Rezension: Kraftklub – Mit K

Kraftklub - Mit KTitel: Mit K

Artist: Kraftklub
(Facebook-Seite)

Release: 20.01.2012

Genre: Indie-Hip Rock

Label: Vertigo Berlin (Universal)

Urteil: 4,0 von 5,0 Sternen

Kurzum:
“Kraft zu dem Klub!”


 

Tracklist:

1 Eure Mädchen 2:54
2 Ritalin / Medikinet 3:23
3 Ich will nicht nach Berlin 3:22
4 Liebe 3:11
5 Melancholie 3:00
6 Karl-Marx-Stadt 3:14
7 Songs für Liam 3:16
8 Kein Liebeslied 4:18
9 Lieblingsband (Oh Yeah) 3:00
10 Mein Leben 3:55
11 Scheissindiedisko 3:14
12 Zu Jung 3:07
13 Wieder Winter 4:05
Gesamtlaufzeit: 44:06

 

Mit jeder Menge Kraft haben sie bereits lange vor dem (endlich erfolgten!) Release ihrer Debutplatte Mit K die Klubs gerockt. Jetzt gibt es das Album also endlich zu kaufen und bringt uns einen wunderbar schroffen Sound, der genau da ist, wo Madsen nach Außen hin schon immer sein wollte: Anti, rau und energetisch.

Aber im Einzelnen: Der Opener Eure Mädchen kommt mit kurzem Intro daher und zeigt sofort, wo es lang geht. Und was Kraftklub ausmacht: „Wir sind nicht kredibil – wir machen Popmusik. Wir sind nicht wie die anderen Jungs – doch eure Mädchen tanzen mit uns“. Das Anderssein als Motto und Selbstironie als Schema. Dazu Haudrauf-Riffs am laufenden Band. So kann’s weiter gehen. Ritalin kommt mit vorerst schwerfälligen Tönen daher, ehe ein Bruch in die eigentliche Melodie erfolgt. Hier möge man beim ersten Hören noch meinen: „klingt doch wie der erste Song?“. Und ja, Sound, Setup, Songstruktur und sogar Tracklänge sind über die gesamte Platte verteilt enorm gleich. Eine Kleinigkeit, die sich das Quartett vielleicht vorwerfen kann. Positiv gesehen: Magst du einen Song, könntest du alle mögen. Wobei Ritalin wohl eher zu den schwächeren gehört (aber, psst!).

Die Übersingle Ich will nicht nach Berlin muss ich euch sicherlich nicht weiter vorstellen (hatte ich ja bereits hier). Wunderbare Berlin-Gesellschafts-kritische Lyrics, die einfach zu verdammt wahr und auf den Punkt sind. Dazu eingängiger Sound – starkes Stück! („Business-technisch hab‘ ich mich da noch nicht ganz festgelegt…“). Der folgende Track Liebe geht einen minimal ruhigeren Weg und sticht vor allem textlich heraus. In maximalst ironischer Manier wird eine gescheiterte Beziehung verarbeitet. All die liebesverrückten Dinge, die man tut um dem anderen so nah wie irgend möglich zu sein – all das tun wir natürlich nicht. Und letztlich ist es dann doch das, was die Liebe ausmacht.

Kraftklub

Mit „Die Bäume strippen wieder“ läutet Melancholie die traurige Herbstzeit ein und gibt ein Votum für sich selbst. Denn ohne „traurig“ erhält „glücklich“ keine Bedeutung mehr. Eine Hymne für all die Einsamen da draußen. Und spätestens wenn sie die mitreißende Hook hören, sind sie wieder lebendig. Und dann schafft Kraftklub das Unglaubliche: Mit ein paar intensiven Takten (und einer Anlehnung an Beck’s Loser) schaffen sie es, die ganze Nation im Herzen aus der Karl-Marx-Stadt kommen zu wollen. Somit dürfte Chemnitz nun weitaus mehr als nur 243.248 Einwohner zu haben. Inbrünstig schreit es jeder in Gedanken mit, wenn der Refrain eintritt. Spätestens beim zweiten Durchlauf, versprochen!

Track 7 hört auf den Namen Songs für Liam und macht sich schon Freunde, indem es nebenbei mal ordentlich die Unterhaltungsindustrie zusammen disst. Da werden die neuen Folgen Scrubs auf eine negative Stufe mit Mario Barth gestellt und den Black Eyed Peas das Gütesiegel „Musik“ abgesprochen. DieLösung: ein Kuss. „Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger Scheiße!“. Wenn es nur so einfach wäre… Schönes Detail: Die Freunde, die in Ich will nicht nach Berlin noch alle in die Hauptstadt gezogen sind, würden nach dem Kuss alle wieder zurück kommen. Hach, wie romantisch! Erneut mitreißender Refrain und einfach nur Leben. Ein Unikat stellt Kein Liebslied dar, das genau wie Liebe eigentlich dann doch eines ist. Wunderbarer Text, der das ausdrückt, was alle ausdrücken können: Dass sie sich nicht ausdrücken können. Das direkte Herumgerede, die Analyse der kleinen Details und doch letztlich kein unnötiges Geseier. Denn sie „sind ja nicht The Cure“ und Morissey hat eh schon alles gesagt. Und doch steckt jede Menge Gefühl drin, denn endlich wird mal ein Gang runter geschaltet und durchgeatmet. Das hat Atmosphäre.

Und dann sagen sie es knallhart direkt in dein Gesicht: Kraftklub ist „deine neue Lieblingsband“. Und sogar die Lieblingsband deiner Lieblingsband (wie selbstverliebt). Einige Leute werden sich da definitiv angesprochen fühlen. Auch wenn „Sex auf Deutsch“ schon eine sehr aus dem Fenster lehnende Behauptung ist. Letztlich steckt aber auch in diesem Song musikalisch so viel Dreck und Direktheit, dass man ihn einfach lieben und dazu abgehen muss. Schon alleine die sonst selten eingesetzte Erhöhung der Stimmfarbe Brummer’s („Flei-heisch“ / „Vy-hybes“) macht den Song besonders. Sicherlich einer der besten auf der Scheibe.
Mein Leben kommt mit mystischen Intro-Klängen daher. Nachdem das Ufo uns abgeholt hat, fängt es schon fast gewohnt an. Strophentechnisch auf musikalischer Ebene eher unauffällig, tritt einem im Refrain eine (von der Bloodhound Gang?) bekannte Bassline ins Gehör. Sicherlich ungewollt. Schon fast zu popig könnte man meinen. Aber vorhin habe ich ja noch gemeckert, dass alles gleich klingt, also will ich mal nicht so.

In den Diskos gespielt werden dürfte das folgende Scheissindiedisko. Ketzerei gegen Indiemusik oder Diskos? Ein bisschen von Beidem. Letztlich Musik mit vermitteltem Bewegungsdrang. Und zwischendrin gibt es doch tatsächlich mal einen sonst seltenen kleinen Break. Mehr davon, damit der Rest noch besser reintritt! Und dann sind wir alle Zu Jung, die erste Single der Chemnitzer, die ihr sicherlich auch alle kennt. Eindrucksvoller Songaufbau und Refrain, erneut gepaart mit jeder Menge Wahrheit in den Lyrics. Großartiger Song.

Das abschließende Wieder Winter wirkt ein wenig wehmütig. In den Strophen fast nachdenklich traut man sich im Refrain nicht mehr, die ganz großen Geschütze rauszuholen. Das muss aber auch gar nicht. Auch wenn der Track sicherlich nicht zu den stärksten gehört, macht er seinen Job okay. Eine Dreiviertelstunde abrunden und uns geflasht zurücklassen.

Urteil: 4,0 von 5,0 Sternen

Ihr merkt schon, die Rezension hat sich dann doch eher auf die inhaltlichen Merkmale bezogen. Letztlich klingt doch vieles ähnlich und die Melodien sind auch keine musikalische Offenbarung. Dennoch steckt da grundsolide, absolut ehrliche Musik hinter, die eben den Text in den Vordergrund setzt (wenn man nicht gerade pogen muss). Verpackt in vermeindlicher Ironie und starkem Übertreiben findet sich doch jede Menge gut beobachteter gesellschaftlicher Wahrheit in den Texten. Das alles zu uns gebracht durch die unverwechselbare Stimme/Art von Sänger Felix Brummer.

Am Ende wurden es 4 von 5 Sternen, weil Kraftklub nunmal einfach eine absolut erfrischende Neuerscheinung ist. Geradeaus liefert es uns die Elemente, die wir mögen und gibt es sich verdammt ehrlich, ironisch und intelligent. Wenn da jetzt noch etwas musikalische Abwechslung und Qualität dazu kommt, wird die nächste Platte etwas Großes. Solange sie ihrer Linie treu bleiben und nicht verweichen. Denn letztlich passt die Mischung: Gute Musik aus dem Indie-Rock und intelligente Texte aus dem Hip Hop – das ist gut. Das ist Kraftklub. YEAH!

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