Review: The Ting Tings – Sounds from Nowheresville


Rezension: The Ting Tings - Sounds from Nowheresville
Titel: Sounds from Nowheresville
Artist: The Ting Tings
Release: 24.02.2012
Genre: Elektro-Pop
Label: AR-EXPRESS (Sony BMG)
Urteil: 3,0 von 5,0 Sternen
Kurzum: Andere Ting Tings, als man erhofft hätte.

Tracklist:

1 Silence 3:47
2 Hit Me Down Sonny 2:51
3 Hang It Up 3:12
4 Give It Back 3:36
5 Guggenheim 3:57
6 Soul Killing 3:17
7 One By One 3:46
8 Day To Day 3:34
9 Help 3:01
10 In Your Life 2:58
11 Silence (Back Raiders Remix) 4:21
12 Hang It Up (Inertia Remix) 3:58
13 Give It Back (Demo) 4:24
14 Hang It Up (Abacus & Vargas Predator Remix) 3:36
15 Hands (Mixed by Calvin Harris) 3:20
16 Guggenheim (Andy Taylor ‘Got It Right’ Remix) 3:36
17 Hang It Up (Shook Remix) 4:38
18 Ain’t Got Shit 4:01
19 Hang It Up (CKB Remix) 5:57
Gesamtlaufzeit: 72:37 (eigentlich: 34:03)

 

Damit hat wohl keiner mehr gerechnet. Nicht ganz so lange wie Guns’n’Roses (Chinese Democracy) oder Blizzard (Diablo III) hat es gedauert, aber die vier Jahre nach dem Debüt We Started Nothing kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Zu großen Eindruck hat die damalige Platte um That’s Not My Name gemacht, zu sehr hat man nach mehr gedurstet. Doch das Mehr lässt weiter auf sich warten. Denn die Tings haben sich deutlich weiter entwickelt. Aber im Einzelnen.

Die Platte startet mit einer sich langsam aufbauenden Synthie-Landschaft. Ruhige Töne treffen auf den langsamen Sprechgesang von Katie White. Silence macht seinem Namen alle Ehre, ist nicht das vielleicht erwartete Feuerwerk zu Beginn. Auch wenn das Schlagzeug am Ende etwas Krach schaffen möchte, ist der Song bei weitem nicht so spielerisch und locker. Und doch bauscht sich nach und nach alles mehr und mehr auf. Nur ein langer Intro-Track mit stetig steigender Intensität zum folgenden Krachersong? Nein. Nicht ganz zumindest. Hit Me Down Sonny kommt bereits lebensfroher daher und dürfte eher die zufrieden stellen, die auf ein We Started Nothing 2 gewartet haben. Glockenspiel lockert den Track auf, die Stimme Whites wirkt bereits deutlich spielender. Lockere Gitarrenriffs runden das Bild ab. Der Song gefällt, mehr davon.

The Ting Tings

Mit Hang It Up wird der Wunsch aber nicht erfüllt. Der Song wirkt zu gezwungen, die Bridge zu hektisch und der Refrain zu Möchtegern-Mitgröhlend. Give It Back gibt immerhin eine gute Bassline zurück. Zudem die ersten Vocal-Klänge von Jules de Martino. Das Wechselspiel der beiden in der Strophe funktioniert ganz gut. Und der Refrain zeigt wohl am deutlichsten, was sich an den Ting Tings verändert hat: Es wird dreckig. Ein absolut gelungener Break am Ende des Refrains lässt den Zuhörer die vorherigen Erwartugnen zerplatzen, das wehmütige Zurückdenken in ein hoffnungsvolles Vorausschauen umwandeln. Ja, die Tings sind anders. Aber das heißt nicht, dass sie schlechter sind. Sehr schön rockiger Song, der trotz fehlender Übermelodie eingängig ist.

Guggenheim wird euch alle noch lange im Kopf verfolgen. Ein Intro das aus den 70ern stammen könnte. White spricht uns quasi in den Song hinein. Ruhig, gelassen, stimmig. Im Refrain reicht es dann eigentlich, dass sie die Stimme erhebt, die Instrumentals treten kaum in den Vordergrund. Der Song ist nicht unbedingt superkomplex und super-auskonzepiert. Er hat einfach etwas Besonderes, was viele andere nicht haben. Vielleicht gerade weil er so unspektakulär und simpel daherkommt. Beim folgenden Soul Killing killt vor allem eines: Quietschen. Die ersten Töne stammen anscheinend von einem Uralt-Feder-Bett oder meinem Schreibtischstuhl. Das charmantisch gemeinte Quietschen passt in kein Musikstück der Welt. Euch wird es vor allem jetzt nerven, wo ich euch drauf gestoßen habe. Sorry. Ansonsten ein Song mit angenehmer Bridge und sonst eher schwacher Performance. One By One kommt gefälliger daher. Elektronisches Intro, synthie-Stimmeneffekt und düstere Atmosphäre. Hat was. Der gesamte Song ist wunderbar minimalistisch und funktioniert. Fehlen tut da eigentlich nur ein bombastischer Refrain um das Ganze zu kontern. So bleibt es bei… nett.

Track 8 hält eine musikalisch angenehme Abwechslung bereit. Akkustische Gitarrenklänge, dazu ein schwingender Gesang. Eine ganz neue Seite und Stimmfarbe, die teils an Gwen Stefani erinnert. Dazu ein “Wir haben uns alle lieb” Refrain. Das ist nichtmal negativ gemeint, sondern passt in den Song. Und tatsächlich scheinen die Ting Tings mit ruhigeren Tönen besser zu fahren. Das folgende Help überzeugt total mit ruhigen und langsamen Klängen, die sich aus der Stille heraus steigern ehe gen Ende Synthesizer dazu schlagen. Toll! Und dann der grandiose Abschluss. Mit In Your Life könnten sie im nächsten Tarantino-Film Platz finden. Das Intro kommt mit unheimlicher Tiefe daher, Whites Stimme mit verdammt viel Emotion. Eine wimmernde Geige vollendet das Bild. Ein perfekter Abschlusssong.

The Ting Tings

Das war es dann nämlich auch schon wieder. Hatte ich mich zunächst beim Blick auf das Tracklisting gefreut, dass es im Gegensatz zu We Started Nothing mal zu mehr songs gelangt hat (vor allem nach DER Wartepartie!), tritt Ernüchterung ein. Erneut nur zehn Tracks mit mageren 34:03 Laufzeit. Sorry Leute, das ist zu wenig!

Auch wenn uns die beiden noch mit etlichen Remixes und B-Seiten-Tracks in der Sonderedition zuwerfen. Das ist teilweise ganz eingängig, teilweise nervend. Nicht zuletzt, weil Hang It Up ganze vier(!) Mal durch den Mixwolf darf. Lediglich das von Calvin Harris gemixte Hands taucht hier endlich auf, hatte man es als Vorabauskopplung eh auf der Platte vermutet. Und noch ein Experiment: Bei Ain’t Got Shit hört sich Whites Stimme doch tatsächlich etwas nach M.I.A. an. Letztlich endet die Deluxe-Variante mit einem Dubstep-Remix. Ne, muss nicht.

Urteil: 3,0 von 5,0 Sternen

Es bleibt eine knappe halbe Stune wirklich neuer Ting Tings-Musik. Und die Erkenntnis, dass eine lange Wartezeit sich nicht immer auszahlen muss. Klar, eine Band entwickelt sich weiter, ein starkes und innovatives Debüt birgt immer Probleme für die Zweitplatte, bla-blubb. Und ganz ehrlich: Die Musik ist teilweise immer noch auf erschreckend hohem Niveau. Dazu eingängige Melodien, die auf dem ersten Hör sehr unspektakulär wirken aber nach mehrmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf wollen. Das zeichnet die Ting Tings aus und ist auch bei dem neuen Sound erkennbar. Aber hier und da ist es zu experimentell und zerhackstückelt, erst gegen Ende findet die Platte überraschend ruhig in die Spur. Einen halben Stern mehr hätte es bei einigen Tracks mehr und einigen Remixes weniger gegeben. So bleibt solides Mittelmaß zurück.

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