München ist trotz ihrer jungen Jahre bereits eine alte Häsin hier. Als Erste Kolumnisten ist sie bereits seit September 2015 hier aktiv und schreibt monatlich über gesellschaftliche Dinge aus der Sicht einer modernen Jugendlichen.

3 Kommentare

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