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Review zum Rock-Konzeptalbum

Jan Delay – Hammer & Michel


Heisskalt - Vom Stehen und Fallen
Titel:Hammer & Michel
Artist:Jan Delay
Release:11.04.2014
Genre:Classic Rock-Hip Hop
Label:Vertigo Berlin (Universal)
Urteil:2,0 von 5,0 Sternen
Kurzum:Pseudo-Rock ohne Tiefgang.

Jan Delay macht Konzeptalben. Das ist spätestens seit Wir Kinder vom Bahnhof Soul wirklich allen offenkundig. Nach sehr gutem Reggea, sehr guten Funk, okayem Soul folgt jetzt also Rock. Zunächst habe ich mich gefreut, hatte ich mir vom letzten Album einen Ausrutscher des ehemaligen Absoluten Beginners vorgestellt und die Mischung mit Rock war reizvoll, potenziell kann sogar seine näselnde Stimme gut auf E-Gitarren passen. Theoretisch.

Die Musik seines „Rockalbums“ hat Delay 2013 als „Dicke-Titten-Sound“ betitelt. Die Hupen sind aber deutlich mit Silikon aufgepumpt, schön ist das jedenfalls nicht geworden. Man merkt: er möchte seine Zielgruppe durch das Neugenre erweitern, aber zeitgleich alteingesessene Popschlager-Fans nicht vergraulen. Viele neue Fans dürfte er hiermit jedoch nicht erhalten haben…

Track by Track

Ein Intro mit High-Hat und lahmen Rock-Riff. Okay, man kann auch sagen, ein sehr elementares und zurückgenommenes Intro. Der erste Track Liebe zeigt direkt das Zwitterdasein zwischen gewolltem Classic-Rock und Poplyric. Meine Liebe beschränkt sich auf das Gitarrensolo kurz vor Ende. Dazu missfällt mir die Entscheidung, den mit 6:16 Minuten längsten Track der Scheibe an den Beginn zu stellen, aber sei’s drum. Das folgende Dicke Kinder hat durchaus Unterhaltungswert und ein paar wahre Worte, was die Lyrics anbetrifft. Mit etwas mehr Schmiss könnte das glatt ein Ärzte-Song sein. Der geht bis auf ein paar unnötige Kopfstimmen klar soweit.

„Und dass gutes Essen teuer ist, das ist eine Lüge – für jede Tüte Chips kriegst du zwei Kilo Gemüse!“

Nach dicken Kindern verliert Jan Delay dann auch Frauen, die nicht tanzen können, als Zielgruppe. Sie kann nicht tanzen hätte wohl problemlos auf die letzte Platte gepasst. Rock ist das jedoch leider nicht. Straße geht in die Country-Richtung. Ein bisschen Old-Rock in Form von Cash & Co für die Trucker da draußen. Kann auch mal, muss aber auch nicht. Und die Bridge „Und ich sach“ ist mittlerweile auch etwas ausgelutscht fürchte ich…

Jan Delay - Hammer & Michel

Dann wird es ultra-rebellisch. Fick gibt natürlich selbigen auf alles – stilecht mit Wasserflasche in der Hand. Das ist zu wenig Ironie um cool zu sein, leider. Wenigstens ein Mal in Richtung Geschrei wäre wünschenswert gewesen, aber es bleibt auf Kindergeburtstagsniveau. Ein Track mit dem Titel Scorpions-Ballade sollte vermutlich direkt geskippt werden. Lyrics wie „Früher waren die Hosen weiter – heut sind sie wieder enger“ geben auch nicht wirklich Anlass zum Zuhören. Dazu schleicht der Song fünf Minuten lang daher, selbst Klaus Meine dürfte das zu wenig rocken.

Mein Favorit – und tatsächlich etwas Rock und Anti – ist mit Abstand Nicht eingeladen. Humor, Rotzhaltung, ein bisschen flotterer Beat – das passt. Kann ich mir gut als Single-Auskopplung vorstellen. Mehr bitte davon! Das folgende Action bringt leider keine selbige mit sich. Vorbei mit der Partystimmung. Katerstimmung, bis Bass und Bläser einschlagen. Ja, richtig – erneut ein Track, der besser zu Funk oder Soul gepasst hätte. Danke, satt. Hertz 4 tritt in die Fußstapfen von Für immer und dich, kommt jedoch bei weitem nicht an die grandiose Ballade aus 2006.

Mit St. Pauli folgt ein durchdachter PR-Gag. Der Ur-Hamburger Delay will natürlich die Liebe zu seinem Lieblingsviertel demonstrieren und zeitgleich eine neue Hymne für selbiges liefern. Ob die Charakterköpfe an der Meile jedoch den Schlagersingsang gutheißen, sei dahingestellt. Mit genug Promille funktioniert es bestimmt, ich bin dafür jedoch zu nüchtern, sorry.

„man darf gespannt sein, wie vielseitig die Riffs ausfallen, aber das macht schon einmal Lust auf mehr.“

Das hatte ich im Januar über die Vorabsingle Wacken geschrieben. Traurig aber wahr: der Track ist tatsächlich mit der rockigste auf dem Album. Und selbst da kam schon einiges an Alibi-Rock durch. Aber der Charakter passt, mehr davon hätte mich deutlich wohlmütiger gestimmt. Aber nein, so folgt mit Kopfkino nochmal eine abschließende Pop-Ballade. Über 5 Minuten lang…

Urteil: 2,0 von 5,0 Sternen

Nein, mein lieber Jan. Das war nichts. Es war mir klar, dass das keine Haudrauf-Indie-Alternative-Grunge-Platte wird. Und die Alben davor hatten ja bereits gezeigt, dass du eher Geschichtenerzähler bist, der uns in eine vergangene (Musik-)Epoche mitnehmen möchte. Da passt Classic-Rock halt eher. Dann sollte man jedoch nicht groß mit „Rockalbum“ und „Dicke-Titten-Sound“ werben. Das ist es nämlich nicht. Für mich – bis auf zwei, drei Tracks – ein Komplettreinfall und das erste Mal, dass ich mir gewünscht hätte, das eine Platte kürzer als 50 Minuten lang ist. Vielleicht klappt es ja in drei Jahren besser, mit dem Schlager-/Punk-/Jazz-Album. Oder wird es Hip Hop? Das wäre mal innovativ!

Tracklist:

1Liebe6:14
2Dicke Kinder3:16
3Sie kann nicht tanzen3:27
4Straße4:20
5Fick3:33
6Scorpions-Ballade5:01
7Nicht eingeladen3:06
8Action3:37
9Hertz 43:34
10St. Pauli4:27
11Wacken4:02
10Kopfkino5:14
Gesamtlaufzeit:50:18

Jan und seine Musikkombo sind übrigens auch auf Tour. Das dürfte hoffentlich mehr abgehen als die Platte:

09.04.2014 Hamburg – Grünspan
08.06.2014 Nürburgring – Rock am Ring
09.06.2014 Nürnberg – Rock im Park
19.07.2014 Cuxhaven – Deichbrand
08.08.2014 Zofingen (CH) – Heitere Openair
16.08.2014 – Hockenheimring – Rock´N`heim
17.08.2014 – Schloß Holte-Stukenbrock – Serengeti Festival
24.09.2014 Dresden – Eventwerk
25.09.2014 Leipzig – Haus Auensee
26.09.2014 Würzburg – S.Oliver Arena
27.09.2014 Kassel – Stadthalle
29.09.2014 Zürich (CH) – Maag Event Hall
01.10.2014 München – Zenith
02.10.2014 Wien (AT) – Gasometer
04.10.2014 Neu-Ulm – Ratiopharm Arena
05.10.2014 Mannheim – Maimarktclub
06.10.2014 Frankfurt – Jahrhunderthalle
07.10.2014 Bremen – ÖVB Arena
09.10.2014 Berlin – Max-Schmeling-Halle
10.10.2014 Flensburg – Flensarena
11.10.2014 Lingen – EmslandArena
12.10.2014 Hannover – Swiss Life Hall
14.10.2014 Stuttgart – Schleyerhalle
15.10.2014 Dortmund – Westfalenhalle
16.10.2014 Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle
17.10.2014 Hamburg – O2 World

9 Kommentare

  1. Marc says:

    Sehe ich auch so.

  2. Maik says:

    Danke für die Beipflichtung. Geschmäcker sind halt doch nicht immer verschieden. ;)

  3. Owley says:

    Ich glaube ich passe – mir gefällt weder das Konzept, noch was ich bisher darob gehört habe.

  4. Maik says:

    @Owley: Würde ich auch nicht, aber ist letztlich Geschmackssache. Der Winkel z.B. findet sie stark: http://www.whudat.de/jan-delay-hammer-michel-full-album-stream-review/ Und in den Charts wird sie eh hoch landen…

  5. laberbacke says:

    das album ist echt gut nicht alle titel aber mind.5 und das ist schon eine leistung heutzutage !!! es gibt halt keine dr dre alben mehr (2001) wo jeder titel geil war !!!!aber trotzdem klasse das album ..man muss manche titeln ofter hören!!! bester titel :strassen!!!

  6. Maik says:

    @laberbacke: letztlich Geschmackssache. „Straße“ finde ich persönlich zu seicht, zu oldschool, zu lasch. Aber ist wenigstens einigermaßen konsequent im Stil, das stimmt. Und vermutlich wird jede Musik der Welt für einen besser, je öfter man sie hört. ;)

  7. Uwe says:

    Das kommt davon, wenn man seine eigene Grenzen nicht überschreiten kann. Dann endet es in so einer bedauernswürdigen Kritik. Musik ist aber mehr als NUR ROCK, NUR HIP HOP oder irgendwas anderes. Denk mal drüber nach, auch das Songs einfach = genial sein müssen. Aber keine Sorge, manche merkens nie

    • Maik says:

      Herzlich willkommen im Jahr 2014! Kritik unkonkret und unkonstruktiv zu kritisieren ist scheinbar das digitale „Nasenfassen“, von dem alle im echten Leben reden… Aber stimmt, Jan Delay hat die Grenzen der Musik mit dieser langweiligen Durchschnittsscheibe übertroffen, verschoben und durchbrochen. Es gibt ihn nun – den Näsel-Rock!

    • Marc says:

      Das Album zählte definitiv zu den schlechten im letzten Jahr. Kann mir kau vorstellen, dass das viel gehört wurde. Live isser aber immer noch ne‘ Granate der Jan.

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