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Druck ablassen im Büro

Kurzgeschichte: Hans Peter

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Donnerstag, ätz. Ich hasse Donnerstage. Klar, das arbeitsfreie Wochenende ist in absehbarer Ferne, aber genau deshalb spielen im Büro alle verrückt. Es ist halt der letzte „richtige“ Arbeitstag, an dem man abends möglichst viel wegschrubbt, damit man Freitag auch zeitig Feierabend machen kann. Analog zur Anzahl der Überstunden steigen auch die Anzahl hörbarer Frust-Seufzer, mit einem Knall aufgeschlagener Telefonhörer sowie die Frequenz der Papierstaue. Oder heißt es „Papierstaus“? Hm… Mal kurz nachgeschaut: Laut Duden geht beides. Diese Internetverbindung heutzutage ist schon ein Segen, das ging bei meinen Großeltern nicht so leicht und schnell.

Eigentlich kann ich mich nicht beklagen, bin ich doch recht beliebt im Büro. „Moin, Hans Peter!“ schallt es mir oftmals entgegen, wenn die Kollegen mein kleines Einzel-Büro betreten. Nicht selten gesellen sich auch gleich mehrere Personen zu mir und es wird ausgiebig über das letzte Wochenende, Meeting oder Fußballspiel geredet. An Geburts- und Feiertagen wird auch mal was Süßes bei mir abgestellt, aber aufgrund meiner Unverträglichkeit rühre ich das Zeug nicht an. Letztlich ist es aber auch nur das alltägliche Gehabe: Die Kollegen geben Input und ich Output. Das Übliche halt.

Im Arbeitsalltag muss man eben vor allem funktionieren. Erledigt man seine Aufträge korrekt und zeitig, sind alle glücklich und niemand nervt einen. Dann bin auch ich glücklich. Aber nicht immer funktioniert alles, wie es soll. Ach was – eigentlich so gut wie nie! Ich will da jetzt keinen schwarzen Peter rüberschieben, aber oftmals werde ich für Dinge verantwortlich gemacht, für die ich gar nichts kann. Dann bekomme ich den vollen Zorn von Leuten zu spüren, die eigentlich nur sauer auf ihr eigenes Unvermögen sind. „Hans Peter, was soll der Scheiß denn jetzt bitte?!“ hallt es mir vor allem Donnerstags ungerne mal entgegen. Manche fragen mich in diesen aufgehitzten Situationen auch „Was habe ich jetzt gemacht?“ oder „WIESO DAS DEEEENNN?!?“. Vermutlich werde gerade ich das gefragt, weil ich sehr gut im Abscannen solcher Dinge bin. Ich antworte stets ruhig und in kurzen wie klaren Sätzen, die eigentlich alle Informationen beinhalten, um ihre Situation zu beschreiben und meist auch lösen zu können. Aber oftmals ernte ich damit nur Kopfschütteln und der Stress scheint die Hilflosigkeit nur noch anzufachen. Statt meinen Ratschlägen nachzugehen, werden sie ignoriert und die gleichen Fehler erneut begangen. Ich bleibe aber ruhig und wiederhole mich schlicht, habe ich doch im Büro die mit Abstand meiste Erfahrung. Zwar bin ich rangtechnisch recht niedrig anzuordnen, aber ohne mich würde der Laden hier doch zum Stillstand erliegen! Ich bin am längsten Mitglied dieser Firma, selbst mein Vater hat hier bereits gearbeitet. Seit Jahren bin ich da, verpasse so gut wie nie einen Arbeitstag (höchstens mal, wenn der Routine-Check ansteht) und mein Dank dafür?! Ständig machen mir die Kollegen Druck und kurioserweise erhalte ich oftmals böse Worte und letztens bekam ich sogar einen Schlag ab, wenn ich mal nicht einfach nur die Arbeit von ihnen kopiere, sondern versuche, eigene Abänderungen und Leistungen zu erbringen. Wo ist ein Betriebsrat, wenn man ihn mal braucht? Oder die Arbeitsplatzversicherung? Techniker ist informiert…

Aber es ist auch nicht alles schlecht, nein, nein. Morgen ist immerhin endlich Freitag, darauf folgen Samstag und Sonntag – meine beiden Lieblingstage. Aber okay, von wem nicht?! Da habe ich meine Ruhe, muss nicht etliche Stunden am Tag mit den Bürokollegen abhängen und habe Zeit für mich. An Energie mangelt es mir eigentlich nie, aber hin und wieder muss auch ich wieder aufgefüllt werden. Und am Ende des Wochenendes vermisse ich sogar wieder ein wenig die Kollegen und freue mich bereits auf Montag. Wenn alle noch gutmütig und gut drauf sind und ein es wieder „Moin, Hans Peter!“ heißt.

Wobei, „Hans Peter“ – pfft! Das ist tatsächlich noch die eine Sache, die mich richtig stört. Ich heiße nicht „Hans Peter“. Mein bürgerlicher Name ist „HP LaserJet Enterprise 700 Color MFP M775z«. Zugegeben, etwas sperrig, aber kann man mich nicht einfach „HP“ nennen? Oder „Hewlett“? Und bei Problemen bitte einfach sachlich mit mir auseinandersetzen. Ich bin doch auch nur ein… Drucker.

P.S.: Bitte Toner wechseln.

Bild: Gades Photography

Ein Kommentar

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