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Realismus zulasten der Dynamik

Review: Fifa 19

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Oh wow, Fünfjähriges! Nach Fifa 15, 16, 17 und 18 mache ich mit Fifa 19 (Partnerlink) das Mini-Jubiläum voll. Etwas verspätet, weil EA augenscheinlich mein Urlaub nicht als Argument gereicht hat, den Release des Titels zu verschieben. Aber sei es drum, ein paar Spielsessions später kann ich euch meinen ersten Eindruck vom Spiel vermitteln, solltet ihr noch überlegen, euch das Jahresupdate zuzulegen.

Vorbericht

Auf dem Papier hatte ich vor dem Release wenig bis gar nichts zu Neuerungen mitbekommen und auch den Gamescom-Besuch habe ich mir dieses Jahr gespart. Entsprechend unvorbelastet bin ich ins Spiel gegangen. Das sieht auf den ersten Blick durchaus gut aus, was aber auch am Einführungsspiel eines Champions League-Finales liegen dürfte, bei deren teilnehmenden Spielern alle Stars sind und entsprechend toll ausgearbeitete Gesichter haben. Die sehen zwar noch immer in vielen Bewegungen künstlich aus, aber einige sind schon verdammt gut getroffen (CR7 als Coverbube natürlich sowieso).

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In Sachen Grafik sind mir ein paar angenehme Kleinigkeiten aufgefallen. Neben noch stärkeren Trikot- und Hosen-Bewegungen gibt es auch Lichtwechsel, sollte der Ball in vom Stadiondach beschattete Bereiche kommen und sich die Kamera anpassen müssen. Als würde man ein sommerliches Live-Spiel im Fernsehen betrachten. Realitätsnäher? Ja. Schön? Weniger. Denn der rapide Wechsel kann schon nervig sein. Deutlich schöner finde ich da, dass es richtige Nahaufnahmen von feiernden Fans gibt. Das bringt ordentlich Emotionen mit rein und darf gerne weiter ausgebaut werden. Auch ist die Grafik in den Zwischensequenzen des Journey-Modus weiter aufpoliert worden und zwischenzeitlich richtig gut anzusehen (jedoch nicht immer).

In Sachen Spielmodi war ich früher großer Fan des Fifa Lounge-Modus. Damit konnte man abendliche Offline-Sessions mit Freunden nicht nur zusammenrechnen und mit Statistiken versehen lassen, sondern auch Boni und Mali gegenseitig verteilen, um das Spiel etwas reizvoller werden zu lassen. Auch wenn der Modus leider nicht zurückgekommen ist, so gibt es jetzt zumindest neue Anstoß-Modi, sowie eine Statistik-Aufzeichnung von Sessions. Bei den Sondermodi kann man z.B. ohne Regeln (also ohne Fouls und Abseits) spielen, oder, dass nur von außerhalb des Strafraumes erzielte oder Volleytore zählen. Mein Highlight ist jedoch der „Wer ein Tor schießt erhält einen Platzverweis“-Modus. Das ist schon lustig und bringt Dynamik in eine Partie. Schade ist, dass man sich noch keine eigenen Parameter individuell zusammen mischen kann. Aber zumindest scheint EA endlich Gehör für die Wünsche von uns Couch-Kooplern entwickelt zu haben.

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Anstoß!

Direkt ein Zwischenfazit vorab: Das Spiel fühlt sich insgesamt deutlich mehr wie eine echte TV-Übertragung an. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist Geschmackssache, aber der Arcade-Faktor wurde für einen höheren Realismus-Grad heruntergefahren. Das liegt vor allem an der Abmilderung des Geschwindigkeits-Effektes. Waren Sprinter bis zuletzt immer die Waffe, die einfach an der Abwehrreihe vorbeigezogen und den Ball reingelegt hat, muss man jetzt deutlich taktischer vorgehen. Allgemein gibt es deutlich mehr Körperlichkeit. Zweikämpfe sind oft Rempler, Abdränger oder man schirmt einen Ball mit dem Körper ab. Das ist zwar realistischer, aber eben auch „unschöner“ und weniger spektakulär als die Wundergrätsche aus dem Nichts. Durch die fehlende Dynamik gibt es viel längere Passketten, was mich teils an das Mittelfeldgeschiebe meines BVB letzte Saison erinnert. Ähnlich realistisch war dann auch, dass sich in meiner ersten Partie Marco Reus nach 25 Minuten verletzt hat und ausgewechselt werden musste…

Wichtig ist auch Technik, sowohl bei Beginn als auch beim Abschluss der Ballaktion. Ballverarbeitung braucht Zeit und ist abhängig von den technischen Fähigkeiten des Spielers. Das gefällt mir, weil es so nicht einfach reicht, den Pass „irgendwie“ zum Mann zu bringen, der nimmt den schon in vollem Tempo irgendwie mit, man muss Ausrichtung, Laufweg und Raumenge mit einbeziehen. Wo ich noch weniger überzeugt bin, ist das neue Schussgenauigkeits-Tool. Hat man den Trainer aktiviert, bekommt der Spieler einen klassischen Ladebalken über sich eingeblendet, der bei passender Grünstelle angehalten gehört, damit der Schuss entsprechend perfekt getimed ist. Ich behaupte mal, das gab es in der Form bereits zuvor, nur war es eben nicht ersichtlich. Das hilft aber zumindest, um zu verstehen, weshalb der verheißungsvolle Abschluss nicht reingegangen ist, sollte das Dreieck über dem Spielerkopf rot umrandet werden, weil man zu früh oder spät war.

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Und auch wenn es überhaupt nichts Neues ist und ich mich jedes Jahr darüber aufrege: die Kommentare von Buschi und Wolf sind noch immer ultra-fehlerbehaftet. Das liegt weniger an den Kommentaren selbst, als an der Programmierung. Wenn in der 61. Minute etwas wie „Und jetzt ist Halbzeit“ gesagt wird, macht das wenig Sinn. Allgemein sind noch immer die klassischen Fehleinstufungen zu beobachten, wenn es um die Klassifizierung von Spielszenen geht und bspw. der Kullerball aus 30 Metern als „UND DAS IST DIE CHANCE!!!“ verrufen wird. Ich schalte vielleicht lieber wieder auf den englischen Kommentar.

Elfmeter!

Ich habe bisher noch gar keinen geschossen, aber weil ich es interessant fand, bekommt ihr hier die Elfmeter aus den Fifa-Spielen von 1994 bis 2019 präsentiert und könnt sehen, welche Grafik- und Atmosphäre-Sprünge die Reihe im Laufe der 25(!) Jahre durchlaufen hat:

Abpfiff

Auch wenn es nur ein Gefühl ist, würde ich sagen, dass der Entwicklungssprung zu „Fifa 19“ deutlich wirksamer und größer ist, als der zum Vorjahrestitel. Das wirkt eher wie ein neuer Teil als ein Update, auch wenn es natürlich grundsätzlich beim Spielmechanismus bleibt. Ich bin noch zwiegespalten ob des Realismus-Grades, weil ich eigentlich Fan davon bin, wenn es Simulations-artiger wird, aber geht halt doch einiges an Dynamik und Spielspaß dadurch flöten. Vielleicht empfinde ich das Spiel aber auch einfach als langsam, weil ich zuletzt wieder viel „Rocket League“ gespielt hatte…

Insgesamt macht „Fifa 19“ aber Spaß und hat mich im Gegensatz zum letzten Jahr keinen Gedanken daran verschwenden lassen, zur PES-Konkurrenz zu greifen. Das ist nicht das allerschlechteste Zeichen, denke ich.

„Fifa 19“ ist seit 28. September auf dem Markt und ihr könnt das Spiel für die PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360, Nintendo Switch sowie den PC (alles Partnerlinks) erwerben. Ich habe die PS4-Version getestet.

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Ich habe das Spiel zu Rezensionszwecken von EA zur Verfügung gestellt bekommen.

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Ich bin Maik Zehrfeld und habe diesen Blog 2006 aus Langeweile heraus gegen die Langeweile gegründet. Mittlerweile stellt LangweileDich.net eine Bastion der guten Laune dar, die nicht nur Langeweile vertreiben sondern auch nachhaltig inspirieren will. Gute Unterhaltung!

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