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Review: DARK – Staffel 1

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Maik - 01.01.18 - 18:05
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Seit 1. Dezember ist DARK auf Netflix verfügbar. Die erste deutschsprachige Produktion des Streaminganbieters hat sich binnen kürzester Zeit zum bisher erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Format hochgestreamt – und dabei die hochbesetzte „You Are Wanted“-Produktion der Konkurrenz locker links liegen lassen. Sorry, Amazon – aber Story und Qualität obsiegt dann doch.

Mysteriöse Neugier

Ich hatte vorab die schicken Teaser gesehen, aber so wirklich groß war mein Drang eigentlich nicht, DARK zu schauen. Im Zuge der post-weihnachtlichen Zugfahrt habe ich dann aber doch angefangen – und binnen zwei Tagen alle zehn Episoden geschaut. Das zeigt bereits, wie gut die Macher es verstanden haben, das Interesse der Zuschauerschaft nicht nur zu wecken, sondern in appetitanregenden Portionen stets wohlgenährt zu halten.

„Warum haben wir eigentlich alle Geheimnisse voreinander?“ – „Manche Sachen will man eben für sich behalten.“ (Martha & Magnus)

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Dabei spielt das Thema Zeitreisen natürlich in die Karten. Nicht nur für die Figuren der Serie, sondern auch uns Zuschauer entfalten sich nach und nach etliche Zusammenhänge und Ebenen der Erzählung, die beginnend mit einigen Mystery-Elementen bis zu Offenbarungen dramatischer Natur viele Überraschungen zu bieten hat.

Audiovisuell Schön

Fernab der komplexen und mit viel Bedacht und Sorgfalt fürs Detail (so geht das, Amazon…) erzählten Geschichte gilt es natürlich auch deren Inszenierung zu betrachten. Und die fällt größtenteils ungemein positiv aus. Die Bildsprache ist auf modernstem Niveau, weiß auch zwischen nahestehenden Personen gekonnt mit der Tiefenschärfe zu spielen, traut sich weite Aufnahmen und lange Dialog-Sequenzen zu bringen. Allgemein sieht es vor allem in der angebotenen 4K-Variante schon verdammt gut aus und der Schnitt überrascht immer wieder mit zwar wenig spektakulären aber eben passenden Perspektivwechseln. Hier und da ist der Anflug von CGI noch deutlich erkennbar, aber das ist verschmerzbar.

Die Inszenierung der unterschiedlichen Zeiten hat mich auch überzeugt. Klar war das stereotypisch und auf kleinem Raum ausgespielt, aber zumindest den 80er Part kann ich als 86 Geborener (yeah!) als durchaus authentisch einstufen. Zumindest hat man es stets hinbekommen, anhand visueller Anker deutlich zu machen, in welcher Epoche wir uns gerade befinden.

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Auch die Tonabteilung hat einen guten Job gemacht. Die Musikauswahl ist richtig gut, einzig der Soundtrack wirkte auf mich teils zu „drüberdramatisch“. Da wurde einem vereinzelt mit dem Holzhammer eingetrichtert, dass der Moment jetzt doch bitte dramatisch zu sein hat. Da ist manchmal weniger mehr.

Hauptdarsteller Zeit

Dieses „weniger“ gibt es tatsächlich beim Cast zu sehen. Dort sind zunächst keine wirklich großen Namen der deutschen Schauspielgarde zu sehen. Vielleicht auch, weil die Serie selbst eigentlich keine wirklichen Hauptfiguren oder Protagonisten hat, eher etliche Nebendarsteller, die alle ihre Rollen spielen – wie Zahnräder im Uhrwerk. Denn der wirkliche Star, der zentrale Spieler der Serie, ist die Zeit selbst.

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Und so beginnt sehr schnell das unterhaltsame Ratespiel, welches junge Abbild welchem alten Abbild entspricht. Da bringt man gerne auch später noch Leute durcheinander, aber größtenteils funktioniert das erstaunlich gut. Dabei muss man auch das sehr gute Casting loben. Nicht nur, weil der Großteil der Darsteller überaus überzeugend agiert (international wird gar empfohlen, sich die deutsche Tonspur anzuhören), sondern weil die Generationen-Paare zumeist sehr passend ausgewählt wurden. Nicht bei allen passt es so perfekt wie bei Ulrich, Helge oder Jonas, aber wie sehr auf Statur und Gesichtsproportionen geachtet wurde, ist vorbildlich. Nur das Blinzeln hat der Senior-Jonas im Zuge der 33 Jahre irgendwie abgeändert…

Dass das Thema Zeit(reisen) nicht plump und unbedacht rüber kommt, droht nie der Fall zu sein. Im Gegenteil: Ohne übereifrig zu wirken werden immer wieder philosophische Ansätze zur Thematik eingestreut und gekonnt mit gezeigten Handlungspassagen verwoben. Auch als Nicht-Physiker oder -Theoretiker kann man den Gedankengängen folgen und an der Faszination Zeit teilhaben. Das wirkt stets fundiert und wohlrecherchiert.

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Kleine Fehler

Keine Bange, das soll keine ultimative Lobhudelei werden – auch DARK ist nicht perfekt. Das überschaubare Setting der Kleinstadt Winden (die fiktiv ist, bzw. analog zum Simpsons’schen Springfield mehrere Male in Deutschland vorkommt) bietet die idealen Voraussetzungen für ein Zeitkammerspiel. Dass quasi jeder jeden kennt hilft die „alles ist verbunden“-Spielerei aufrecht zu erhalten. Dass dort kaum Leute das Kaff verlassen oder hinzukommen, ist auch nicht sonderlich unnormal. Auch die Basis-Bausteine der Handlung sind mit Kernkraftwerk und Höhlen für mich durchaus passend gewählt und funktionieren. Man merkt einfach, dass die Macher ihre Hausaufgaben gemacht und für (nahezu) alles eine Erklärung samt Herleitung bereithalten. Und doch kann man so zwar alles erklären, wirklich sinnvoll wird es dadurch aber nicht jedes Mal.

So haben mich zwischenzeitliche Anhäufungen von Zufällen (wie zum Beispiel gewisse Vergangenheitsbegegnungen) aus der Serie in die Wirklichkeit zurückgezogen. Auch konnte man so einige „Offenbarungen“ bereits deutlich vor dem eigentlichen „Aha!“-Moment für Figuren (und Zuschauer?) mindestens erahnt werden. Und dass man im Jahr 2019 keine DNA-Tests bei unkenntlichen Leichenfunden macht, wirkt auch zumindest mal seltsam. Da so kleine Momente wie das Zeigen eines alten Klassenfotos schöne dramaturgische Effekte mitbringen, übersehe ich einfach mal, dass so verdammt viele Figuren in der Serie stets alte Dinge zu übersehen scheinen. Oder wissen sie einfach alle nur mehr, als sie preisgeben wollen?

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Insgesamt war das schon verdammt gutes Fernsehen – und deutlich besser, als ich gedacht habe und hätte hoffen können. DARK hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen und dann auf hohem Niveau nahezu durchgängig überzeugen können. Die Staffel wirkte durchdacht erzählt, hat mit vielen Entwicklungen und Überraschungen aufwarten können und das Thema Zeitreisen auf originelle wie funktionierende Art und Weise erzählt. Dass ich stets gedacht habe „hoffentlich können die das qualitativ und erzählerisch aufrechterhalten!“ dürfte bereits ein Lob darstellen, dass sie letztlich nicht enttäuscht sondern gar den Großteil gekonnt im Staffelfinale zusammengeführt / aufgelöst haben, gibt gar den Adelsschlag. Das war tatsächlich richtig gutes deutsches Fernsehen. Ja, ich habe es gesagt. Und aufgrund dieser positiven Überraschung und dem Staffel 1-Welpenschutz gibt es bei meiner Überlegung zwischen 4 und 4,5 Kronen die obere Variante.

Und schau an: Ich habe kein einziges Mal „Für eine deutsche Produktion…“ geschrieben – darauf ein Raider!

Was bringt die Zukunft?

Eine zweite Staffel wurde bereits offiziell bestätigt. Meine zunächst notierte Frage, ob wir denn auch das Jahr 2052 zu sehen bekommen werden, hat sich im Finale ja bereits erledigt. Spannend dürfte sein, wie viel wir dann (fernab von einem Drohnencopter und einem winterlicheren Wald) erhalten werden. Aber vor allem die angesprochenen Ereignisse für Jonas, die Strippenzieherei von Claudia und eine mögliche Offenlegung, ob Noah nun ein Guter oder Schlechter ist, dürften ordentlich Material liefern. Hoffentlich können die das qualitativ und erzählerisch aufrechterhalten.

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Bilder: Netflix

6 Kommentare

  1. Michael Braun says:

    Hmm, ‚verdammt gutes Fernsehen‘ habe ich hier leider nicht gesehen. Das war OK gemacht, aber sicher kein Highlight. Dafür hatte es zu oft maximal Fernsehfilm-Format, teilweise unauthentische Dialoge und leider auch ein wirklich schlechtes Sounddesign. Zudem wird auch recht schnell klar, in welche Richtung es geht. Überraschungen waren da Mangelware. Naja, mal sehen, was Staffel 2 bringt.

    • Maik says:

      Natürlich war das nicht die beste Serie der Welt und gerade die Ton-Probleme habe ich ja angedeutet. Wie würdest du DARK denn im Vergleich zu „You Are Wanted“? setzen? Dass du alleine bereit bist, die zweite Staffel auch zu schauen, zeugt ja zumindest davon, dass du nun nicht ganz abgeneigt bist. :)

    • Michael says:

      JA, weiterschauen auf jeden Fall. Die Zeit-Thematik ist ja ganz spannend. Hätte vermutlich 3,5 Kronen gegeben, oder was hast Du hier – Sterne? Auf jeden Fall nicht die 4,5 Kronen drüben.

    • Maik says:

      Ja, 4,5 Whatever sind zu viel, da bin ich bei dir. Hatte ich auch eigentlich nur in ersten Entwurf, da war wohl noch der „für eine deutsche Produktion…“-Referenzgedanken im Kopf. Denke, mit 3,5-4 kann man gut leben.

  2. Heinrich says:

    Danke für die Empfehlung. Jetzt habe ich mir die auch mal angesehen. Ich fand die Serie richtig gut. Das Tempo in dem Fragen gelöst und neue gestellt wurden war super und auch wenn objektiv gesehen, der Soundtrack ein bisschen überdramatisch sein mag, so muss ich subjektiv sagen, dass es eben doch auch genau die düstere, teils dramatische Atmosphäre war, die mich neben der Handlung sehr begeistert hat.

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Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

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