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Neue Kolumne von Owley

Weltmeisterlich

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Vor ein paar Wochen war ich mit einem Freund auf Reisen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, natürlich – wie es sich gehört für einen Schweizer. Es war ein überraschend heisser Frühlingstag und so beschlossen wir, uns vor dem Antritt der Reise im Supermarkt noch etwas zu Trinken zu kaufen. Als ich am Abend wieder auf dem Heimweg war, bemerkte ich, dass ich noch immer die leere Plastikflasche bei mir hatte.

Es war nicht so, dass ich die Flasche unbedingt behalten wollte. Ich hatte schlichtweg noch keine Gelegenheit, sie fachgerecht zu entsorgen. Denn jeder rechte Schweizer weiss, dass leere PET-Flaschen nicht einfach in den Abfalleimer gehören. Der Müll wird sauber getrennt, bei uns hat alles seine Ordnung. Und so habe ich – mehr oder weniger unbewusst – einen ganzen Tag lang eine blöde Plastikflasche mit mir herumgetragen, weil ich sie vorbildlich entsorgen wollte.

Und ich scheine mit diesem Drang zur Abfallordnung nicht allein zu sein – in der Schweiz funktioniert das Recycling so gut wie kaum sonst wo in der Welt. 80 Prozent der Plastikflaschen werden richtig entsorgt, bei den Glasflaschen sogar 90 Prozent. Und darauf sind wir entsprechend stolz, schliesslich können wir unsere Defizite in anderen Bereichen – Fussball, zum Beispiel – mit dem uns selbst verliehenen „Weltmeistertitel im Recycling“ kompensieren. (Mal ganz abgesehen davon, dass es aufgrund unterschiedlicher Massstäbe gar nicht einmal ganz so klar ist, ob die Schweizer wirklich die Besten sind und sich niemand wirklich die Mühe machen will, das ein für allemal zu entscheiden, weil sich im Grunde ja alle einig sind, dass es wichtigere Dinge gibt auf der Welt, als herauszufinden, wer am Besten Aludosen und Bierflaschen entsorgt.)

Aber eigentlich erstaunt es nicht wirklich, dass die Nation der Kafirahmdeckelisammler (Kaffeesahne-Deckel) und Hobby-Philatelisten auch im Sammeln von Abfall vorne mitmischt. Ist ja eigentlich nur konsequent. Dass man den Müll trennt und seinen Abfall sauber entsorgt, das ist hierzulande selbstverständlich. Entsprechend irritiert war – und bin – ich vom Pfand-Konzept, das im Ausland vorherrscht. Die Vorstellung PET-Flaschen und anderen Abfall nur zurückzubringen, weil man noch Geld zurückbekommt, ist für mich als Schweizer ungewöhnlich.

Aber vermutlich nicht weniger ungewöhnlich, als die Tatsache, dass jemand einen ganzen Tag lang eine leere Plastikflasche mit sich herumtragen würde, um sie dann anschliessend sauber zu entsorgen.

Der Zürcher Künstler Owley Samter (Website) schreibt und illustriert in seiner Kolumne über die Unterschiede und Vorurteile zwischen der Schweiz und Deutschland.

3 Kommentare

  1. Chris says:

    Naja… Ich wohne jetzt als Deutscher seit 6 Jahren in der Schweiz, und ich finde es nach wie vor befremdlich, dass es so viele Einweg-Bierflaschen gibt, die jedes Mal wieder eingeschmolzen werden müssen, ebenso wie dass es keinen „gelben Sack“ gibt. Der gelbe Sack in D ist für fast jede Form von Verpackung, welcher in der Schweiz in den normalen „Kericht“ kommt…
    Ich denke die Schweizer sind auch Weltmeister mit ihren KVA (Kerichtverbrennunsanlagen).
    Ist trotzdem Jammern auf hohem Niveau, ich gebe Dir recht, die Schweizer sind sehr diszipliniert was die Mülltrennung angeht, aber es gibt leider auch sehr viel Littering…

    • Owley says:

      Vielleicht ganz blöde Frage, aber was wäre denn die (im grossen Stil durchführbare) Alternative? Bzw. sind Mehrwegflaschen in D so verbreitet?

    • Max says:

      Wenn eine ultimativ bessere Variante bekannt wäre, würde sie wohl umgesetzt werden (können). Aber ja, es darf in D keine Getränke Flasche, die ein Kohlensäure haltiges Getränk enthält, ohne Pfand verkauft werden. Ansich nicht unbedingt falsch, die Faulheit vieler ernährt quasi auch viele Obdachlose, die dann die Flaschen zurückgeben, aber insgesamt trotzdem noch lange nicht das Gelbe vom Ei.
      Vor allem werden seit einiger Zeit wieder viele Getränke Dosen produziert, obwohl das definitiv die schädlichste Verpackungsart für die Natur ist. Schon vom Energieaufwand und der Alumenge her. Also auch noch lange kein Königsweg.

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